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Schmidts F1-Blog zum dritten Auto

Die Rechnung geht nicht auf

Bernie Ecclestone - Formel 1 - GP England - Silverstone - 5. Juli 2014 Foto: xpb

Bernie Ecclestone favorisiert acht Teams mit drei Autos. Möglicherweise zwingt der Schwund an Teams die Formel 1 dazu. So oder so: Die Rechnung geht nicht auf. Es ist ein Projekt, an dem die Königsklasse scheitern wird, meint Michael Schmidt.

24.10.2014 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone hatte für die Hungerleider der Formel 1 noch nie ein Herz. Seiner Meinung sollte nur der am Pokertisch sitzen, der auch Geld in der Tasche hat. Früher waren ihm die Minardis, Colonis und Andrea Modas ein Greuel. Und heute sind ihm Teams wie Caterham und Marussia ein Dorn im Auge. Deshalb tut er alles für seinen großen Plan. Acht Teams à drei Autos. Wer die kleinen Teams zu retten versucht, bekommt vom großen Zampano eines auf die Finger. Mit Ferrari und Red Bull hat Ecclestone sogar noch zwei Teams gefunden, die Schützenhilfe leisten.

Doch Bernies schöne Formel 1-Welt hat einen Geburtsfehler. Sie ist auf die Schnelle nicht zu realisieren. Weil nicht alle Teams für nächstes Jahr drei Autos bereitstellen können. Und einige werden es nie können. Weil es nicht genügend Fahrer mit einer Superlizenz und 15 Millionen Euro in der Tasche gibt, um die Zeche zu bezahlen. Der Plan, das dritte Auto anders zu lackieren und damit neue Sponsoren zu rekrutieren, wird auch nicht funktionieren. Die Teams finden ja nicht einmal für die ersten beiden Autos ausreichend Sponsoren. Warum dann gerade für das dritte?

Viele Denkmodelle, aber keine vernünftige Lösung

Wenn nur ein Teil der Teams sich ein drittes Auto leisten kann, müssen die Zwei-Auto-Teams geschützt werden. Sonst fahren sie nie mehr in die Punkte. Verschiedene Denkmodelle schwirren in den Köpfen der Drahtzieher, eines schlechter als das andere. Zum Beispiel die Punkteränge auf 15zu erhöhen. Eine Inflation, die WM-Punkte komplett entwerten würde. IndyCar hat damit schon Schiffbruch erlitten. Dort bekommt jeder Punkte, der nur in der Nennliste steht. Er muss noch nicht mal antreten. Halbe Punkte für das dritte Auto sind genauso im Gespräch, wie gar keine Punkte für den Konstrukteurs-Pokal. Wie will Bernie das den Zuschauern erklären? Die gehen schon wegen den doppelten Punkten zum Saisonfinale auf die Barrikaden.

Die Gedankenspiele einen schlechten Plan durchzupeitschen sind jedoch zweitrangig. Viel schlimmer ist, dass die Rechnung mit den dritten Autos nie aufgehen kann. Und dass Ferrari und Red Bull so blauäugig und kurzsichtig sind, Bernies Idee auch noch zu unterstützen. Bei acht Teams müssten drei sterben. Nehmen wir an Caterham, Marussia und Sauber. Das hieße für Ferrari, dass es keine Kundenteams mehr für den Motor gäbe. Also rund 30 Millionen Euro weniger in der Kasse. Renault wäre voll auf Red Bull und ToroRosso angewiesen. Für den eiskalten Rechner Carlos Ghosn stimmt die Gleichung schon da nicht mehr. 2014 haben noch vier Teams eingezahlt. Zumindest in der Theorie.

Einnahmen gerechter Verteilen

Es kommt aber noch schlimmer. Ein drittes Auto bedeutet für die verbleibenden Teams höhere Motorkosten. Weil jeder Rennstall dann sieben Motoren mehr braucht. Fünf für die Rennen, einen für Testfahrten, einen für Prüfstandsläufe. Das kostet mindestens fünf Millionen Euro mehr. Bei den Werksteams belastet das nur den Etat. Sie werden die Extrakosten sicher nicht von ihrem Entwicklungsbudget abknapsen. Also müssen sie mehr ausgeben. Nicht nur die Siege werden teurer. Auch die Niederlagen. Und das tut doppelt weh.

Die Kundenteams trifft es noch viel schlimmer. Einige von ihnen sollen mit den Zahlungen jetzt schon im Rückstand sein. Unter anderem Force India. Lotus hat für die Saison 2013 einen Verlust von 64,9 Millionen Pfund ausgewiesen. Das Minus soll 2014 dank besserer Sponsor-Situation auf fünf Millionen schrumpfen. Doch Lotus muss zuzüglich den Mercedes-Motoren noch eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe an Renault zahlen. Wenn Gerard Lopez sein drittes Auto nicht finanzieren kann, ist es mit dem ausgeglichenen Haushalt schnell wieder vorbei.

Was wird passieren? Zuerst wird den Teams auf den Plätzen 5 bis 8 die Luft ausgehen, ihre Motoren zu bezahlen. Wenn die Motorenhersteller ihr Geld nicht bekommen, stimmt ihre Bilanz nicht mehr. Dann läuft man Gefahr, dass einer in Stuttgart oder Paris das Licht ausdreht. Weil einer der beiden zu den Verlierern auf der Strecke zählen wird. Merke: Nur einer kann gewinnen. Ferrari wird den ganzen Wahnsinn vermutlich bis zum bitteren Ende mitspielen und als einziger übrig bleiben.

Es gibt keine Alternative zu mindestens zehn Teams à zwei Autos. Und es gibt nur eine Lösung. Die 800 Millionen Dollar, die zur Ausschüttung kommen, müssen gerechter verteilt werden. Mindestens 70 Prozent davon zu gleichen Teilen an alle. Der Rest nach Historie und Platzierung gesplittet. Die Fixkosten müssen runter. Von 70 Millionen Euro auf wenigstens 50. Und die Einschränkungen bei der Entwicklung in Bezug auf Windkanalstunden und Computerkapazitäten müssen im Sinne besserer Chancengleichheit strikter überwacht werden. Diese Pille werden die großen Teams schlucken müssen. Wenn nicht, zählt bald einer aus ihren Reihen zu den Verlierern.

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