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Schumi auf dem Fan-Forum Stuttgart

Die 60er Jahre wären nichts für mich gewesen

Fan Forum Stuttgart Foto: dpa

Vier Tage vor dem GP Deutschland hatten die Fans Gelegenheit, den Stars Fragen zu stellen. Michael Schumacher, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg und Timo Glock stellten sich den Fragen ihrer Bewunderer. Wir haben mitgeschrieben.

19.07.2012 Michael Schmidt

Die Teamvereinigung FOTA hat vor drei Jahren damit begonnen. Sie lädt die Fans ein, damit die ihre Fragen und Beschwerden bei den Verantwortlichen loswerden. Fahrer, Teamchefs, Konstrukteure sind gefordert. So wollen die Teams herausfinden, was das Motorsportpublikum wirklich will. In den vergangenen Jahren gab es rund um den Globus vier Veranstaltungen unter dem Banner "Fanforum". Nach Melbourne, Grove, Barcelona und New York hatten vier Tage vor dem GP Deutschland in Hockenheim zum ersten Mal Motorsportinteressierte aus Deutschland Gelegenheit, mit den Experten direkt in Kontakt zu kommen. In der Mercedes-Niederlassung von Stuttgart stellten sich Michael Schumacher, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg und Timo Glock den Fragen von 200 Fans, die sich über ein Internetportal für die Veranstaltung anmelden konnten.

Lockere Stimmung im Fan-Forum

Trotz Heimvorteil der Schwaben haben sich auch ausländische Gäste unter das Publikum gemischt. Zum Beispiel eine italienische Studentin, die zum Thema Michael Schumacher ihr Diplom geschrieben hat. Oder ein Südafrikaner, der sich unbedingt den GP Deutschland anschauen wollte. Die meisten Fans haben keine Berührungsangst mit den Stars. Man ist per Du in diesen Kreisen. Den größten Lacherfolg landete ein kleiner Junge, der Nico Hülkenberg unverblümt fragte: "Hast Du Dich sehr geärgert, als dich Williams vor zwei Jahren rausgeschmissen hat?" Der Force India-Pilot gab lächelnd zurück: "Schon ein bisschen."


Ein weiteren humoristischen Beitrag produzierte Moderator Heiko Vasser, als er den Piloten die Fachfrage stellt, ob sie kürzlich den Funkspruch an einen gewissen italienischen Fahrer gehört hätten, dass der sein Kers an einer bestimmten Stelle einsetzen soll. Schumacher zog die Augebrauen hoch: "Italienischer Fahrer? Haben wir da überhaupt einen?" Nico Rosberg stichelte dem RTL-Reporter hinterher: "Schaust Du auch manchmal Formel 1-Rennen an?" auto motor und sport hat die Frage der Motorsportfans mitgeschrieben und hier protokolliert.
 
Frage: Wo liegt die Grenze bei der Anzahl der Grand Prix? Sind 22 oder 23 Rennen zuviel?
Rosberg: Für uns Fahrer gibt es noch Spielraum nach oben. Für die Mechaniker ist es echt hart, da noch mitzukommen.

Glock: Nico hat Recht. Für uns Fahrer ist es einfacher als für das Team. Die Grenze liegt bei 23 bis 25 Rennen.

Hülkenberg: 20 ist okay, aber es gehen noch zwei oder drei mehr.

Schumacher: Wie viele Bundesliga-Spiele gibt es? 34, glaube ich. Trotzdem sitzt die Leute jedes Wochenende vor dem Fernseher. Ich sehe da schon noch Potenzial für Zuschauerinteresse an mehr Rennen als 20. Aber das haben wir nicht zu entscheiden.
 
Frage: Welche Formel 1 war besser: Die von 1991 oder die von heute?

Schumacher: Heute ist natürlich alles viel reglementierter. Aber jede Phase hat ihre Herausforderung. Heute gibt es mit Kers und DRS neue Möglichkeiten, einen langsamen Fahrer zu überholen, hinter dem du früher festgesteckt wärest.
 
Frage: Nico, Du warst ein Jahr lang Testpilot bei Force India. Wie bringt man da jeden Freitag Höchstleistung?

Hülkenberg: Das ist überhaupt nicht schwer. Wir alle brennen darauf, diese Autos zu fahren und um ein Formel 1-Cockpit zu kämpfen. Ich jedenfalls war heiß wie Frittenfett, um alles dafür zu geben.
 
Frage: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, etwas an diesem Sport zu ändern. Was würden Sie tun?

Glock: Ich würde die Autos schwerer machen. Da tut man sich mit dem Überholen leichter, weil man früher bremsen muss. Das verbessert die Show. Ich habe das bei den ChampCars selbst erlebt.

Hülkenberg: Als ich das erste Mal bei der Formel 1 war, hat im Heck noch ein V10 gebrüllt. Das würde ich gerne mal als Fahrer spüren.

