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Formel 1-Blog von Michael Schmidt

Schicksalsrennen für Schumi

Michael Schumacher Foto: xpb

In Barcelona gibt es für Michael Schumacher und Mercedes keine Ausreden mehr. In Spanien muss die angekündigte Steigerung kommen. Eine weitere Pleite kann sich Schumi nicht mehr erlauben, meint F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

05.05.2010 Michael Schmidt

Barcelona war meistens gut zu Michael Schumacher. Sechs Mal hat er auf der Retortenpiste am Rande der katalanischen Metropole gewonnen. Und oft wurde der GP Spanien für ihn auch zum Wendepunkt in einer Saison, die mit Schwierigkeiten begann. 1995 bremste Schumacher den Siegesdrang von Damon Hill, der mit zwei Erfolgen hintereinander in Buenos Aires und Imola Oberwasser zu bekommen drohte. 1996 gewann er sein erstes Rennen für Ferrari zu einer Zeit, in der bereits Stimmen laut wurden, die Schumacher die Rückkehr zu Benetton empfahlen. 2001 war ihm das Rennglück gnädig. Mika Häkkinen schien den Sieg bereits in der Tasche zu haben, als der McLaren in der letzten Runde klar in Führung liegend mit einem Kupplungsdefekt ausfiel. Danach war der Widerstand von McLaren-Mercedes gebrochen.

Auch in diesem Jahr braucht Schumacher die Wende. In doppeltem Sinn. Sein Auto war in den ersten vier Grand Prix nicht siegfähig. Und sein Teamkollege Nico Rosberg hatte ihn bis jetzt klar im Griff. Schlimmer noch: Nach drei Einsätzen, bei denen sich Schumacher ständig steigerte, geriet der GP China zur totalen Demontage. Der Rekordsieger muss deshalb beim GP Spanien am Wochenende wenigstens zurück in die Spur und erkennen lassen, dass er Rosberg näher kommt. Und der Mercedes GP W01 muss zeigen, dass er mit Red Bull, Ferrari und McLaren mithalten kann.
 
Barcelona ist so etwas wie der ultimative Prüfstand für die Kombination Schumacher/Mercedes. Nicht dass man bereits vom Gewinnen träumen sollte, aber eine deutliche Steigerung ist Pflicht. Für beide Parteien. Teamchef Ross Brawn weiß, was auf dem Spiel steht. Selten zuvor habe ich den Mann, den sonst nichts aus der Ruhe bringt, so angespannt erlebt. Es ist eben ein Unterschied, ob man für sein eigenes Team oder für einen Weltkonzern wie Mercedes am Kommandostand steht.
 
Anschauungsunterricht hatte er ja, seinerzeit als Technikdirektor von Ferrari. Als Schumacher 1996 in Maranello andockte, forderten Gianni Agnelli und Luca di Montezemolo schnelle Erfolge. Rennleiter Jean Todt stand voll in der Schusslinie, als die Saison mit Enttäuschungen begann. Schumacher rettete ihn: Mit Siegen in Barcelona, Spa und Monza.
 
Brawn weiß, was er seinem Partner schuldig ist. Zwei, drei Niederlagen bringen Mercedes nicht um. Doch wie hat Vorstandschef Dieter Zetsche gesagt? Irgendwann muss das Paket Siegfähigkeit beweisen. Irgendwann ist Barcelona. Es ist genug über Radstand, Gewichtsverteilung und Aerobalance geredet worden. Man hat uns erzählt, dass am kommenden Wochenende alles besser wird. Wenn der Trumpf nicht sticht, ziehen sich die Daumenschrauben weiter zu.
 
Auch wenn nach Barcelona noch 14 Rennen im Kalender stehen. Ohne eine deutliche Steigerung ist zu befürchten, dass die Aufholjagd verpufft. Weil dann klar wäre, dass die Konkurrenz das gleiche Entwicklungstempo gehen kann. Oder weil sich der Verdacht erhärten würde, dass in diesem Auto ein gröberer Hund verborgen ist.
 
Gleiches gilt für Michael Schumacher. Es gibt keine Ausreden. Barcelona kennt er in- und auswendig. Der Circuit de Catalunya ist eine seiner Spezialstrecken, wie die Statistik beweist. Er weiß, wie sich Auto und Reifen auf der Strecke anfühlen. Immerhin hat er im Februar dort 208 Runden getestet. Der Kurs weist hauptsächlich flüssige Kurven auf und nur zwei jener langsamen Passagen, in denen Schumacher in Shanghai so viel Zeit verloren hat. Der PS-Gott aus Kerpen hat jetzt genug Spielmasse, um die Gewichtsverteilung des Autos nach seinem Geschmack zu trimmen. Da fallen dann auch die vier Kilogramm Mehrgewicht zu Rosberg kaum noch ins Gewicht.
 
Sollte der siebenfache Weltmeister in Barcelona nicht die Trendwende schaffen, muss man sich Sorgen machen, ob er überhaupt noch die Kurve kriegt. Mit jedem Duell, das Rosberg gegen Schumacher gewinnt, steigt dessen Selbstbewusstsein. Rennfahren hat viel mit Psychologie zu tun. Auch 254 Grand Prix Erfahrung können die innere Unruhe nicht besiegen, das Gefühl, dass der andere irgendetwas besser macht. Und sei es nur, dass ihm das Auto besser auf den Fahrstil zugeschnitten ist.
 
Würde sich Shanghai für Schumacher in Barcelona wiederholen, wäre es auch mit dem Denkmalschutz vorbei. Die Massenmedien haben sich schon vorsichtig auf die PS-Legende eingeschossen, ihre scharfe Munition aber noch im Köcher gelassen, solange nicht klar ist, wie Schumacher mit dem umgebauten Mercedes zurechtkommt. Wird alles gut, können sie ihn immer noch wie in alten Tagen hochleben lassen ohne sich allzuviel korrigieren zu müssen. Wenn nicht, werden die Kettenhunde schnell von der Leine gelassen. Deshalb ist der Grand Prix von Spanien für den Heimkehrer ein Schicksalsrennen.

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