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Schwarzmalerei in der Formel 1

Wie viel Politik steckt hinter der Kritik?

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Malaysia - Sepang - 29. März 2014 Foto: xpb 18 Bilder

Zuerst war es Bernie Ecclestone. Dann Red Bull. Jetzt Ferrari. Jeder hat auf seine Art die Formel 1 schlecht geredet. Doch um was geht es wirklich? Glauben die Kritiker selbst an ihre Kritik? Oder versuchen sie nur Politik in eigener Sache zu machen?

05.04.2014 Michael Schmidt

Eigentlich sollte es in Bahrain zum großen Krisengipfel zwischen Bernie Ecclestone, FIA-Präsident Jean Todt und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo kommen. Doch er wird nicht stattfinden. Ecclestone und Todt sind bereits vor Ort. Montezemolo kommt erst am Sonntag. Doch eigentlich ist alles schon besprochen. Montezemolo traf Bernie in London. Und Todt flog gemeinsam mit dem Formel 1-Chef in das Königreich im Arabischen Golf.

Jetzt müssen die Beteiligten die Scherben auflesen, die sie mit ihrer Kritik hinterlassen haben. Viele im Fahrerlager können sich zwar mit einigen Kritikpunkten identifizieren, doch muss man sie gleich in alle Welt hinausposaunen? So als wollte man den Fans sagen: Schaut euch bitte keinen Grand Prix mehr an.

Muss Renault Probleme bis Saisonende mitschleppen?

Das Formel 1-Bashing ist zum Teil nicht einmal ehrlich gemeint. Da steckt auch viel Politik dahinter. Bernie Ecclestone bringt mit seiner Lärm-Diskussion seinen Ärger darüber zum Ausdruck, dass sich sein Gegenspieler Jean Todt vor fünf Jahren mit seiner Energie-Sparformel durchgesetzt hat. "Ich wollte diese Motoren nie. Also macht mich auch nicht dafür verantwortlich", sagt Bernie.

Red Bull weiß, dass Renault ein Problem mit seinem Motor hat. Das Power-Defizit soll 40 PS betragen. Der Motor soll auch zu viel Benzin verbrauchen, weil man wegen Torsionsschwingungen im Antriebsstrang mit höheren Drehzahlen fahren muss als gewünscht. Daran hat auch die zweite Entwicklungsstufe des Renault V6 nicht viel geändert. Außer, dass die Motoren zuverlässiger geworden sind. Einen Teil der Schwachstellen muss man bis zum Saisonende mitschleppen. Weil die Motoren homologiert sind.

Warum macht Ferrari eine Fan-Umfrage gerade jetzt?

Ferrari hat ähnliche Sorgen. Auch dem italienischen Motor fehlt es im Vergleich zu Mercedes an Leistung. Außerdem ist der Spritverbrauch noch zu hoch. Während die Mercedes-Teams in Malaysia von der ersten bis zur letzten Runde ohne Rücksicht auf den Verbrauch fahren konnten, soll Ferrari am Limit gewesen sein. Das Rennen in Sepang zählt zu den leichteren Übungen in diesem Jahr.
 
Man muss sich fragen, warum Ferrari gerade jetzt eine Fan-Umfrage auf die eigene Website stellt und das niederschmetternde Ergebnis mit 83 Prozent Ablehnung auch noch offensiv bewirbt. Als Hauptgrund wurde das Herumschleichen und Benzinsparen angegeben. Danach wurde aber gar nicht gefragt.

Red Bull stellt die Reglementierung der Durchflussmenge in Frage, indem man beim GP Australien sogar eine Disqualifikation riskierte. Seitdem geht im Auto von Daniel Ricciardo regelmäßig der ominöse Durchflussmengen-Sensor kaputt.

Soll die Homologationsregel aufgeweicht werden?

Die Konkurrenz ist überzeugt, dass Red Bull und Ferrari mit ihrer Kritik ein Ziel verfolgen. Doch welches? Die limitierte Durchflussmenge aufzuheben würde weder Renault noch Ferrari helfen. "Dann brauchen alle zehn statt fünf Motoren, und alles würde noch teurer", warnt Niki Lauda. Selbst Fernando Alonso schüttelt den Kopf: "Gib allen mehr Benzin, und die starken Motoren werden noch stärker."
 
Möglicherweise haben die Gegner von Mercedes einen anderen Plan: das Aufweichen des Entwicklungsstopps für den Motor. Dann könnten Renault und Ferrari die notwendigen mechanischen Änderungen vornehmen, die ihnen die Regeln verbieten. Ein Red Bull-Mann erinnerte an eine Regel, dass die Homologation aufgehoben werden kann, wenn ein oder zwei Hersteller dramatisch zurückliegen. 2009 sei das mit Renault und Honda so praktiziert worden.
 
Dazu müssen aber alle Teams zustimmen. Damals war das der Fall. Die politische Großwetterlage stimmte die anderen Teams gnädig. Man hatte gerade die Teamvereinigung FOTA gegründet und wollte Einigkeit demonstrieren. Kaum anzunehmen, dass die vier Mercedes-Teams diesmal so großzügig sein werden, um Renault und Ferrari auf die Sprünge zu helfen.

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