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Schmidts Formel 1-Blog

Testcomeback: Was soll der Unsinn?

Formel 1 Test Barcelona 2011 Foto: Grüner 52 Bilder

Die Pläne von FIA-Präsident Jean Todt zur Wiedereinführung von Testfahrten in der Formel 1 treffen bei Michael Schmidt auf wenig Verständnis. In seinem aktuellen Blog erklärt der Formel 1-Experte warum.

12.05.2011 Michael Schmidt

FIA-Präsident Jean Todt kündigte auf einer Pressekonferenz in Istanbul an, dass er für ein Comeback von Testfahrten unter der Woche plädiere. Zwei Mal drei Tage seien zu vertreten, meinte Todt. Das Testverbot würde zu viel Entwicklungsarbeit auf die Simulatoren und Windkanäle verlagern. Was keinerlei Geld spart.

Zwei Teams würden den Vorstoß des FIA-Präsidenten sofort unterschreiben. Sie machen seit geraumer Zeit bei Sitzungen der Teammanager Politik für ein Comeback von Testfahrten. Es soll sich um Ferrari und Red Bull handeln. Bislang scheiterten alle Vorstöße am Veto der anderen Teams.

Kein Spareffekt im Windkanal

Recht so. Sind die FIA, Ferrari und Red Bull denn von allen guten Geistern verlassen? Wer eine Rückkehr der Testfahrten unter der Saison fordert, hat nichts kapiert. Der wird höchstens von eigenen Interessen gesteuert. Dem Sport kann er nur damit schaden.

Das Argument, dass die Teams mehr Geld für Entwicklungsarbeit im Labor als auf der Strecke ausgeben ist ein Rohrkrepierer. Ja glaubt denn einer, dass die reichen Teams ihre Windkanalarbeit und ihre Simulationen einstellen, nur weil sie wieder sechs Tage in der Saison testen dürfen? Die forschen mit der gleichen Intensität in der Fabrik weiter. Da ist null Geld gespart.

Im Gegenteil: Die sechs Testtage kosten zusätzlich. Was Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes nicht wehtut. Sauber, Williams, Force India, Toro Rosso, Lotus, Virgin und Hispania aber schon. Auf sie kämen zusätzliche Kosten zu. "Wir müssten wieder ein kleines Testteam zusammenstellen", sagt Williams-Teammanager Dickie Stanford. "Das Personal für extra Testfahrten haben wir nicht." Sauber und Force India denken genauso.

Junge Fahrer kommen auch ohne Tests in die Formel 1

Nächster Trugschluss der Test-Befürworter: Ohne Testfahrten sei es schwierig, neue Fahrer in die Formel 1 zu bringen. Das ist blanker Unsinn. Paul di Resta, Sergio Perez, Pastor Maldonado und Jérôme d‘Ambrosio widerlegen diese These. Alle vier machen einen sehr guten bis ordentlichen Job.

Force India und Toro Rosso lassen ihre dritten Fahrer im ersten Freitagstraining ans Steuer. Um sie so auf höhere Aufgaben auszubilden. Das gleiche könnten die anderen Teams auch machen. Wollen sie aber nicht, weil sie die Panik haben, sie könnten damit gegenüber der Konkurrenz 90 Trainingsminuten herschenken.

Selber schuld. Wenn es sich nur Teams aus dem Mittelfeld leisten können, ein Cockpit für einen dritten Fahrer zu opfern, wo ist da das Problem? Endlich bekommen sie auch mal einen Vorteil in die Hände gespielt.

Mehr Spannung ohne Testfahrten

Jetzt kommt das wichtigste Argument ins Spiel, warum ein Zurück zu Testfahrten Unsinn ist. Die abgelaufene Saison und die ersten vier Rennen dieses Jahres haben gezeigt, dass das Testverbot genau den Zweck erfüllt, für den es eingeführt wurde. Es gleicht die kleinen Teams den großen an.

Wenn Neuentwicklungen vor ihrem Einsatz nur im Labor getestet werden können, dann geht der eine oder andere Schuss schon mal nach hinten los. Oder es dauert, bis die entsprechende Entwicklung zur Rennreife gebracht wird. Das bringt die Top-Teams auf das Niveau der Kleinen. Es zwingt sie, effizient zu arbeiten. Nicht mehr in alle Richtungen zu schießen, und dann bei Testfahrten das auszusortieren, was funktioniert.

Außerdem fördert es den Überraschungsfaktor, der diesem Sport sonst noch mehr verloren geht. Keiner weiß vorher, was ein geplantes Facelift wirklich bringt. Das bringt Spannung in die Entwicklung. Da kann auch mal ein kleines Team einen Volltreffer landen.

Test bringen nur Vorteile gegenüber kleinen Teams

Dass Ferrari sich wieder Testfahrten wünscht, ist nur der Situation geschuldet, dass die Roten derzeit hinterherfahren. Würden sie wie zu Schumachers Zeiten jedes Rennen gewinnen, könnten sie auch gut mit dem Testverbot leben.

Wenn bei Ferrari mal einer logisch nachdenken würde, dann müsste ihm auffallen, dass die Aufweichung der Testrestriktionen in Bezug auf die direkten Gegner gar nichts bringen würde. Red Bull, McLaren und Mercedes würden genauso intensiv testen. Leidtragende wären nur die Teams, die sich Testfahrten nicht leisten können. Aber die sind ja auch kein Gegner für Ferrari.

Testfahrten als Nachteil für Red Bull

Noch dümmer wäre die Wiedereinführung von Testfahrten aus Sicht von Red Bull. Würde ich einen Mann wie Adrian Newey beschäftigen, dann würde ich auch für ein Verbot von Testfahrten vor der Saison stimmen. Der Newey-Faktor gewinnt, je mehr sämtliche Entwicklungswerkzeuge verboten werden.

Dürften die Teams heute noch uneingeschränkt testen, Im Windkanal und Simulator arbeiten, dann wäre der Vorsprung von Red Bull längst aufgebraucht. Weil die Konkurrenz in der Lage wäre, Neweys bessere Ideen durch stupide Iteration sämtlicher Varianten auszugleichen. Gebt jedem Designer ein weißes Blatt Papier, einen Bleistift und einen Rechenschieber in die Hand, und Newey wäre unschlagbar.

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