Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Schumi quo vadis?

Schumachers Marktwert sinkt stetig

Michael Schumacher Porträt Barcelona 2012 Foto: Wolfgang Wilhelm 153 Bilder

Michael Schumacher steht im Mittelpunkt der Diskussionen. Zuerst sein Unfall in Singapur, der dritte in drei Jahren. Dann seine ungeklärte Zukunft. Ist er für Mercedes nur zweite Wahl hinter Lewis Hamilton? Oder noch nicht einmal das? Wir geben Antworten auf viele ungeklärte Fragen.

27.09.2012 Michael Schmidt

Der GP Singapur endete für Michael Schumacher mit einem Knalleffekt. In der 39. Runde krachte der erfolgreichste Pilot der Formel 1 in das Heck des Toro Rosso von Jean-Eric Vergne, dem jüngsten Fahrer im Feld. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein dummer Auffahrunfall. Und wer auffährt ist immer schuld.

Michael Schumacher führte technische Probleme ins Feld. Der Reifendruck war zu niedrig, möglicherweise hat deshalb das Auto beim Bremsen aufgesetzt und nicht richtig verzögert. Doch das hätte er mit der Erfahrung von 301 GP-Starts wissen müssen. Nach einer Safety-Car-Phase braucht der Reifendruck immer ein, zwei Runden, bis er sich wieder auf Normalmaß eingependelt hat. Gerade in Singapur, bei relativ kühlem Asphalt (30 Grad) und nur wenigen schnellen Kurven, die Hitze erzeugen.

Telemetrie entlastet Schumi nicht

Dass die Vorderräder beim Bremsen blockiert haben, ist normal. Als Schumacher merkte, dass es eng wird, hat er den Pedaldruck erhöht. Je langsamer das Auto wird, umso mehr sinkt der Anpressdruck. Und umso mehr steigt die Gefahr, dass die Räder stehenbleiben. Die Ingenieure haben bei der Durchsicht der Daten keinen Fehler am Auto gefunden. Die Datenauswertung belegt auch, dass Schumacher nicht zu spät gebremst hat, sondern dort, wo er es immer tut.

Ross Brawn brachte auf Anfrage von auto motor und sport eine andere interessante Theorie ins Spiel. "Michael ging davon aus, dass Vergne normal in die Kurve einlenkt, aber Perez hat den Toro Rosso auf der Außenspur festgehalten, um dessen Angriff abzuwehren. Deswegen war Vergne an einem Platz, an dem er nicht mehr sein sollte." Ob Schumacher die Kurve auch bekommen hätte, wenn der Franzose nicht im Weg gestanden hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Die Kritiker fielen nach dem Rennen über den Rekordsieger her. Es war der dritte Crash beim dritten Singapur-Start. Und da war dann auch noch der Unfall mit Bruno Senna in Barcelona, der eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Sofort kamen die üblichen Klischees. Ist er zu alt? Braucht er eine Brille? Kann er Entfernungen nicht mehr so gut abschätzen wie früher?

In seinen besten Tagen wäre ihm so etwas nicht passiert, meinten viele im Fahrerlager. Stimmt. Früher musste er sich auch nicht im Mittelfeld mit Toro Rossos herumschlagen. Da kämpfte er an der Spitze. Für Schumacher sind viele Situationen in seiner zweiten Karriere neu. Starts aus dem Mittelfeld. Der Zweikampf mit Kollegen, die keinen Respekt mehr zeigen vor dem roten Helm. Eine ganze Heerschar neuer Gegner, die genauso fit, genauso schnell, genauso ehrgeizig und genauso abgezockt sind wie er, aber halt auch 15 Jahre jünger.

Hamilton als jüngerer Schumacher-Ersatz?

Genau diese Erkenntnis könnte dem siebenfachen Weltmeister auf den Kopf fallen. Mercedes will Lewis Hamilton. Das ist verständlich. Hamilton ist 27 Jahre alt, ihm gehört die Zukunft. Er zählt neben Fernando Alonso und Sebastian Vettel zur absoluten Elite. Wer wollte ihn nicht, trotz all seiner Undiszipliniertheiten, seiner Unselbständigkeit, seinem störenden Umfeld und seinen Gemütsschwankungen?

