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Schmidts F1-Blog

Sauber-Misere Resultat eines kranken Systems

Giedo van der Garde - Sauber - GP Australien 2015 Foto: xpb 71 Bilder

Giedo van der Garde rechnet mit Sauber ab. Der Holländer fürchtet, dass seine Formel 1-Karriere nach dem Vergleich mit dem Schweizer-Rennstall beendet ist und prangert das Geschäftsgebaren des Teams an. Das aber ist nur das Resultat eines in sich kranken Systems, meint Michael Schmidt.

18.03.2015 Michael Schmidt

Es liest sich wie eine Abschiedsrede. Giedo van der Garde rechnet auf seiner Facebook-Seite mit Sauber ab. Was als Gerichtsstreit begann, endete mit einem Vergleich. Der Kläger wollte unbedingt fahren, wurde aber von dritter Seite darauf hingewiesen, dass es nicht sonderlich klug ist, beim Saisonstart zwei Autos konfiszieren zu lassen bei einem Feld, das ohnehin schon an Auszehrung leidet. Also bot van der Gardes Partei Sauber die Zahlung einer Entschädigung an. Sie riefen eine Summe auf, von der sie glaubten, dass sie die Gegenseite nicht bezahlen könne. Womöglich in der Hoffnung, den am Boden liegenden Rennstall dann selbst zu übernehmen. Was vielleicht von Anfang an auf der Agenda der Geldgeber des Holländers stand.

Formel 1 muss sich neu erfinden

Sei‘s drum. Sauber kann offenbar zahlen, woher auch immer das Geld kommt. Für van der Garde ist das gleichbedeutend damit, dass seine Formel 1-Karriere beendet ist. Der Holländer beruft sich auf einen Vertrag als Stammpilot für 2015, den er in gutem Glauben unterschrieben hat. Wie sich herausstellte, hatte Sauber für dieses Jahr drei Fahrer unter Vertrag. Die genauen Hintergründe sind bis jetzt unklar. Nach außen hat es jetzt den Anschein, dass derjenige über die Klinge gesprungen ist, der das wenigste Geld brachte.

In seinem Statement erklärt van der Garde, dass er ein Exempel statuieren wollte, auch für seine Kollegen. Er sei nicht der einzige Fahrer, dem das Geschäftsgebaren einiger Teams die Karriere kaputtgemacht haben. Sei es, weil die Zahlungsmoral immer schlechter wird, oder weil die Höhe der Mitgift über ein Cockpit entscheidet. Van der Garde hofft, dass sein Fall die Rechte der Fahrer in Zukunft stärkt. Da hofft er umsonst. Es wird sich so lange nichts ändern, so lange sich der ganze Sport nicht neu erfindet. Was van der Garde passiert ist, ist das Resultat eines kranken Systems.

Große Teams machen es sich einfach

Ich will hier Sauber oder andere Teams nicht rechtfertigen. Wenn diverse Gerichte festgestellt haben, dass van der Garde einen rechtsgültigen Vertrag mit Sauber hatte, dann muss man davon ausgehen, dass es so ist. Auf die Frage, warum der Schweizer Rennstall drei Fahrer angestellt hat, haben die Engländer eine schöne Lebensweisheit zur Antwort: "Desperate people do desperate things." Van der Garde sagt selbst, dass er das Team Anfang 2014 mit seinem Sponsorgeld am Leben gehalten hat. Als Felipe Nasr beim GP Brasilien überraschend als zweiter Fahrer neben Marcus Ericsson nominiert wurde, hat ein anderer Fahrer Sauber das Leben gerettet. Das ist die bittere Wahrheit.

Das Problem liegt darin, dass sich die Hälfte der Teams nur durch solche Klimmzüge am Leben erhalten können. Die großen Teams machen es sich einfach und sagen: Wenn Sauber das Geld nicht hat, sollen sie zusperren. Dann gäbe es heute aber auch Lotus, Force India und Manor nicht mehr. Und der nächste, den es erwischt, wäre Williams.

Sauber kehrte 2010 mit der Hinterlassenschaft von BMW auf privater Basis in die Formel 1 zurück. Damals reichten rund 100 Millionen Dollar aus, um die Plätze 6 bis 9 in der Konstrukteurs-Wertung zu kämpfen und zwischen einer und zwei Sekunden auf die Spitze zu verlieren. Heute braucht man dafür 30 Millionen mehr. Nur weil vorne Mercedes, Red Bull, Ferrari und McLaren-Honda immer mehr Kohle verpulvern, um ihren eigenen Wettkampf auszutragen. Ein Einsatz, der den Sport um keinen Deut besser macht. Weil der Fan nichts von dem Aufwand mitkriegt. Das Resultat ist für ihn immer nur ein Rennauto. Das für 300 Millionen Dollar sieht nicht viel anders aus als das für 100 Millionen.

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