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Schmidts Formel 1 Blog

Applaus für Sebastian Vettels Offenheit

Sebastian Vettel Helmut Marko - Formel 1 - GP China - 12. April 2013 Foto: xpb 71 Bilder

Bei Sebastian Vettel gehen die Meinungen auseinander. Seine harten Worte gegen Teamkollege Mark Webber sorgten für viele Diskussionen. F1-Experte Michael Schmidt meint: Wenigstens sagt mal einer ehrlich seine Meinung.

12.04.2013 Michael Schmidt

Sebastian Vettel hat in Shanghai Klartext gesprochen. Endlich. Mark Webber hätte es nicht verdient gehabt, diesen Grand Prix von Malaysia zu gewinnen. Ob man Vettels Meinung nun teilt oder nicht: Sie war ehrlich gemeint. Das hört man heute selten in Formel 1-Kreisen. Meistens bekommt man noch nicht einmal die halbe Wahrheit serviert. Rennfahrer sind mittlerweile politisch korrekter als Politiker. Sie werden so erzogen.

Vettel profitiert von Malaysia-Affäre

Vettel hat die Offenheit nicht geschadet. Auch seine Weigerung, dem Teambefehl beim GP Malaysia zu folgen führte nicht zu dem allseits prognostizierten Imageschaden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Man muss sich nur das Leserecho auf auto motor und sport anschauen. Selbst Vettel-Kritiker, und davon gibt es nicht wenige, stellen sich plötzlich auf seine Seite. Weil er sich gegen etwas aufgelehnt hat, das bei den Zuschauern gar nicht gut ankommt. Stallregie ist für die Fans ein Verrat am Sport. Der zivile Ungehorsam macht Vettel auch bei seinen Gegnern sympathisch.

Das gleiche war nach seinem Rundumschlag gegen Webber zu beobachten. Vettel gewann an Profil. Weil er gesagt hat, was er denkt. Die Maske des Strahlemanns ist plötzlich gefallen. Man hat ihm das sowieso nie so richtig abgenommen. Wer in der Formel 1 an der Spitze überleben will, kann nicht immer nur nett sein.

Die neue Offenheit wird ihm auch im GP-Zirkus hoch angerechnet. Vettel bekam auch bei denen Applaus, die ihn in Malaysia noch verflucht hatten. Und das sollte den PR-Strategen und Marketingleuten zu denken geben, die jedes kontroverse Statement am liebsten abwürgen würden. Ehrlichkeit kommt immer noch am besten an.

Engländer kritisieren Vettel

Nur bei den Engländern hat Vettel noch ein Problem. Auf der Insel steht Fairplay an erster Stelle. Die englischen Medien werfen Vettel vor, seinen Teamkollegen betrogen zu haben. Ihr Vorbilder sind immer noch Peter Collins und Stirling Moss. Collins schenkte 1956 Teamkollege Juan-Manuel Fangio den WM-Titel, in dem er sein Auto an den Teamkollegen abtrat. Fangio war bereits ausgefallen hätte darauf hoffen müssen, dass Collins nicht gewinnt.

Moss trat 1958 beim GP Portugal als Kronzeuge für Mike Hawthorn auf, der wegen eines Regelverstoßes nach einem Dreher disqualifiziert werden sollte. Moss entlastete mit seiner Aussage seinen WM-Rivalen. Hawthorn bekam sechs Punkte zurück. Am Ende machte ihn dieses Geschenk zum Weltmeister.

Vettel hätte sich nicht entschuldigen dürfen

Längst vergangene Zeiten. Heute fahren noch nicht einmal mehr die englischen Fahrer nach diesen ehrbaren Maßstäben. Lewis Hamilton stellte beim GP Ungarn Fernando Alonso auf die Seife, als er ihn in der Qualifikation gegen alle Teamabsprachen überholte. Auch er bekam konsequenterweise im eigenen Land sein Fett ab. Da sind unsere Kollegen aus dem Königreich gnadenlos.

Vettel hat eigentlich nur einen Fehler gemacht. Er hätte sich in Malaysia bei Webber nicht entschuldigen dürfen. Er versuchte bei seiner Brandrede in China die Kurve zu kriegen, indem er behauptete, die Entschuldigung hätte nur dem Team und nicht seinem Teamkollegen gegolten. Das hörte sich in Malayasia aber noch ganz anders an.

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