Schumacher ist im Vergleich zu ihm die Vergangenheit. Das ist keine Kritik. Mercedes muss für die nächsten drei Jahre planen, für eine Zeit, in der das Reglement, die Autos und Motoren noch einmal komplett auf den Kopf gestellt werden. In drei Jahren ist Michael Schumacher 46. Da könnte er schon fast dem seligen Juan-Manuel Fangio die Hand reichen.

Das Problem von Mercedes ist, dass Hamilton seinen Preis hat. Und der schaukelt sich jetzt langsam hoch, je mehr McLaren realisiert, dass es für ihr Sorgenkind keinen gleichwertigen Ersatz auf dem Markt gibt. Mercedes kann das Wettbieten nur bis zu einer Schmerzgrenze mitgehen, und die ist Eingeweihten zufolge längst erreicht.

Der einzige Hoffnungsfunke ist die schlechte Stimmung zwischen Hamilton und seinem Team. Der WM-Vierte empfand das erste Angebot seines Arbeitgebers als Beleidigung. Als Geringschätzung seiner Qualitäten. Das könnte noch den Ausschlag geben, auch wenn ihm jetzt McLaren mit Sprüchen wie diesen den roten Teppich legt: "Wir haben Lewis noch nie so konzentriert bei der Arbeit gesehen wie zur Zeit."

Schumachers Marktwert sinkt

Michael Schumacher muss im Transferpoker abwarten. Diesmal ist es nicht er, der die Fäden in der Hand hält. Nur wenn Hamilton nicht kommt, kann er bei Mercedes bleiben. Und dann vermutlich auch nur, wenn er seinen augenblicklichen Preis nach unten diktiert. Die Gesetze im Markt sind brutal.

Mercedes konnte die kolportierten 21 Millionen Euro pro Jahr deshalb rechtfertigen, weil Schumacher mit seiner bloßen Präsenz zurückzahlte. Bei keinem Fahrer ist die Schlange der Autogrammjäger größer, keiner wird so oft fotografiert, keiner schreibt so viele Geschichten. Würde statt Schumacher Testpilot Sam Bird im Auto sitzen, wären die Presserunden bei Mercedes leer. Es gäbe auch viel weniger TV-Interviews. RTL kennt ja nur Schumacher und Vettel.

Doch der ganz große Rummel, der von seinem Comeback ausging, flacht nun langsam ab. Nach drei Jahren ist Schumacher Normalität geworden. Er müsste schon gewinnen, um noch einmal einen ähnlichen Hype zu erzeugen wie 2010. Mercedes kann auch rechnen. Der Gegenwert ist nicht mehr der, der er einmal war. Weder auf noch außerhalb der Rennstrecke. Schumacher wird wohl eine Gehaltskürzung hinnehmen müssen, wenn er bei Mercedes bleiben will. Sonst sitzt da schneller ein Paul di Resta oder ein Nico Hülkenberg im Auto, als Schumacher schauen kann.

Schumacher mit Alternativen zu Mercedes

Das muss nicht heißen, dass Schumacher im nächsten Jahr ohne Cockpit dasteht. Es gibt genug andere Teams, die von seiner Erfahrung und der Strahlkraft, auch wenn sie ein wenig verblasst ist, profitieren können. Ein solches Team wäre zum Beispiel Sauber. Für die Schweizer würde Schumacher sicher auch auf etwas Geld verzichten, nach dem Motto: Jetzt erst recht.

Doch eines wird Schumacher sicher nie tun. Wer spekuliert, er könne Rennleiter bei Mercedes werden, hat ein kurzes Gedächtnis. Das hat Schumacher schon bei Ferrari abgelehnt. Die Formel 1-Ikone ist kein Mann fürs Büro. Schumacher ist ein Adrenalin-Junkie. Der wird solange in einem Cockpit oder auf einem Motorradsattel sitzen, wie er kann.

Umfrage
Schumi bei Mercedes nicht mehr erste Wahl. Was sollte er tun?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden