Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Verteidigungsschlacht von Monza

Schumi vs. Hamilton - war das fair?

Michael Schumacher GP Italien Monza 2011 Foto: Daniel Reinhard 54 Bilder

Michael Schumacher hat sich mit zwei fünften Plätzen in Spa und Monza bei seinen Kritikern rehabilitiert. Jetzt scheiden sich die Geister an seinem Duell mit Lewis Hamilton. Die einen bejubeln die Rückkehr des Messias, die anderen fanden seine Fahrweise zu hart.

15.09.2011 Michael Schmidt

Man musste Michael Schumacher und Lewis Hamilton dankbar sein. Ihr Duell in Monza bot 26 Runden beste Unterhaltung. Nachdem Hamilton es im x-ten Versuch endlich an dem Mercedes vorbei geschafft hatte, war die Luft raus aus diesem Grand Prix. Doch von diesem Zweikampf werden die Fans noch lange sprechen. Und heiß diskutieren, ob Schumacher beim Verteidigen seiner Position an oder über die Grenze gegangen ist.

Schumacher und Hamilton klebten vom Start weg wie die Kletten aneinander. Während Hamilton beim Spurt in die erste Kurve um einen Platz zurückfiel, machte der Altmeister wie üblich Boden gut. Beim Losfahren war Schumacher noch Achter. Nach einer Runde tauchte er in Hamiltons Rückspiegel auf Rang vier auf. Dann nutzte der Mercedes-Pilot den Re-Start nach der Safety-Car-Phase, um seinen Gegner auszutricksen. Hamilton schlief, Schumacher zog vorbei.

Schumacher liefert beherzte Verteidungsschlacht

Wer glaubte, dass der Rekordsieger bald eine leichte Beute für den McLaren-Piloten sein würde, sah sich bald getäuscht. In der sechsten Runde attackierte Schumacher sogar den Zweitplatzierten Fernando Alonso in der ersten Schikane. Ohne Erfolg.

Ab dann musste sich der siebenfache Weltmeister nach hinten orientieren. Hamilton kam immer wieder längsseits, aber nicht vorbei. Der Mercedes wurde auf der Geraden mit 339 km/h gemessen, der McLaren trotz Windschatten nur mit 333 km/h. Als er in der 13. Runde das silberne Bollwerk am Ende der Zielgeraden knackte, schlug Schumacher vor der Roggia-Schikane prompt zurück. Das Pressezentrum applaudierte.

Inzwischen war auch Jenson Button aufgelaufen. Der alte Taktiker schaute sich das Spiel aus erster Reihe eine Weile an, bis sich in der 16. Runde die Chance bot, auf die er gewartet hatte. Hamilton suchte auf der Innenspur der Curva Grande einen Weg an Schumacher vorbei, wurde aber auf das Gras gedrängt. Button gab Schumacher Rückendeckung: "Lewis fuhr in eine Lücke, die es nicht gab."

Button ist der lachende Dritte

Der Ungarn-Sieger nutzte Hamiltons Ausflug in die Wiese und bremste ihn vor der Roggia-Schikane aus. Nur einen Kilometer später griff er sich Schumacher. Im ersten Versuch. Außen am Bremspunkt vor der Ascari-Schikane. "Mit geschlossenen Augen, denn Michael ließ mir nicht viel Platz", grinste Button. Schumacher war überrascht, als er nach rechts blickte: "Ich dachte, das ist wieder Lewis. Mit Button hatte ich gar nicht gerechnet."

Button nutzte die Gunst der Stunde. Er setzte sich schnell von Schumacher ab. "So konnte er in der nächsten DRS-Zone den Flügel-Vorteil nicht nutzen", konstatierte McLaren-Chef Martin Whitmarsh. Doch warum kam Button gleich im ersten Anlauf vorbei? "Weil seine Reifen in besserem Zustand als die von Lewis und Michael waren. Die hatten ihre schon in ihrem Duell verheizt."

Schumacher bog sofort zum Reifenwechsel an die Boxen ab. Hamilton kam zwei Runden später und blickte erneut in den Auspuff des Silberpfeils. Wieder begannen die Windschattenspielchen. Wieder platzierte Schumacher sein Auto in der Straßenmitte, um vor der Bremszone nach links oder rechts zu schwenken, je nachdem auf welcher Seite Hamilton angreifen würde. Es gibt Fotos, da dreht Schumacher im Anflug auf die Ascari-Schikane den Kopf komplett nach rechts, um Hamilton im Spiegel zu suchen. "Nie waren die Spiegel so im Einsatz wie heute", grinste Schumacher nach dem Rennen.

Rennleitung ermahnt Schumacher

Der Rennleitung wurden die Abwehrmanöver des Deutschen ein bisschen zu viel. Drei Mal schickte Charlie Whiting Mahnschreiben an Mercedes ab. "Wir wollten, dass er Lewis beim Bremsen genug Platz lässt", erklärte Charlie Whiting. "Erst in die Straßenmitte zu wechseln und dann wieder zurück ist ein Spurwechsel zu viel."

Nach Meinung der Rennleitung waren die Manöver an der Grenze, aber nicht darüber. Zwei der FIA-Aufrufe leitete Ross Brawn an seinen Fahrer weiter. Er bat Schumacher vor dem Bremszonen die Linie zu halten. Als Hamilton in Runde 27 nach Anschauungsunterricht von Button vor Ascari endlich vorbeizog, wollte Schumacher den Spieß gleich wieder umdrehen. "Ich konnte in den Kurven aber nicht so dicht dranbleiben wie er an mir." Was den Klassenunterschied zwischen beiden Autos zeigt.

War der Zweikampf fair?

Nach dem Rennen entzündeten sich die Kommentare an der Frage, ob sich Schumacher fair gewehrt habe oder nicht. Hamilton meinte nach einer Abkühlphase ja. Schumacher führte ins Feld, dass Hamilton der gleiche Racer sei wie er und diese Sprache schon verstünde. "Ich habe mein Auto so breit gemacht wie es das Reglement erlaubt."

Martin Whitmarsh meinte: "Michael hat die Regeln bis ans Limit ausgelotet. Ich habe noch nie so einen breiten Mercedes gesehen. Mein Lob geht an Lewis. Er hat den Frust des Hinterherfahrens gut im Griff gehabt."

Stewards waren abgelenkt

Sportkommissar Derek Daly meint rückblickend, dass man Schumacher hätte bestrafen müssen. Weil er wiederholt blockiert habe. Die Rennleitung sei jedoch in der entscheidenden Phase durch die Analyse einer Kollision zwischen Felipe Massa und Jarno Trulli abgelenkt gewesen.

Bei Licht betrachtet war das Duell der beiden Rennfahrergenerationen genau das, was sich der Rennfan wünscht. Überholen schwer gemacht. Trotz DRS. Es wäre doch viel enttäuschender gewesen, wenn Hamilton ohne Probleme vorbeigefahren wäre. Er darf sich nicht beklagen. Hamilton ist auch kein Engel auf der Rennstrecke. Jetzt ist er mit Schumacher mal an einen geraten, der genauso hart und verbissen kämpft, wie er selbst. Deshalb war es gut, dass die Rennleitung nur eine Warnung, nicht aber eine Strafe ausgesprochen hat. Sonst werden wir solche Zweikämpfe bald nicht mehr sehen.

Umfrage
Verteidigte sich Schumacher in Monza mit fairen Mitteln?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden