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25 Jahre nach Schumachers F1-Debüt

Die Geheimnisse meiner F1-Premiere

Michael Schumacher 1991 Spa GP Belgien Debüt Foto: Daniel Reinhard 38 Bilder

Am 25. August 1991 debütierte Michael Schumacher in der Formel 1. Knapp 25 Jahre danach blicken wir noch einmal zurück auf die Stunde null. Unsere kleine Spezial-Serie zum Jubiläum beginnen wir mit eigenen Erinnerungen des Rekordchampion zu seiner Premiere in der Königsklasse, die er auto motor und sport einmal vor seinem schweren Ski-Unfall verraten hatte.

23.08.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

So ganz genau weiß ich nicht mehr, wie ich von meinem ersten Formel 1-Einsatz erfahren habe. Es war wohl mein Manager Willi Weber, der es mir am Sonntag vor dem Rennen erzählt hat. Ich kann mich noch erinnern, dass gleich am Montag eine Sitzprobe anstand. Wir wollten sowieso nach England, weil ursprünglich geplant war, mit Formel 1-Teams über die Saison 1992 zu sprechen. Wenn ich mich recht erinnere, war der Name Arrows im Gespräch. Als ich dann hörte, dass ich schon eine Woche später einsteigen könne, war es schon so etwas wie Weihnachten für mich.

Daran, dass ich bei dem Test in Silverstone einen Overall von John Watson getragen habe, kann ich mich nicht mehr erinnern. Zur Sitzprobe hatte ich jedenfalls meinen Mercedes-Anzug an. Beim Rennen steckte ich dann in einem Overall meines Teamkollegen de Cesaris. Es ging ja alles so schnell. Ich war damals ein unbeschriebenes Blatt. Keiner kannte meine Maße. Da war innerhalb von drei Tagen kein eigener Fahreranzug anzufertigen.

Das ganze Drumherum mit Gachot im Gefängnis und dass die Jungs bei Jordan Probleme hatten, meinen Namen richtig zu schreiben, habe ich nur am Rande mit bekommen. Mein Kopf war schon voll in Spa. Alles andere hat der Willi von mir ferngehalten. Als ich das erste Mal in dem Auto saß, dachte ich zunächst, das packst du nie. Rückblickend war mir das eine Formel 3000-Rennen, das ich ein paar Wochen zuvor in Japan gefahren war eine größere Hilfe als die Erfahrung aus der Gruppe C. Die Sportwagen hatten zwar die Leistung eines Formel 1-Autos, waren aber viel schwerfälliger.

Schumacher mit schnellen Runden in Silverstone

Dann fühlte ich mich erstaunlich schnell wohl. So wohl, dass sie mich nach ein paar Runden reingerufen haben und sagten, ich solle es etwas ruhiger angehen lassen. Sie bräuchten dieses Auto noch für das Wochenende. Nach meinem Gefühl war ich noch gar nicht am Limit. Da ich von diesem Kurs in Silverstone keinerlei Referenzzeiten kannte und mir das Team auch nicht gesagt hatte, was eine schnelle Runde sei, wusste ich nicht wie schnell ich tatsächlich unterwegs war. Irgendwann kam die Ansage, dass ich da wohl so schnell wie keiner zuvor gewesen wäre, aber keiner hat mir gesagt, um wie viel.

Ich habe das auch nicht überbewertet. Wer weiß unter welchen Umständen die Bestzeit vorher aufgestellt worden ist. Vielleicht sind die da im Januar oder Februar rumgefahren. Der einzige Vergleichsmaßstab war Mika Häkkinen. Der war etwas langsamer. Ich bekam vom Team nie einen Datenvergleich. Im Gegenteil, sie haben mich wahrscheinlich absichtlich im Unklaren gelassen. Der Eddie hatte zu dem Zeitpunkt noch keinen Vertrag und kein Geld. Zwischendurch hat er immer mal wieder gedroht. Kein Vertrag, kein Rennen.

Formel 1-Premiere auf unbekanntem Terrain

Die Geschichte mit der angeblichen Lüge, dass ich dem Team gesagt habe, ich sei vorher schon mal in Spa gewesen, muss ich aufklären. Eddie hatte Willi gleich beim ersten Kontakt gefragt, ob ich dort mal gefahren sei. Und Willi hat ja gesagt, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass ich dort nie war. Er war einfach davon ausgegangen, weil Spa ja im Kalender der Sportwagen-WM war. Ich habe an dem Termin aber an einem Formel 3-Rennen teilgenommen.

