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Schmidts F1-Blog

Wir haben Jim Clark nie gehört

Fernando Alonso - GP England 2014 Foto: xpb 75 Bilder

Das Duell zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso war das Highlight des GP England. Die beiden wurden hinterher dafür kritisiert, dass sie sich am Funk übereinander beschwert haben. Na und? Genau das brachte zusätzlich Leben in die Partie, meint Michael Schmidt in seinem Blog.

08.07.2014 Michael Schmidt

Ich gebe zu. Am Anfang hat es mich auch genervt. Dass sich Sebastian Vettel ständig beschwerte, Fernando Alonso lasse ihm nicht genug Platz. Und dass Alonso zurückgekartet hat, Vettel fahre regelmäßig neben der Strecke. Der Zweikampf auf der Straße war doch schon gut genug. Haben wir da noch die Klagelieder der beiden Hauptdarsteller gebraucht?

Vettel und Alonso zeigen Emotionen

Auf den zweiten Blick muss ich sagen: Ja. Weil es die Emotionen gezeigt hat, die in so einem Rad-an-Rad-Duell mit 300 km/h freiwerden. Wer hat sich im Auto nicht auch schon mal lautstark über einen Schleicher geärgert, der langsam auf der linken Spur der Autobahn herumtrödelt? Die Kommentare sind bestimmt auch nicht immer jugendfrei. Wären Vettel und Alonso still geblieben, hätten wir jetzt weniger zu diskutieren.

Die Fahrer werden immer geschimpft, dass sie zu glatt und zu angepasst sind. Hier haben zwei ihr wahres Gesicht gezeigt. Es ging am Funk so hart zu wie auf der Strecke. Wo ist das Problem? Ich kann mich noch erinnern, wie Juan Pablo Montoya 2002 in Malaysia nach einer Startkollision mit Michael Schumacher lautstark im Bordfunk geflucht hat, weil man ihn dafür bestrafen wollte. Das war damals ein Lacherfolg. Leider verstanden die Sittenwächter der Formel 1 keinen Spaß und haben fortan allzu kritische Kommentare im TV-Kanal unterdrückt.

Fahrer haben früher auch geflucht

Doch genau das bringt Leben in die Partie. Damit macht man Quote, weil die Leute hinterher drüber reden. Den einen gefällt es, den anderen nicht. Und die beiden Fan-Gruppen prügeln aufeinander ein. Zu behaupten, die Superstars von heute seien verwöhnte Kinder, ist Blödsinn. Wissen wir, was die Fahrer von früher in einem vergleichbaren Duell in ihren Helm gerufen haben? Wir haben Jim Clark, Jochen Rindt, Jackie Stewart, Niki Lauda, James Hunt oder Mario Andretti leider nie live gehört.

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