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Red Bull vs. Schumacher

Die Details zur DRS-Untersuchung

Michael Schumacher GP Europa 2012 Foto: Mercedes 29 Bilder

Michael Schumacher musste dreieinhalb Stunden um seinen dritten Platz beim GP Europa zittern. Dann wiesen die Sportkommissare den Red Bull-Vorwurf zurück, Schumacher sei unter Gelb mit geöffnetem DRS gefahren. Der Mercedes-Pilot war bei der Urteilsverkündung schon Richtung Flughafen unterwegs. Wir erklären die Hintergründe.

26.06.2012 Michael Schmidt

Das Urteil kam um 19.11 Uhr. Drei Stunden und 25 Minuten nach der Zieldurchfahrt. Als Michael Schumacher auf dem Podest mit Sieger Fernando Alonso und Kimi Räikkönen Champagner verspritzte, ahnte er noch nicht, was sich da hinter seinem Rücken zusammenbraute. Red Bull hatte bei der Rennleitung eine Beschwerde eingereicht.

Der Vorwurf: Schumacher soll in der letzten Runde bei gelben Flaggen mit geöffnetem Heckflügel-Flap gefahren sein. So wie Sebastian Vettel und Felipe Massa beim GP Spanien. Beide kassierten damals eine Durchfahrtstrafe, weil sie am Unfallort von Michael Schumacher und Bruno Senna das Tempo nicht entscheidend verringert hatten. Das forderte Red Bull auch im Fall Schumacher.

Wird eine Durchfahrtstrafe nachträglich verhängt, bekommt der Fahrer 20 Strafsekunden aufgebrummt. Wie Pastor Maldonado für die Kollision mit Lewis Hamilton. Dann wäre Schumacher nicht auf Rang drei, sondern auf Platz neun gelandet. Mit zwei Sekunden Rückstand auf Sergio Perez.

Ärger in der allerletzten Runde

Die strittige Szene passierte in der letzten Runde auf der 940 Meter langen Geraden hinter der Schwenkbrücke. Dort ist die DRS-Zone, die in diesem Jahr 120 Meter länger als im Vorjahr ausgelegt wurde. Am Ende der Geraden stand Hamiltons McLaren im Reifenstapel von Kurve 12.

Die Aktivierungszone für DRS begann 215 Meter hinter Kurve 10. Kurz danach zeigte ein Streckenposten auf der rechten Straßenseite eine stationäre gelbe Flagge. Etwa 200 Meter später stand ein weiterer Streckenposten mit doppelt geschwenkten gelben Flaggen. Wieder auf der rechten Seite. Gegenüber, etwa 50 Meter versetzt, blinkte die Ampelanlage gelb. Das heißt für alle Fahrer: Sofort Gas wegnehmen, bereit machen zum Anhalten.

Red Bull warnte Mark Webber nach der schlechten Erfahrung mit Vettel in Barcelona sein DRS auf jeden Fall geschlossen zu lassen. Der Australier beobachtete aber, dass der Heckflügel-Flap am Mercedes just in dem Augenblick öffnete, als die DRS-Zone begann. Webber funkte das an die Box. Red Bull besorgte sich TV-Aufnahmen, die Webbers Aussage bestätigten.

Schumacher mit offenem Heckflügel in der Gelb-Zone

Teamberater Helmut Marko. "Man sieht aus Marks Sicht ganz klar auf der rechten Seite eine gelbe Flagge und links im Bild den offenen Flügel am Mercedes. Da gibt es gar kein Vertun." Mercedes-Teamchef Ross Brawn hielt dagegen: "Michael hat den Flügel 30 Meter vor der Gelbzone zugemacht."

Die FIA prüfte den Fall ganz genau. Zuerst wurden die Fahrer verhört, dann die Teammanager von Red Bull und Mercedes. Michael Schumacher begab sich nach seiner Zeugenaussage auf die Heimreise. Er wartete das Ergebnis gar nicht mehr ab: "Ich mache mir keine Sorgen", meinte er auf dem Weg aus dem Fahrerlager optimistisch. Schumacher sollte Recht behalten. Die technische Analyse bestätigte seine Aussagen.

Im Einheits-Steuergrät sind auch alle DRS-Bewegungen zusammen mit den GPS-Daten und den Gaspedalbewegungen gespeichert. Für diesen Fall musste sogar FIA-Elektroniker Alain Prudom bei der Rennleitung zum Appell. Die Untersuchung ergab, dass Schumacher an der ersten gelben Fahne tatsächlich mit offenem DRS gefahren ist. Aber dort, wo zwei gelben Flagge geschwenkt wurden und die gelbe Ampel blinkte, war es wieder zu.

Geschwindigkeit wichtiger als DRS-Stellung

"Entscheidend ist nicht die DRS-Position", erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting. "Es gibt keine Regel, die besagt, ob der Heckflügel unter gelber Flagge offen oder zu sein muss. Ausschlaggebend ist allein, ob der betreffende Fahrer in der Sektion verlangsamt hat oder nicht. Und Schumacher hat im Vergleich zur Runde davor deutlich Tempo rausgenommen."Kleine Anmerkung am Rande: Der Mercedes-Pilot war im betreffenden Abschnitt sogar langsamer als Webber mit geschlossenem Flügel.

Der Einwand von Red Bull, dass dann Vettel und Massa in Barcelona umsonst bestraft worden seien, zieht bei Whiting nicht. "Das ist ein ganz anderer Fall. Beide hatten in der gesamten Gelbzone das DRS offen, und sie haben nicht entscheidend Tempo rausgenommen. Michael ist ganz massiv vom Gas gegangen. Seine Box hat ihn gleichzeitg mit den Worten 'slow down' gewarnt. Bei Vettel und Massa konnten wir in Barcelona nichts Vergleichbares erkennen."

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