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Schmidts Formel 1-Blog

Seb, das war nichts!

Sebastian Vettel Adrian Newey GP Malaysia 2013 Foto: xpb 71 Bilder

Formel 1-Experte Michael Schmidt erklärt in seinem aktuellen Blog, warum man Sebastian Vetttel die Missachtung der Stallregie in Malaysia nicht so leicht verzeihen wird, wie anderen Piloten vor ihm.

25.03.2013 Michael Schmidt

Dieser GP Malaysia wirft lange Schatten. Er wird nicht so schnell vergessen werden, vor allem nicht bei den Beteiligten. Bei Red Bull brennt es wieder mal lichterloh. Die alte Feindschaft zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel wurde neu aufgefrischt. Und sie wird auch durch Entschuldigungen nicht mehr zu kitten sein, egal wie ehrlich sie gemeint waren.

Mit dem Ignorieren der Stallorder hat sich Vettel ein Problem geschaffen, das er nicht brauchen kann im Titelkampf. Der Teamfrieden ist im Eimer. 3 Jahre nach der Kollision beim GP Türkei herrschte bei Red Bull zuletzt wieder das entspannte Miteinander einer Zweckgemeinschaft. Damit ist es jetzt vorbei.

Sebastian Vettel wird zum Buhmann

Webber wird diesen gestohlenen Sieg zurückfordern. Und bei jeder Gelegenheit, bei dem er ihn nicht bekommt, wird Vettel als Buhmann dastehen. Webber wird sein Vettel-Bild korrigieren und sich mit der Zurücksetzung extra motivieren. Immer dann ist er besonders gefährlich. Man erinnere sich nur an Silverstone 2010, als ihn ein Streit um einen Frontflügel zu einer Siegesfahrt beflügelte.

Es ist das Erkennungszeichen der Erfolgreichen, dass sie nur an sich denken. Dass sie keine Geschenke machen. Dass sie ihren Nummer eins-Status immer und überall einfordern. Vettel hatte schon vor der strittigen Szene im Rennen durchblicken lassen, wer seiner Meinung nach Chef im Ring ist.

Als Webber in Runde 28 seinen Reifen eine Erholungsphase gönnte und direkt vor seiner Nase herumfuhr. Da forderte der Weltmeister seinen Kommandostand ultimativ auf: "Mark ist zu langsam. Schafft ihn aus dem Weg." Für den Australier wirkte dieser Spruch wie Doping. In den folgenden drei Runden nahm er Vettel 1,5 Sekunden ab.

Vettel nicht der erste Egoist der Formel 1

Siegertypen kennen nur ein Gesetz. Ihr eigenes. Fernando Alonso ist keine Spur anders. Auch Lewis Hamilton nicht. Michael Schumacher war so. Ayrton Senna, Alain Prost und Nelson Piquet haben das Prinzip des bedingungslosen Egoismus allen vorgelebt.

Doch nicht jeder kann sich alles erlauben. Den Einen lassen die Fans ihre Kompromisslosigkeit durchgehen, den Anderen nicht. Piquet überspielte seinen Alleinherrschaftsanspruch durch seine Lockerheit. Prost dagegen musste mit dem Vorwurf leben, ein gerissener Politiker ohne Skrupel zu sein. Der Franzose litt unter seinem schlechten Image. Michael Schumacher deckte seine Ellbogenmentalität mit seinen einmaligen Erfolgen zu. Er teilte die Fans in zwei Lager. Die Einen hassten, die Anderen verehrten ihn.

Ayrton Senna war ein Meister der Selbstvermarktung. Er schaffte es, jede Rücksichtslosigkeit, jeden Crash als Fehler der anderen hinzustellen. Selbst als er Prost 1990 in Suzuka mit 220 km/h absichtlich ins Auto fuhr. Schuld war Prost, weil der ihn mit der Kollision im Jahr davor dazu gezwungen hatte. Die Fans nahmen dem Brasilianer die inszenierte Opferrolle ab. Weil er hinter dem Lenkrad ein Magier war, Qualifikationsrunden jenseits jeder Vorstellungskraft fuhr und Überholmanöver hinzauberte wie kein Zweiter. So einer konnte nicht schuld sein.

Vettel zeigt zwei Gesichter

Vettel hat es da schwer. Weil er außerhalb des Cockpits locker und unkompliziert ist. Ihm nimmt man den harten Hund nicht ab wie einem Alonso, der schon als Finsterling durch das Fahrerlager läuft. Dem traut man jede Boshaftigkeit zu. Wenn sie eintritt, ist keiner überrascht. Oder Schumacher, der bei Kritik an seiner Person schon mal auf stur schalten und die Wirklichkeit für eine gewisse Zeit ausblenden konnte. Irgendwie war das konsequent.

Kaum vorstellbar, dass sich Schumacher in vergleichbarer Situation bei seinem Teamkollegen entschuldigt hätte. Er holte zwar Rubens Barrichello 2002 auf das Siegerpodest, doch das war eine andere Geschichte. Die Täter saßen damals am Kommandostand von Ferrari.

Vettels Aktion beim GP Malaysia wird all jenen Munition geben, die glauben, der Sonnyboy sei nur eine Fassade. Die Kritiker messen deshalb mit zweierlei Maß. Vettel wird der Sieg von Malaysia auch dann noch vorgehalten, wenn diese 7 Punkte den Unterschied zum WM-Titel ausmachen. Bei Alonso hätte nach 2 Rennen keiner mehr darüber geredet.

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