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Schmidts F1-Blog zum Bianchi-Unfall

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Nascar Cockpit Käfig 2012 Foto: Hockenheimring 18 Bilder

Nach dem Unfall von Jules Bianchi in Suzuka fordern viele Experten ein Dach oder einen Käfig über dem Cockpit eines Formel 1-Autos. Unnötiger Aktionismus, meint Michael Schmidt in seinem Blog, weil man sich nie gegen alle Arten von Unfällen absichern kann.

07.10.2014 Michael Schmidt

Der Unfall von Jules Bianchi (>>> aktueller Gesundheitszustand) ruft die Sicherheits-Experten auf den Plan. Es ist richtig, dass man sich Gedanken macht, wie ein ähnlicher Unfall in Zukunft vermeidbar wäre, oder wie man seine Folge mindern könnte. Es ist aber falsch, jetzt in Aktionismus auszubrechen und in einer Panikreaktion etwas zu ändern, das man später bereut.

Wie immer, wenn der Kopf des Fahrers getroffen wird, kommen Rufe nach einem Dach oder Käfig über dem Cockpit auf. Ein Dach wie bei den Sportprototypen hätte gar nichts geholfen. Weil auch da nur der Teil hinter dem Fahrerkopf eine feste Struktur aufweist. Audi-Fahrer Loic Duval saß nach seinem Horror-Crash in Le Mans im Freien. In Bianchis Fall wäre das Dach samt Überrollbügel abgerissen worden.

Keine Absicherung gegen jeden Unfall

Es hätte also höchstens ein massiver Käfig wie bei einem Midget-Fahrzeug geholfen. Aber auch nur wenn der Unglückspilot den Kran so trifft, wie ihn Bianchi getroffen hat. Fährt das Bergefahrzeug vorher noch zwei Meter weiter rückwärts, schlägt der Marussia mittschiffs in den massiven Traktor ein. Dann ist man mit und ohne Käfig tot. Einfach, weil die Verzögerung nicht überlebbar wäre.

Bianchis Unglück war kein typischer Unfall, gegen den man sich absichern kann. Es war genauso eine perfide Verkettung unglücklicher Umstände wie der Zusammenstoß von Felipe Massa mit der Schraubenfeder eines anderen Autos vor fünf Jahren in Budapest.

Oder wer noch weiter in die Geschichte zurückgehen will: Wie der unglückselige Fall von Tom Pryce, der beim GP Südafrika 1977 auf der Zielgeraden einen Streckenposten überfuhr und von dessen Feuerlöscher getötet wurde. Gegen solche Fügungen des Schicksals ist man machtlos. Wie beim berühmten Ziegel, der vom Dach fällt.

Formel 1 mit Dach oder Käfig ist keine Formel

Ein Formel 1-Auto mit Dach oder Käfig ist kein Formel 1-Auto mehr. Die Königsklasse hat sowieso schon an Glamour eingebüßt, weil die Autos aussehen, als kämen sie aus der Muppet Show. Niemand kann den Verantwortlichen vorwerfen, sie hätten nicht alles für die Sicherheit getan.

Die Fahrer sitzen so tief im Cockpit, wie es nur irgendwie geht, um sie bei normalen Unfällen so gut wie möglich zu schützen. Sie haben vor dem Lenkrad eine Crashstruktur, hinten dem Helm einen Überrollbügel dazu einen ausgeschäumten Nackenschutz, HANS, Crashstrukturen vorne, hinten und an der Seite des Chassis, dazu verstärkte Cockpitflanken mit einer reißfesten Schutzhülle.

Doch welche Lehren sollte man aus dem Unfall von Jules Bianchi ziehen? Wenn es wirklich so gewesen ist, dass kein Defekt vorliegt und Bianchi trotz der Gefahrensituation zu schnell war, dann vielleicht die, dass die Fahrer auch eine gewisse Eigenverantwortung haben. Jeder weiß, was doppelt Gelb bedeutet. Wer da nicht entscheidend den Fuß vom Gas nimmt, handelt genauso verantwortungslos wie einer, der in eine Kurve mit 200 km/h fährt, die nur mit 100 km/h geht.

Bianchi-Unfall hätte noch schlimmer enden können

Man muss sich mal ausmalen, was passiert wäre, wenn der Marussia nicht in den Kran gerast wäre, sondern in die Gruppe Streckenposten, die versucht haben, den Sauber am Haken zu stabilisieren. Vielleicht sollte die FIA in Zukunft bei Temposündern unter doppelt Gelb härter durchgreifen. Ein Rennen Sperre wäre das Mindeste. Dann herrscht in Zukunft auch mehr Disziplin.

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch nicht, wenn man in einem Panzer sitzt. Das geht nur so lange gut, bis man auf einen zweiten Panzer trifft. Es wird immer ein Szenario geben, an das man nicht denkt. Oder wie Fahrervertreter Alexander Wurz sagt: "Ein Restrisiko muss man als Rennfahrer und als Zuschauer akzeptieren."

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