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Schmidts F1-Blog

Wo sind die Motoren-Fotos?

Mercedes 1,6 Liter V6 Turbo - 2014 Foto: Mercedes 19 Bilder

Die Motorenhersteller haben viel Geld in die neuen Antriebseinheiten investiert, geizen aber mit Informationen und Bildern. Formel 1-Experte Michael Schmidt kann das nicht nachvollziehen. Er meint in seinem aktuellen Blog: Wenn man schon so viel ausgibt, sollte ich damit auch klotzen!

21.03.2014 Michael Schmidt

Glauben Sie nicht, was sie sehen. Mercedes und Renault haben von ihren neuen V6-Turbos bislang nur Computer-Animationen oder Fotos gezeigt, die nicht der Realität entsprechen. Die Bilder, die vom neuen Mercedes V6-Turbo im Umlauf sind, können getrost als Dummy bezeichnet werden. Da sind Turbolader, Kompressor und MGU-H an einem Platz.
 
Tatsächlich ist der Kompressor von der Turbine getrennt und sitzt auf der anderen Motorseite. Beides wird durch eine Welle verbunden, die im V der Zylinder verläuft und an die Elektromaschine MGU-H gebunden ist, die etwa in der Mitte sitzt. Da bringt Vorteile bei der Verpackung der Elemente, beim Schwerpunkt, beim Gewicht und den Temperaturen, denen die MGU-H ausgesetzt ist.

Ferrari ohne, Mercedes mit falschen Grafiken

Ferrari macht es übrigens genauso. Doch von dem Motor aus Maranello gibt es noch nicht einmal eine Computer-Retusche. Einfach nichts. Wie bitte soll man über den Ferrari-Motor berichten, wenn man die Geschichte nicht einmal ansatzweise bebildern kann? Und nachdem, was uns Mercedes da anbietet, müssen wir uns fragen, ob der Renault V6-Turbo auf den Bildern auch wirklich ein Renault-Motor ist. Oder etwas, dass sich die Marketingabteilung ausgedacht hat.
 
Manchmal muss man sich bei der Formel 1 wirklich an den Kopf fassen. Mercedes, Ferrari und Renault haben in die Entwicklung ihrer Wunderwerke jeweils 100 Millionen Euro investiert, und dann zeigen sie nichts davon. Und erzählen uns, dass der reine Verbrennungsmotor nur rund 600 PS abgibt. So ein Blödsinn.
 
Wie hat es dann Honda 1988 mit 2,5 bar Ladedruck und 150 Liter Spritlimit auf 680 PS geschafft? Das ist 26 Jahre her, wohlgemerkt. Wir hatten diese absurde Situation der Nullinformation bereits einmal, und zwar in der Blütezeit der V10-Ära. Da gab es von den Motorenherstellern auch nichts. Keine Fotos, keine Daten, keine Computergrafiken.

Geheimniskrämerei ohne Wissen der Firmenleitung

Ich kann mich erinnern, dass mich der damalige BMW-Vorstandschef Joachim Milberg in Hockenheim gefragt hatte, warum auto motor und sport keine Story über den BMW V10 bringt, der damals als der stärkste Motor in der Formel 1 galt. Als ich ihm erzählte, dass wir die Geschichte nur mit einem Motorbild verkaufen können, es aber leider nichts davon gibt, schaute er mich ganz entgeistert an.

Der Chef der Firma wusste nicht, dass seine Abteilung, die eine dreistellige Millionensumme in das Projekt investiert hatte, für ihr Produkt keine Werbung betrieb. Alles unter dem Deckmantel der Geheimhaltung. Total lächerlich.

Motoren-Infos für Fans und fürs Marketing

Glaubt denn wirklich jemand bei Mercedes, Ferrari oder Renault, dass sich von außen sichtbare Dinge wie die Trennung von Turbine, Kompressor und MGU-H geheimhalten lassen, nur weil man keine Fotos von den Motoren veröffentlicht?

Ich wette, dass die Honda-Ingenieure schon längst von der Anordnung des Mercedes V6-Turbo Bescheid wussten, bevor die ersten gefälschten Bilder auf dem Markt waren. Sie brauchen ja nur die McLaren-Techniker fragen, die den Motor jeden Tag in der Garage sehen. Wir meinen: Wenn ich schon so viel Geld in die Technik pulvere, dann sollte ich sie auch aggressiv vermarkten. Das wäre nicht nur Dienst an den Fans, sondern auch an der eigenen Firma.

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