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Schumi-Absage

Wer ist eigentlich Luca Badoer?

Luca Badoer Foto: Wolfgang Wilhelm 7 Bilder

Luca Badoer ist der Ersatz vom Ersatz. Nach der Absage von Michael Schumacher am Dienstag (11.8.) rückt ein 38-jähriger Italiener, der seit zehn Jahren kein Formel 1-Rennen mehr gefahren ist, in den Mittelpunkt des Interesses.

11.08.2009

Ferrari traute dem Frieden vom ersten Tag an nicht. Bereits in der ersten Pressemitteilung wurde gewarnt, dass Michael Schumachers Comeback von der Zustimmung der Ärzte abhängig sein würde. Deshalb gab es in Maranello auch von Anfang an einen Plan B. An dem Tag, an dem klar war, dass Felipe Massa die nächsten Rennen nicht fahren würde können, intensivierte Ferrari-Reservepilot Luca Badoer sein Fitnessprogramm. Und er begleitete Michael Schumacher beim Kartfahren. Wer ist der Mann, der nun neben Kimi Räikkönen in Valencia den zweiten Ferrari fahren soll?

Badoer fehlt die Fahrpraxis
 
Badoer ist Ferraris Edeltester. Er spulte in den letzten Jahren fast 100.000 Testkilometer ab, doch er kam nie zum Einsatz. Badoer war mit seinem Testfahrerjob zufrieden. Eine Formel 1-Karriere hat der schlaksige Italiener längst abgehakt. Der 38-Jährige aus Montebelluna steht nun vor dem gleichen Problem wie Schumacher. Ihm fehlt Fahrpraxis. Wegen der Testbeschränkungen haben in diesem Jahr Felipe Massa und Kimi Räikkönen sämtliche Testfahrten selbst abgespult. Auch Badoer muss seinen Nacken kurzfristig trainieren. Er tut dies in einer speziellen Maschine, an der die Nackenmuskulatur mit Seilzügen und Gewichten aktiviert wird. Auch Badoer muss durch ein technisches Crashprogramm. Er kennt Kers und den verstellbaren Frontflügel nur vom Hörensagen. Und er kennt den Kurs von Valencia nicht.
 
Zuletzt bestritt der spindeldürre Formel 3000-Meister von 1992 vor zehn Jahren einen Grand Prix. Der 49-fache GP-Starter, der nie einen WM-Punkt holte, fuhr 1999 in Suzuka einen Minardi. Da fragt man sich, warum Ferrari nicht auf einen der kürzlich entlassenen Formel 1-Piloten zurückgreift. Sowohl Sebastien Bourdais als auch Nelson Piquet haben Erfahrung mit den aktuellen Autos, sie stehen im Training, sie wissen, wo es in Valencia lang geht. Bourdais hat mit Nicolas Todt sogar den gleichen Manager wie Felipe Massa. Piquet ist mit Kers schon einmal gefahren. Doch da ist Ferrari zu stolz. Die Gestione sportiva nimmt keine Piloten, die anderswo entlassen wurden.
 
Teams haben sich mit dem Testverbot ein Eigentor geschossen
 
Badoer wird es in Valencia schwer haben. Er ist nicht wie Schumacher der Typ, der sich in Nullkommanix auf neue Situationen einstellt. Er hätte Testkilometer nötiger als Schumacher. Die Notsituation von Ferrari zeigt die Unsinnigkeit des Testreglements. Die Teams beginnen einzusehen, dass sie sich mit ihren selbst verordneten Einschränkungen ein Eigentor geschossen haben. Prinzipiell machen Testrestriktionen im Sinne der Gleichbehandlung Sinn. Der Testkilometer kostet rund 1.000 Euro. In den Zeiten unbegrenzten Geldvernichtens haben die Topteams bis zu 70.000 Testkilometer abgespult.
 
Das hat die kleinen Teams benachteiligt. Sie kamen schon damals nicht über 10.000 Kilometer hinaus. Das Problem ist aber nicht die Kilometerbegrenzung. Es ist die Verteilung der Testfahrten. Während der Saison darf nicht gefahren werden. Das kann für Teams zum Problem werden, die notgedrungen einen Fahrer austauschen müssen. Die jungen Piloten wie Jaime Alguersuari oder Romain Grosjean haben zum Teil null Formel 1-Erfahrung. Aber selbst etablierte Testpiloten wie Pedro de la Rosa (McLaren), Christian Klien (BMW), Nico Hülkenberg oder eben Luca Badoer sind außer bei Aerodynamik-Probefahrten seit März nicht mehr in den Autos gesessen.

Ein Wochenende um wieder in den Rhythmus zu kommen
 
"Du brauchst mindestens einen Tag, bis du wieder ein Gefühl für das Formel 1-Auto kriegst", sagt Hülkenberg, der als aktiver GP2-Pilot noch in der glücklichen Lage ist, dass er regelmäßig zum Fahren kommt. Pedro de la Rosa wäre trotz seiner 72 Grand Prix Erfahrung nicht wohl dabei, wenn er kurzfristig für Lewis Hamilton oder Heikki Kovalainen einspringen müsste. "Ich würde ein ganzes Wochenende verlieren", glaubt der Spanier. "Weil ich nicht in Übung bin, würde ich vorsichtig fahren, um nichts kaputtzumachen. Selbst erfahrene Testpiloten bräuchten ein ganzes Wochenende, um wieder in den Rhythmus zu kommen."
 
De la Rosa bekniet die Verantwortlichen, das Testreglement aufzuweichen. Sein Vorschlag: "Streicht vier von den Aerodynamiktests und gebt im Austausch dafür vier echte Testtage unter der Saison. Die dürfen aber nur von einem Neuling oder einem offiziellen Testfahrer zum Eingewöhnen vor einem Grand Prix-Einsatz genutzt werden." Michael Schumacher und Luca Badoer hätten nichts gegen eine solche Regelung.

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