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Schumi

Seine größten Rennen

Foto: dpa

Bei der schieren Masse von sieben WM-Titeln und 91 GP-Siegen geht ein bisschen unter, dass Michael Schumacher nicht nur in der trockenen Statistik einen ewigen Spitzenplatz besetzt. In die Ruhmeshalle der Formel 1 zieht er auch ein, weil er schlicht unglaubliche Rennen fuhr.

24.10.2006 Markus Stier

Michael Schumacher
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Spanien 1992

Die Formel 1-Karriere des 23-jährigen Michael Schumacher ist gerade einmal zehn Rennen alt, da bekommt der GP-Zirkus erstmals eine Vorstellung davon, was mit diesem Deutschen auf ihn zukommt. Es regnet in Barcelona. Der bisherige Regengott Ayrton Senna ist längst draußen, auch Regenass Jean Alesi im Ferrari kann Schumacher nicht halten. Nigel Mansell führt im haushoch überlegenen Williams-Renault, doch Schumacher kann im Benetton-Ford scheinbar übers Wasser gehen. Mansells Auto hat eine aktive Radaufhängung. Nur weil der Engländer vom Cockpit aus die Bodenfreiheit regulieren und so sein Aquaplaning verringern kann, rettet er sich als Sieger ins Ziel. Schumacher steht einen Monat nach seinem ersten dritten Platz (Mexiko) erneut auf dem Treppchen, dieses Mal als Zweiter.

Spanien 1994

Dieses Mal ist es auf dem Circuit de Catalunya trocken. Schumacher im Benetton-Ford kassiert eine klare Niederlage gegen Damon Hill im Williams-Renault. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, aber ab Rennhalbzeit steckt Schumachers Getriebe im fünften Gang fest. Mit diesem fünften Gang fährt der Benetton-Renault-Mann so schnell, dass weder Hill, noch die hinter ihm fahrenden Mark Blundell und Jean Alesi Wind von seinem technischen Problem bekommen. Als Hill nach dem Rennen von Schumachers Schwierigkeiten erfährt, ist er völlig fertig. Der Engländer stellt die Situation sogar selbst im folgenden Winter nach.

Belgien 1995

Schumacher startet nach verwachstem Training nur vom 16. Startplatz. Aber was soll's, John Watson hat schon mal von Startplatz 22 gewonnen. Es regnet, und Schumacher zieht die Art Show ab, vor der sich alle fürchten. Als erster wechselt er auf der noch feuchten Strecke auf Slicks und siegt.

Europa 1995

Erstmals seit 10 Jahren wird mit dem Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring ein zweites Rennen in Deutschland gefahren. Der Termin in der Eifel ist für den 1. Oktober vorgesehen. Längst ist der Herbst angebrochen, natürlich regnet es. Jean Alesi, ein echter Regenmeister führt im Ferrari das Rennen 53 Runden lang an. Drei Runden vor Schluss fängt ihn Schumacher im Veedol-Z ab und gewinnt.

Spanien 1996

Wieder einmal liefert Schumacher in Barcelona ein Meisterstück ab, vielleicht das, an das sich die meisten Menschen noch Jahrzehnte gewinnen. Der von John Barnard kontruierte Ferrari ist eine Gurke. Doch es regnet sogar in Katalonien zuweilen. Mit der "U-Boot-Fahrt" von Barcelona degradiert Schumacher alle Gegner zu Statisten. Mit einer Fahrt, in der der Ferrari in fast jeder Kurve quer steht, schliddert Schumacher traumwandlerisch sicher um den Kurs Jean Alesi wird mit 45 Sekunden Rückstand Zweiter, der drittplatzierte Jacques Villeneuve hat 48 Sekunden Rückstand, Heinz-Harald Frentzen als Vierten und alle weiteren Fahrer hat Schumacher überrundet. Selbst Schumacher-Gegner Villeneuve gesteht: "Das war überragend."