Rosberg: Da fällt mir nix dazu ein.

Schumacher: Ich würde Wettbewerb auf dem Reifensektor zulassen. Dann gäbe es wieder vernünftige Reifen.
 
Frage: Michael, wenn es am Sonntag regnet, soll ich dann 50 Euro auf dich setzen?

Schumacher: Gib sie lieber mir. Wir teilen das Geld dann und gehen ein Bier trinken.
 
Frage: Bei Kers wird euch genau vorgeschrieben, wann und wo ihr die Power abrufen dürft. Lenkt das nicht ab?

Rosberg: Das wird ja vorher berechnet, wo es strategisch am günstigsten ist. Trotzdem ist es schwierig. Manchmal kommst du am absoluten Limit aus einer Kurve und sollst dann gleich drücken. Da musst du dann eben etwas warten.

Glock: Ich habe kein Kers, höre aber meinen Kollegen jetzt mal gut zu, damit ich etwas lernen kann.

Schumacher: Du hast einen Plan für die optimale Runde. Daran hältst du dich im Training. Im Rennen gibt es dir manchmal die Situation vor, je nachdem ob du im Zweikampf bist oder nicht. Dazu gibt dir dein Ingenieur ständig Tipps, wie du das optimieren kannst.
 
Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen italienischen und deutschen Fans?

Schumacher: Natürlich gibt es da Unterschiede. Jedes Land hat seine eigenen Charaktereigenschaften und das spiegelt sich natürlich auch bei den Fans wider. Beide Fangruppen sind auf ihre Weise schön. Meine Zeit in Italien möchte ich nicht missen.
 
Frage: In Silverstone hat es am Samstag geregnet, und am Sonntag war es trocken. Finden Sie es gut, dass man dazwischen nichts mehr am Setup machen darf?

Rosberg: Das ist schon okay. Wir wissen das und stellen uns darauf ein. Es entlastet auch die Mechaniker. Die müssen Samstagabend nicht mehr so lange arbeiten wie früher.
 
Frage: Wie funktioniert die Kommunikation zwischen dem Fahrer und dem Konstrukteur, der das Auto baut?

Glock: Ich bringe meine Erfahrungen von der Strecke in den Punkten ein, wo das Auto meiner Meinung nach eine Verbesserung nötig hat. Das versuche ich an die Ingenieure weiterzugeben. Dazu bin ich oft in der Fabrik und im Simulator.

Hülkenberg: Es gibt Phasen im Jahr, da hat man zu den Konstrukteuren sehr direkten Kontakt. Da bist du oft in der Fabrik. Wenn die Saison mal losgegangen ist, wird das weniger. Aber dafür gibt es ja Telefon und E-Mail. Ich liefere nach jedem Grand Prix meinen persönlichen Bericht bei den Ingenieuren ab.

Schumacher: Zuerst gibt es mal die Konferenzen an der Strecke mit dem direkten Austausch mit den Ingenieuren. Die Fabrik hört immer mit, so dass auch die zuhause etwas mitkriegen. Hin und wieder kommen auch die Designer an die Strecke, um am Ball zu bleiben.
 
Frage: Wie bereitet ihr euch auf den Start vor? Gibt es da ein Ritual?

Glock: Ich steige nie von rechts ins Auto. Ist mir einmal passiert. Dabei habe ich den Spiegel abgetreten, und das Rennen lief auch nicht so toll.

Hülkenberg: Auch ich steige immer nur von links ein.

Rosberg: Entspannen, Aufwärmtraining, ein bisschen Fußball für die Koordination.

Schumacher: Ich gehe immer noch mal auf die Toilette.
 
Frage: Timo, wie verkraftest du diese ständigen Rückschläge?

Glock: Wenn du einmal Formel 1 gefahren bist, verlierst du nicht die Lust. Ich schaue auch nicht auf die guten Zeiten zurück. Das bringt nichts. Du versuchst immer das Beste aus deiner Situation zu machen. Das treibt dich an.
 
Frage: Michael, kannst Du Dir nach deiner Formel 1-Karriere die DTM vorstellen?

Schumacher: Die DTM ist im Moment überhaupt kein Thema für mich. (Die Redaktion: Hört, hört: Das klingt wie eine Vertragsverlängerung in der Formel 1).
 
Frage: Es gibt die Formel 1 jetzt schon seit 62 Jahren. In welcher Ära wärt ihr mal gerne gefahren?

Glock: 1976, das Jahr als der Grand Prix zum letzten Mal auf der Nordschleife des Nürburgrings stattgefunden hat. Einmal mit dem Formel 1 dort drüber, das wäre ein Traum.

Hülkenberg: In den 90er Jahren.

Rosberg: In der Turbo-Zeit mit den fetten Hinterreifen.

