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Schmidts F1-Blog

Weniger Emotionen dank Schimpf-Zensur

Motor Racing - Formula One World Championship - Abu Dhabi Grand Prix - Race Day - Abu Dhabi, UAE Foto: xpb.cc

Nach dem GP Abu Dhabi fielen auf dem Podium einige derbe Ausdrücke. Die FIA ermahnte die Piloten deshalb, ihre Wortwahl künftig besser zu überdenken. Formel 1-Experte Michael Schmidt fordert in seinem Blog, dass Emotionen auch weiter erlaubt sein müssen.

14.11.2012 Michael Schmidt

Sebastian Vettel musste letzte Woche Abbitte leisten. Weil er bei den Interviews auf dem Siegerpodest und später noch einmal in der Pressekonferenz den englischen Ausdruck "we fucked up", was so viel heißt wie "wir haben Mist gebaut" verwendet hat. In England hat man sich darüber mächtig über die Wortwahl aufgeregt. Allerdings mehr die Medien als die Fans. Wenn die BBC 21 Anrufe von erbosten Zuschauern erhalten hat, dann fragt man sich unwillkürlich: Was habe die anderen fünf Millionen gemacht? War es okay für sie?

Authentische Emotionen im Eifer des Gefechts

Sind wir mal ehrlich: Es ist zwar nicht gerade Oxford-Englisch, was dem WM-Spitzenreiter da über die Lippen gekommen ist, doch in der Umgangssprache wird nun mal so gesprochen. Unterhalten Sie sich mal mit Engländern im Fahrerlager: Da fällt das böse F-Wort laufend. BBC-Reporter Eddie Jordan sagt es in jedem zweiten Satz.

Ob man es nun bei einem Interview tun sollte, darüber mag gestritten werden. Wenn aber dem Fahrer am Funk in der Hitze des Gefechts ein paar derbe Schimpfwörter einfallen, dann muss die FIA nicht einschreiten. Im Gegenteil. Das gehört zum Sport und ist nur authentisch.

Inszenierte heile Welt für DTM-Zuschauer

Die DTM hat gezeigt, wie es nicht geht. Als Bruno Spengler beim Saisonauftakt Ralf Schumacher nach einem Feindkontakt am Funk mit "fucking idiot" beschimpfte, da schritt die DTM-Polizei sofort ein und hat die beiden beim nächsten Rennen zum offiziellen Versöhnungsfoto antreten lassen.

Wie lächerlich ist das denn? Für wie dumm wollen die uns verkaufen? Als ob nicht jeder Zuschauer gemerkt hätte, dass diese Versöhnung inszeniert und der Fluch von Spengler in diesem Moment authentisch war.

Die Teamchefs erklärten umgehend, dass dies natürlich nicht die Sprache sei, die ein BMW- oder Mercedes-Fahrer pflege. Als ob deswegen ein BMW oder Mercedes weniger verkauft worden wäre. Die FIA hat natürlich auch gleich in vorauseilendem Gehorsam Vettel für seine bösen Worte abgemahnt. Und alle anderen Fahrer gewarnt, sich bei den Funksprüchen zu überlegen, was sie sagen.

Emotionen als Werbung für den Sport

Fällt das F-Wort, werden Funksprüche ohnehin unterdrückt. Ein bisschen mehr Gelassenheit bitte. Die Formel 1 ist schon klinisch genug. Donuts nach dem Rennen werden bestraft. Die Fahrer dürfen auf der Ehrenrunde keine Flagge mehr mitnehmen. So unterdrückt man alle Emotionen und schadet dem Sport mehr als man ihm nutzt.

Erinnern Sie sich noch an den GP Malaysia, als es in der ersten Kurve zu einer Kollision zwischen Juan Pablo Montoya und Michael Schumacher kam, für die Montoya später von der Rennleitung bestraft wurde. Der Kolumbianer hatte daraufhin alle Schimpfwörter ausgepackt, die er kannte, und das TV-Publikum hat sich über den verständlichen Ärger des Williams-Piloten halb totgelacht. Hat es dem Sport geschadet? Eher im Gegenteil.

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