Belgien 1996

Gustav Brunner hat dem hoffnungslos unterlegenen Ferrari mit einer notdürftig überarbeiteten Aerodynamik halbwegs Manieren beigebracht. Doch das Auto ist zudem fürchterlich unzuverlässig. In Magny Cours scheidet Schumacher schon in der Einführungsrunde mit Motorschaden aus. Nach vier Ausfällen in Folge stehen Schumacher und Ferrari schwer unter Druck. In Spa hat Schumacher im Training einen heftigen Unfall, aber das hält ihn nicht auf. Schumacher besiegt die überlegenen Williams-Renault. Im folgenden Rennen, beim Heimspiel in Monza, wiederholt er das Kunststück - auch dieses Rennen ein Meisterwerk.

Belgien 1997

Der Ferrari ist besser als im Vorjahr, aber immer noch nicht so gut wie der Williams-Renault von Jacques Villeneuve. Das Qualifikationstraining ist nicht besonders gut gelaufen, Schumacher weiß, dass er auf trockener Piste eigentlich keine Chance hat. Doch wieder einmal schickt der Himmel Hilfe. Schumacher spült sich mit Hilfe eines Platzregens nach vorn und rettet seinen Vorsprung ins Ziel. Er kann mit diesem Sieg die WM gegen Villeneuve weiter offen halten.

Ungarn 1998

Schumacher und Technik-Chef Ross Brawn wissen, dass David Coulthard im McLaren-Mercedes unter normalen Umständen nicht zu schlagen ist, zumal es in Budapest keine Überholmöglichkeit gibt. Brawn teilt Schumacher mit, dass er im Mittelturn schon in jedem seiner 20 Umläufe eine Quali-Runde hinlegen müsse um zu gewinnen. Schumacher fährt 20 Bestzeiten in Folge und gewinnt.

San Marino 2000

Es ist das dritte Jahr des großen Duells mit Mika Häkkinen. In Imola steht der McLaren-Mercedes-Fahrer auf der Pole Position vor Schumacher. Die beiden Kontrahenten hetzen sich gnadenlos. Am Ende besiegt Schumacher den Finnen um 1,7 Sekunden. Das gleiche Kunststück wiederholt er in Suzuka. Dieses Mal steht Schumacher auf der Pole. Er schlägt Häkkinen um 1,8 Sekunden und ist zwei Wochen später in Malaysia zum ersten Mal mit Ferrari Weltmeister.

Malaysia 2001

Endlich hat Schumacher mal ein überlegenes Auto, aber ein Platzregen in Sepang bringt alles durcheinander. Schumacher kommt direkt hinter Teamkollege Rubens Barrichello an die Box, und muss warten, bis der Brasilianer abgefertigt ist. In dem hektischen Boxenchaos verliert der Deutsche 72 Sekunden. Dank seiner Regenkünste und ausgezeichneter Bridgestone-Intermediates gewinnt Schumacher dennoch.

Spanien 2004

Wieder beginnt alles mit einem technischen Problem. Schumachers Auspuff ist gerissen. Der gleiche Defekt war einige Jahre zuvor schon in Monaco aufgetreten, damals kochten die heißen Abgase die Hinterradaufhängung weich. Um eine solche Überhitzung in Barcelona zu vermeiden, muss Schumacher seinen Fahrstil völlig umkrempeln. Es gelingt ihm, und er gewinnt vor Teamkollege Barrichello und Jarno Trulli im Renault.

San Marino 2006

An gleicher Stelle hat Schumacher im Vorjahr eine empfindliche Niederlage eingesteckt, als ihn Fernando Alonso ausgerechnet auf der Ferrari-Heimstrecke bis ins Ziel blockierte. In diesem Jahr läuft es umgekehrt. Zwar sind der Ferrari und die Bridgestone-Reifen der Kombination Renault und Michelin unterlegen, aber das muss ja niemand wissen. Im Mittelturn bekommt Schumacher Probleme mit körnenden Reifen. Alonso kommt mit Riesenschritten nächer. In kürzester Zeit ist die Lücke geschlossen, und das Publikum erwartet eine schnelle Überrumpelungsaktion des spanischen Weltmeisters. Doch die kommt nicht. Schumacher fährt an den Stellen schnell, wo er überholt werden könnte, auf dem Rest der Strecke bummelt er absichtlich, um seine Reifen zu schonen. Die Strategie funktioniert, Alonso beißt sich bis zum Ende die Zähne am Ferrari aus. Es ist das erste Signal an Alonso, dass diese Saison kein Durchmarsch wird, und es ist Schumachers größte taktische Leistung in seiner Karriere.

