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Schmidts F1-Blog

Revanche, für was?

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016 Foto: Wilhelm 49 Bilder

Max Verstappen mischt die Formel 1 auf. Im und außerhalb des Rennautos. Der Junge tut dem Sport gut. Auf der Rennstrecke spielt er aber noch zu oft den wilden Mann. Die Aktion gegen Kimi Räikkönen geht nicht, schon gar nicht als Revanchefoul, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem Blog.

29.08.2016 Michael Schmidt 7 Kommentare

Fahrer wie Max Verstappen braucht die Formel 1. Jung, erfrischend, aggressiv, rotzfrech, respektlos, unangepasst, manchmal auch jenseits von Gut und Böse. Haben wir alles schon gesehen. Mit Clay Regazzoni, Jody Scheckter, Gilles Villeneuve, Ayrton Senna, Michael Schumacher, Juan Pablo Montoya, Fernando Alonso, Lewis Hamilton.

Sie haben polarisiert, sich nichts gefallen lassen und in ihrer Anfangsphase auch das ein oder andere Mal Schrott produziert. Aber das Publikum hat sie verehrt. Max Verstappen lockt nicht umsonst 85.000 Zuschauer nach Spa.

Verteidigung über dem Limit

Dass er auf der Rennstrecke den wilden Mann spielt, geht in Ordnung. Dass er seine Position bis aufs Messer verteidigt und mit viel Risiko überholt auch. Das ist Teil seiner Visitenkarte. Doch es gibt bestimmte Aktionen, die darf man ihm nicht ungestraft durchgehen lassen. Dazu gehörte das Duell mit Kimi Räikkönen in Runde 13 des GP Belgien.

Verstappen kann nicht bei 350 km/h mitten auf der Geraden seinen Gegner in eine Situation bringen, die mit etwas weniger Glück in einem Riesen-Crash endet. Es ist okay, wenn er mitten in der Straße fährt und dem Angreifer so wenig Platz wie möglich zum Überholen lässt. Er kann aber nicht darauf warten, bis der andere sich auf eine Seite festgelegt hat und ihm dann vor die Nase fahren.

Verstappen muss wissen, dass der Ferrari dank DRS und Windschatten einen riesigen Tempo-Überschuss hat. Er muss auch wissen, dass er Räikkönen damit entweder zu einer Vollbremsung oder noch weiter nach rechts auf den Grünstreifen zwingt. So wie es Michael Schumacher im Jahr 2000 mit Mika Häkkinen gemacht hat.

In beiden Fällen ging das Manöver gut. Bei Fernando Alonso gegen Esteban Gutierrez in Melbourne hat es gekracht. Gleiche Situation. Ein Auto im De-Rating, das andere mit offenem DRS. Gutierrez hat nicht einmal die Spur gewechselt. Alonso entschied sich dafür noch weiter auszuweichen und traf den HaasF1. Wir haben die Bilder vom fliegenden McLaren noch alle im Kopf.

Revanchefoul unter der Gürtellinie

Ganz kritisch wird es, wenn Verstappen in seinen Kommentaren die harte Gangart als Antwort auf den Startcrash betrachtet, den seiner Meinung nach die Ferrari-Piloten ausgelöst haben. Ein Revanchefoul wäre jedoch unter der Gürtellinie.

Vor allem, Revanche für was? Die Kollision zwischen Vettel, Räikkönen und Verstappen war ein ganz normaler Startunfall. Vettel hatte nur die Pflicht, Platz für Räikkönen zu lassen. Das hat er gemacht. Er kann nicht wissen, dass sich innen noch Verstappen durchquetschen will.

Nach Verstappens Logik hätte Vettel einen Bogen bis nach Francorchamps fahren müssen, damit innen genügend Autos durchkommen. Damit wäre jeder auf der Außenspur der Depp. Er müsste dann den beim Start gewonnen Platz wieder herschenken. Ich glaube nicht, dass Verstappen in Vettels Situation großzügiger gewesen wäre.

Verstappen trägt Mitschuld am Startcrash

Der einzige, der die Lage richtig einschätzen konnte, war Verstappen selbst. Er hat alles vor sich gesehen. Wenn er unbedingt innen in die Lücke stechen will, muss er mit den Konsequenzen leben, wenn es eng wird. Und überhaupt: Räikkönen konnte am wenigstens dafür. Kimi steckte in einem Sandwich, aus dem es für ihn kein Entrinnen gab. Wozu also eine Retourkutsche gegen ihn?

Verstappen wollte seinen Fehler beim Start gleich in der ersten Kurve korrigieren. Da kann man nur sagen: Pech gehabt. Mit etwas mehr Erfahrung hätte er in La Source zurückgezuckt. Dass er es dann Räikkönen zurückzahlt, und das auch noch mit voller Absicht, hat nichts mehr mit aggressivem Fahren zu tun. Das ist einfach nur ein kleines Schurkenstück.

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Neuester Kommentar

Max Verstappen sollte sich mal vor Augen führen, was passieren kann. bei solchen Aktionen sind schon Fahrer gestorben. DAs ist zum Glück lange her, aber wenn Sicherheit für Piloten dazu führt, dass Piloten ohne Respekt und zuviel Selbstbewußtsein wie Rambo durchs Feld pflügen, sind wir nicht mehr bei der Formel 1, sondern im Stockcar.

Nigel Phineas Bentley 1. September 2016, 06:58 Uhr
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