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Schmidts F1-Blog

Trau nie deinen Daten

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Monaco 2015 Foto: Pirelli 60 Bilder

Die Formel 1 ist eine datengläubige Welt. Die Panne von Mercedes beim GP Monaco hat der Perfektionswut einen Spiegel vorgehalten. Manchmal sollte man der Logik eine Chance geben, meint Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

27.05.2015 Michael Schmidt

Schön, dass es so etwas noch gibt. Eine digitale Panne. Schade, dass Lewis Hamilton das Opfer war. Der Engländer hätte den Sieg beim GP Monaco doppelt und dreifach verdient gehabt. Weil er der Beste war. Und trotzdem tut der Strategiefehler im Mercedes-Camp der Formel 1 gut. Darüber diskutieren die Fans noch wochenlang. Hätte die Perfektion gesiegt, wäre es eine weitere langweilige Episode des Elektronik-Zeitalters gewesen.

Seltene Panne in perfekter Formel 1

Wie oft haben wir uns die Zeiten ohne Telemetrie und GPS-Überwachung zurückgewünscht. Weil da noch Fehler, Pannen und Defekte auftraten, die den Reiz dieses Sports ausgemacht haben. Kurioserweise wäre der Lapsus von Mercedes beim GP Monaco in der alten Zeit nicht passiert. Weil da die Logik über die Mathematik gesiegt hätte.

Heute nennt man das einen Algorithmus. Und der berechnete für Hamilton ein Zeitfenster, das groß genug war, sich einen zweiten Boxenstopp zu leisten. Was in Montreal, Spa oder Interlagos Sinn gemacht hätte, war in Monte Carlo fatal.

Dass es am Ende zu einem Rechenfehler kam, ist angesichts der Umstände verzeihbar. Hamilton lief im falschen Moment an der falschen Stelle des Kurses auf das langsame Safety-Car auf, während seine Verfolger weiter mit der schnelleren Safety-Car-Deltazeit fahren konnten.

Das GPS hinkt in Monte Carlo der Wirklichkeit etwas hinterher, weil es die Position anhand von Informationen der Induktionsschleifen nur hochrechnet. Und da hat man auf dem Weg dazwischen 19 Mal ein schwarzes Loch. Die Safety-Car-Deltazeit wurde zu spät aktualisiert. Da gingen die entscheidenden 10,9 Sekunden verloren. Das Polster betrug aber nur 3,5 Sekunden.

Doch das ist alles irrelevant. Hamilton hätte nie an die Box kommen dürfen. Selbst wenn sein Vorsprung doppelt so groß gewesen wäre. Es hätte bei dem Reifenwechsel ja auch etwas dramatisch schiefgehen können. Aus Sicht von Hamilton war das Risiko einfach zu hoch.

"Track Position" wichtiger als alles andere

Das sagt die Logik und die Erfahrung, nicht aber der Computer. Tröstlich, dass das Elektronengehirn hin und wieder scheitert, wenn es beides verbinden soll. Aber wie beschreibt man einer Software, dass die Position im Rennen in Monte Carlo das alles entscheidende Kriterium ist?

Der Zustand der Reifen und des Autos ist 15 Runden vor Schluss eigentlich egal. Hamilton hätte auf alten harten Reifen die Angriffe von Rosberg und Vettel auf frischen weichen genauso abgewehrt, wie es Vettel danach mit ihm gemacht hat. Vettels zweiter Platz war nicht eine Sekunde in Gefahr. Was zeigte, wie wichtig das ist, was die Engländer so schön mit dem Wort "track position" umschreiben.

In der Steinzeit des Motorsports wäre an der Boxenmauer noch anhand von Rundenzeiten, TV-Bildern und Informationen der Rennleitung entschieden worden. Mit der richtigen Schlussfolgerung.

Wetten, dass sich das Prozedere am silbernen Kommandostand in Zukunft ändert! Die Lektion kann eigentlich nur so aussehen: Einer aus den Strategieteam schaut sich das Rennen völlig unbelastet von Daten als Zuschauer an. Und wirft dann in Momenten wie in Monte Carlo seine Meinung in die Runde. Und die stützt sich allein auf den gesunden Menschenverstand.

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