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Schmidts F1 Blog

Ein selbstzerstörerisches Versteckspiel

Impressionen - Barcelona - F1-Test - Samstag - 20. Februar 2016 Foto: ams

Nach 85 Tagen Winterpause kehrt die Formel 1 auf die Strecke zurück. Die Königklasse hat in dieser Zeit alles unternommen, um nicht ins Gespräch zu kommen. Ein Sport, dem die Zuschauer weglaufen, sollte das Gegenteil tun, meint Michael Schmidt.

21.02.2016 Michael Schmidt

Die Zeit des Entzugs ist vorbei. 85 Tage lang hat die Formel 1 Winterschlaf gehalten. Und sie hat es ziemlich ernst damit genommen, möglichst keine Schlagzeilen zu produzieren. Wenn das britische Fachmagazin Autosport in der Mehrheit Titel mit historischem Motorsport produziert, muss man davon ausgehen, dass die Vergangenheit spannender ist als die Gegenwart.

Formel 1-Fans in der Pause ausgehungert

Ein bisschen Pause tut ja ganz gut. Aber muss man sich gleich 12 Wochen am Stück verstecken? Die Teams und die Fahrer hätten in der toten Zeit etwas dagegen tun können, in der Versenkung zu verschwinden, doch ganz offenbar ist es so gewollt, so wenig wie möglich preiszugeben.

Schlagen wir einmal im Kalender seit dem Saisonfinale 2015 in Abu Dhabi nach. Da gab es im Dezember eine Ferrari-Pressekonferenz mit den Chefs Sergio Marchionne und Maurizio Arrivabene. Mercedes produzierte im Januar eine Dokumentation, wie der Hybridantrieb in der Formel 1 wirklich funktioniert. Renault stellte im Februar sein neues Team und Red Bull seine neue Lackierung vor. Und sonst? Der ewige Streit um das Reglement. Auf die Dauer ermüdet die Politik selbst das Hardcore-Publikum.

Renault hat bei seinem Event in Paris eigentlich gar nicht viel gezeigt. Ein halbneues Auto mit neuer Lackierung. Und doch hat die Geschichte die Fans eine Woche lang ernährt. Der Internet-Traffic ist in dieser Zeit sprunghaft angestiegen. Ein untrügliches Zeichen dafür, wie ausgehungert die Fangemeinde war.

Selbst in der Woche vor den Testfahrten stand sich die Formel 1 wieder mal selbst im Weg. Statt sich abzusprechen und die Präsentation ihrer neuen Autos einzeln auf die Tage zu verteilen, zeigten Mercedes, McLaren und HaasF1 ihre Neukonstruktionen am gleichen Tag. Und nehmen sich so gegenseitig Aufmerksamkeit weg.

Und was bei diesem virtuellen Decke-Wegziehen im Internet zum Teil herauskommt, ist erbärmlich. Ferrari ließ seine Fahrer Fragen von Fans beantworten. Schön und gut. Nur leider hat die Ferrari-Presseabteilung die unkritischsten der unkritischen Fragen ausgefiltert, die dann bei Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen zu nichtssagenden Antworten führte.

Was sagen Sponsoren zur entgangenen Publicity?

Doch genau das ist es, was viele Teams wollen: Nichts sagen, nichts zeigen. Das Versteckspiel bei den Testfahrten kennen wir ja schon. Stellwände, so hoch, dass selbst ein Basketballspieler nicht drüber schauen kann. Als Sponsor würde ich von meinem Team Geld für entgangene Publicity zurückfordern.

Wer im Winter Geschichten mit Fahrern produzieren will, bekommt oft zu hören: Geht nicht, die Ingenieure haben unsere Fahrer in Beschlag genommen. Tatsächlich hatten die Fahrer in den 85 Tagen Pause genug Zeit, dem Sport den einen oder anderen Dienst zu erweisen. Man wirbt nicht für sein Metier, wenn man untertaucht.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff meinte kürzlich in einem Gespräch, dass der Formel 1 der Glamour-Faktor fehle, der früher ihr Markenzeichen war. Er hat Recht. Die Stars sind die Fahrer und die Autos. Man sollte sie pflegen und im Sinne der Sache nutzen. Wann immer es geht. Nichts ist schlimmer, als in Vergessenheit zu geraten.

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