Monaco 2006

Wegen der unsäglichen Parkaffäre im Qualifying wird Schumacher wegen Behinderung eines Gegners auf den letzten Startplatz verbannt. Es ist das Todesurteil auf einer Strecke, auf der es keine Überholmöglichkeiten gibt. Schumacher setzt dieses Gesetz außer Kraft. Schon nach einer Runde hat er sechs Plätze gut gemacht. Schumacher ist der schnellste Mann auf der Strecke und macht am Ende 17 Positonen gut. In einem aussichtslosen Rennen wird er Fünfter und betreibt gegen Sieger Alonso mit fünf WM-Zählern erfolgreich Schadensbegrenzung.

Shanghai 2006

Es wird Schumachers 91. und letzter Grand Prix-Sieg sein, den er einem Fernando Alonso entreißt, der zwar von der Pole Position startet, sich aber auf nasser Strecke bei der Reifenwahl verpokert und Nerven zeigt. Doch das Besondere an diesem Schumacher-Sieg ist nicht das Rennen, sondern die Qualifikation. Schon das Regenrennen in Ungarn zeigte, dass die frühere Bridgestone-Dominanz auf nasser Piste nur noch Geschichte ist. Im verregneten Abschlusstraining finden sich auf den ersten zehn Positionen neun Michelin-Fahrer. Der einzige Bridgestone-Fahrer unter den Top Ten ist Michael Schumacher, der Platz sechs belegt. Damit hält er seine Chancen für das Rennen offen. "Das war die größte Leistung dieses Jahres", sagt Technik-Chef Ross Brawn.

Brasilien 2006

Schumacher steht vor seinem letzten Grand Prix und hat schon durch den Motorschaden in Japan sein ewiges Glück aufgebraucht. Die WM ist mit zehn Punkten Rückstand vor dem Saisonfinale praktisch verloren, der kommende Frührentner will sich noch einen großen Abschied verschaffen und das gelingt ihm trotz Startplatz zehn, weil der Benzindruck seines Ferrari eine schnelle Quali-Runde vereitelte. Ein Reifenschaden nach acht Runden kostet den bereits Sechstplatzierten alle Siegchancen, doch reichen die verbleibenden 63 Runden allemal für eine Demonstration fahrerischer Klasse. Das Tempo, das Schumacher anschlägt, kann nach einem Renndrittel niemand mehr mitgehen. Zeitweilig fährt Schumacher trotz vollgetanktem Auto Qualifikationszeiten in Serie. Der Spitze nimmt er ziwschen eineinhalb und einer Sekunde pro Runde ab. Der zuvor fast überrundete Schumacher tobt wie ein zorniger Erzengel durchs Hinterfeld. Auch das Mittelfeld erstarrt in Erfurcht. Red Bull-Mann Robert Doornbos macht Platz wie ein Überrundeter, die BMW sind wehrlos. Barrichello im Honda lässt Schumacher nahezu kampflos passieren. Acht Runden vor Schluss ist Fisichella fällig. Schumacher ist Fünfter. Vier Runden vor Schluss kocht er seinen Ferrari-Nachfolger Räkkönen ab, obwohl der ihn auf seiner Kampflinie fast in die Boxenmauer drückt. Schumachers ehemaliger Teamchef und heutige Rivale Flavio Briatore sagt: "Wenn man sieht, was Michael da gemacht hat, das war unglaublich.“

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