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Schmidts F1-Blog

Stallregie ist keine Lösung

Nico Rosberg - GP Österreich 2016 Foto: sutton-images.com 62 Bilder

War der Crash zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton am Red Bull-Ring eine Bestrafung wert? Für mich war es ein ganz normaler Rennunfall. Muss Mercedes jetzt reagieren? Es gibt keine gute Lösung, meint Michael Schmidt. Nur eine unpopuläre.

04.07.2016 Michael Schmidt 13 Kommentare

Wer trägt die Schuld an der Kollision der Mercedes-Piloten? Die Experten redeten sich die Köpfe heiß. Die Sportkommissare leiteten eine Untersuchung ein. Aber ich verstehe die Frage nicht. Für mich war es ein ganz normaler Rennunfall, der für einen der beiden Beteiligten dumm gelaufen ist.

Mir leuchtet auch nicht ein, warum sich die Kommissare überhaupt einmischen mussten. Es ist ja kein Dritter zu Schaden gekommen. Und sind wir mal ehrlich: Das ist der Rennsport, den wir sehen wollen. Ein Showdown in der letzten Runde. Geht es noch besser? Über was hätten wir uns heute unterhalten, wenn Lewis Hamilton brav hinter Nico Rosberg ins Ziel gefahren wäre?

Rosberg hat in Kurve 1 einen Fehler gemacht. Hamilton wollte das zu seinem Vorteil nutzen. Das ist sein gutes Recht. Rosberg wollte sich verteidigen. Auch das ist legitim. Bremsprobleme hin oder her. In der letzten Runde gibt kein Rennfahrer einen Zentimeter preis. Rosberg hatte die bessere Innenspur und die schlechteren Bremsen. Er wollte seinen Stallrivalen mit dem Hamilton-Trick austricksen und hat sich dabei selbst ausgetrickst.

Kein Harakiri-Duell mit Total-Verlust

Hamilton darf sich nicht beschweren, dass ihn Rosberg auf der Außenseite der Kurve verhungern lassen wollte. Er kennt dieses Spiel. Und Rosberg muss sich nicht drüber aufregen, dass Hamilton irgendwann eingelenkt hat. Er hätte es bei vertauschten Rollen genauso gemacht wie Hamilton.

Die Nummer ist deshalb nicht gut gegangen, weil die Mercedes-Piloten anders als in Suzuka und Austin 2015 oder in Montreal 2016 nicht parallel zueinander lagen. Hamilton hatte einen Nasenlänge Vorsprung. So kam es nicht zum Kontakt Rad gegen Rad, sondern Rad gegen Flügel. Rosberg war somit schon gestraft genug. Da mussten die Kommissare nicht noch nachkarten.

Es war auch keine Karambolage, bei dem es einer der Fahrer ohne Rücksicht auf Verluste auf einen Totalausfall ankommen ließ. Es wäre ein Leichtes für Rosberg gewesen, Hamilton komplett abzuräumen. Umgekehrt genauso. Beide wollten überleben.

Dass die Fahrer dem jeweils anderen die Schuld gaben, ist auch keine große Überraschung. Sagen Sie mir eine große Kollision der Vergangenheit, wo einer der Crash-Piloten sich freiwillig das Büßerhemd anzog.

Keine Lösung für Mercedes-Problem

Mercedes sucht jetzt nach einer Lösung. Ich sage, es gibt sie nicht. Weil jede Maßnahme, die ein Rad-an-Rad-Duell auf der Strecke verbietet, so unpopulär wäre, dass der Schaden größer ist als der Nutzen. Was für eine Stallregie will Mercedes aussprechen? Einen Nichtangriffspakt für die erste und die letzte Runde? Und was ist, wenn sich die beiden in der 10. Runde treffen?

Es gibt einfach keine Garantie dafür, dass sich Hamilton und Rosberg nicht wieder in die Kiste fahren. Außer man lässt denjenigen gewinnen, der in der Startaufstellung vorne steht. Doch dafür würde Mercedes richtig Prügel einstecken. So wie Ferrari, als Rubens Barrichello in Österreich Michael Schumacher den Sieg schenkte. Als Felipe Massa in Hockenheim 2010 Fernando Alonso nach Stallorder den Vortritt ließ. Oder McLaren, als David Coulthard in Jerez 1997 und Melbourne 1998 auf Befehl von oben Platz für Mika Häkkinen räumen musste.

Wer so überlegen wie Mercedes ist, hat eine Verpflichtung dem Sport gegenüber. Auch wenn es manchmal weh tut. Die Zuschauerzahlen am Red Bull-Ring zeigen, dass sich die Formel 1 nicht mehr viele Fehler leisten darf.

Neuester Kommentar

Absolut einverstanden, eine Mercedes-Stallregie wäre derzeit eine Katastrophe für die F1. Wer so überlegen ist, trägt Verantwortung. Momentan steht Mercedes für Performance und echten Rennsport, im Notfall bis die Fetzen fliegen.

Chiasmus 5. Juli 2016, 10:14 Uhr
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