Die Mercedes-Einsätze wurden damals zwischen Frentzen, Wendlinger und mir aufgeteilt, je nachdem welche Verpflichtungen wir in den Formel-Serien hatten. Erst während des Wochenendes hat sich aufgeklärt, dass Spa für mich eine neue Strecke war. Die Erkundung fand auf dem Fahrrad und zu Fuß statt. Ich empfand das gar nicht so schlimm, da ich es ja von den Sportwagen und der Formel 3 gewohnt war, mich schnell auf unterschiedliche Strecken einzustellen.

Die Geschichte, dass wir in einer Jugendherberge wohnten, ist bekannt. Ich weiß noch, dass mich das etwas gewundert hat, denn ich dachte ja, wir sind jetzt in der Formel 1, und das ist die Königsklasse. Nicht dass wir bei Mercedes in Luxusherbergen gewohnt hätten, die haben damals auch aufs Geld geschaut. Das hat ja alles Sauber organisiert. Der arme Willi hat schon ein bisschen das Gesicht verzogen, als er die Zimmer in der Jugendherberge sah. Er hatte schon immer in guten Hotels gewohnt. Mich hat es nicht sonderlich gestört mit der Ausnahme, dass ich erkältet war und die Heizung in dem Zimmer nicht funktionierte.

Schumacher ohne Respekt vor großen Namen

Im Training kann ich mich noch an einen Zwischenfall mit Alain Prost erinnern. Er hatte mir in der Qualifikation die Runde zerstört. Ich habe mich aufgeregt und eine Handbewegung in seine Richtung gemacht. Weil ich es schon damals nicht verstehen konnte, dass man den Kollegen auf einer schnellen Runde nicht Platz lässt. Auch Prost hätte sich kein Bein gebrochen, wenn er mal kurz rübergefahren wäre.

An dem Wochenende sind so viele Dinge passiert, dass ich viele Sachen, die nicht direkt mit meinem Job zu tun hatten, gar nicht mitbekommen habe. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Gerichtsvollzieher. Der Eddie hat das schön unter der Decke gehalten. Und ich wollte so etwas gar nicht an mich rankommen lassen.

Eddie Jordan spart sich neue Kupplung

Mein Rennen war leider schnell zu Ende. Der Hintergrund war der, dass wir schon im Warmup Probleme mit der Kupplung hatten. Ich habe beim Briefing darauf hingewiesen, dass die Kupplung schleift. Wir haben uns die Köpfe heiß geredet, ob wir sie wechseln sollen oder nicht, doch schlussendlich hat Eddie gesagt, dass es zu viel Geld kostet. Dann ist sie halt kaputtgegangen.

Beim Runterschalten in La Source habe ich schon erste Anzeichen gespürt, dass sie nicht mehr komplett greift. Als ich dann aufs Gas gestiegen bin, ging nichts mehr. Den Rest des Rennens habe ich mir an der Strecke angeschaut und auch noch den Ausfall von de Cesaris miterlebt, der zu dem Zeitpunkt auf Platz zwei lag. Mir hat man erzählt, dass ein Stein den Kühler zerschlagen hatte, aber wie ich höre, entsprach das nicht ganz der Wahrheit. Da ich eine Ecke schneller war als der Kollege, kann man davon ausgehen, dass ich wenigstens auf Podestkurs gelegen, wenn nicht sogar gewonnen hätte. Das war für mich eine Riesensache. Insgeheim hat mich die verpasste Chance natürlich geärgert.

In unserer Fotogalerie zeigen wir noch einmal die besten Bilder von Schumachers Formel 1-Debüt in Spa. Hier haben wir die Links zu den anderen Teilen unserer Jubiläums-Serie:

Teil 1: Michael Schumacher: Die Geheimnisse meiner F1-Premiere

Teil 2: Eddie Jordan: Schumachers Karriere begann mit einer Lüge

Teil 3: Ian Phillips: „Schumacher ein Verrückter oder ein Superstar“

Teil 4: Gary Anderson: „Michael fuhr Eau Rouge locker voll“

Teil 5: Willi Webber: Jordan – „Who the fuck is Schumacher?“

Neuester Kommentar

Immer wieder schön den Jordan von 19991 zu sehen. Für mich ein MItfavorit um den Titel "Schönstes F1-Auto überhaupt"

Mach5 23. August 2016, 16:06 Uhr
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