Schumacher: Ich bin doch schon in allen Phasen gefahren, und ich bin froh, dass ich eine gute Zeit erlebt habe. Aber im Ernst: Ich ziehe meinen Hut vor den Jungs, die in den 60er und 70er Jahren unterwegs waren. Als weder die Autos noch die Rennstrecken sicher waren. Ich hätte kein Interesse daran, in dieser Zeit zu fahren, als Rennfahrer noch sterben mussten.
 
Frage: Hat einer von euch etwas mit der Formel Student zu tun?

Rosberg: Ich treffe die die Jungs von Zeit zu Zeit. Zuletzt in Dubai. Mercedes unterstützt da eine Studentengruppe. Die haben mir ihr Auto gezeigt. Ich finde das eine gute Sache.
 
Frage: Was sind Eure Lieblingsstrecken?

Rosberg: Hockenheim und Monte Carlo.

Hülkenberg: Monte Carlo, Spa und Suzuka.

Glock: Singapur, wegen der einmaligen Atmosphäre in der Nacht.

Schumacher: Spa und Suzuka.
 
Frage: Timo, was hast Du gedacht, als Du in Monaco kurz mit Button gekämpft hast?

Glock: Ich habe mich erst mal gefragt: Sitzt du im richtigen Auto? Das hat unheimlich viel Spaß gemacht, weil sich wieder gezeigt hat, dass in Monaco der Fahrer etwas ausmachen kann.
 
Frage: Wie motiviert Ihr Euch nach einem schlechten Rennen?

Glock: Ich habe ja Erfahrung mit schlechten Resultaten und mit dieser Frage. Dazu sage ich nur: Jedes Rennen ist eine neue Herausforderung.

Hülkenberg: Wie auch sonst im Leben gibt es immer mal wieder Rückschläge. Das muss man akzeptieren. Hey, wir haben einen Traumjob, reisen um die Welt und dürfen die schnellsten Autos fahren, die es gibt. Wenn das nicht Motivation genug ist.

Rosberg: Aus schlechten Phasen lernt man mehr als aus guten. Ich versuche deshalb, daraus das meiste mitzunehmen.

Schumacher: Wir alle haben das Glück, die besten Autos der Welt bewegen zu dürfen. Und in der Formel 1 herrscht nie Stillstand. Die Autos entwickeln sich immer weiter. Das, was Vergangenheit war, bleibt Vergangenheit. Für uns geht es immer nur vorwärts. Da stellt sich die Frage nach der Motivation nicht.
 
Frage: Was macht an Stadtkursen so viel Spaß?

Hülkenberg: Monaco ist der absolute Kick. Ein Kampf mit dir selbst und mit der Strecke. Du denkst, du bist am Limit, und merkst, es geht immer noch ein bisschen mehr. Das ist einfach nur geil.
 
Frage: Herr Hülkenberg, zahlt ihr Chef Vijay Mallya ihr Gehalt immer pünktlich oder bekommen sie manchmal nur Naturalien wie Bier aus seiner Brauerei?

Hülkenberg: Das passt schon. Ab und zu kommt auch mal eine Kiste Bier.
 
Frage: Welche Autos fahren Sie privat?

Schumacher: Wir sind da privilegiert. Mein Arbeitgeber Mercedes hat ein paar nette Spaßmobile in seiner Palette.

Rosberg: Ich bin gestern einen SLS Roadster durch die Berge in Südfrankreich gefahren. Das hat echt Spaß gemacht.

Glock: Das darf ich hier in der Mercedes-Niederlassung nicht sagen. Einen BMW 550 Diesel.

Hülkenberg: Ich hätte gerne einen Aston Martin DBS.
 
Frage: Warum läuft es bei Ihnen in der Qualifikation seit diesem Jahr besser, Herr Schumacher?

Schumacher: Ich selbst mache nicht viel anders. Wir haben aber letztes Jahr das Ingenieursteam ausgewechselt. Deshalb kann ich mehr aus dem Auto rausholen.
 
Frage: Welche Strecke, die nicht im Kalender steht, würden sie gerne dort sehen?

Schumacher: Macau.

Hülkenberg: Zandvoort.
 
Frage: Wie schätzt Ihr Eure Chancen für Hockenheim ein?

Schumacher: Ich hoffe, dass ich bald wieder mit einem Sieg dienen kann. Ein paar Mal hatten wir in dieser Saison schon das Auto dazu. Und ich hoffe, dass es bald wieder der Fall sein wird. Am liebsten in Hockenheim. Ein Platz auf dem Treppchen dort ist nicht unrealistisch.

Rosberg: Die Strecke sollte unserem Auto gut liegen.

Hülkenberg: Ideal wäre eine zweistellige Punktezahl.

Glock: Ich hoffe, die drei Jungs neben mir räumen da vorne so richtig auf. Dann komme ich in die Nähe der Punkte.
 
Michael Schumacher sprach das Schlusswort: "Ich hoffe, Ihr seid alle in Hockenheim dabei. Oder wenigstens am Fernseher."

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