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Schwerstarbeit für McLaren-Anwälte

Foto: Wolfgang Wilhelm 54 Bilder

Im elektrisierenden Saison-Endspurt wollen sich die Silberpfeil-Verantwortlichen auf den Sport konzentrieren und den Spionage-Skandal offenbar zu den Akten legen.

17.09.2007

Vieles deutet darauf hin, dass McLaren-Mercedes auf einen Einspruch gegen die Rekord-Strafe von Paris verzichten wird. "Wir müssen noch überlegen, was wir mit der Berufung machen. Aber wir sind eigentlich eher geneigt, die Sache ruhen zu lassen. Das wäre wohl das Beste für die Formel 1", sagte Teamchef Ron Dennis nach dem Großen Preis von Belgien.

Entscheidung bis Mittwoch

Die Anwälte wägen akribisch das Für und Wider einer weiteren Gerichtsrunde ab. Bis spätestens Mittwoch (19.9.) muss man sich entscheiden. Für diesen Tag ist die Berufungsverhandlung im "Fall Budapest" vor dem Internationalen Automobil-Verband FIA angesetzt. Weil Titelverteidiger Fernando Alonso damals im Qualifying seinen Teamkollegen Lewis Hamilton absichtlich an der Box aufgehalten hatte, strich der Motorsport-Weltrat dem britisch-schwäbischen Rennstall später alle Ungarn-Punkte für die Konstrukteurs-Wertung.

Der juristische K.o. in der Spionage-Affäre hat für eine neue Ausgangslage gesorgt: Da McLaren-Mercedes nun neben der satten 100 Millionen Dollar-Strafe aus der Team-WM ausgeschlossen wurde, würde eine Berufung gegen das Ungarn-Urteil nur dann Sinn machen, wenn das Team auch die weiterreichende Weltrats-Entscheidung vom vergangenen Donnerstag anfechten würde. Danach sieht es nach den jüngsten Äußerungen aber nicht aus.

Konstrukteurstitel geht an Ferrari

Der ungeliebte rote Rivale soll in dieser Saison nicht auch noch in der Fahrer-WM triumphieren. Mit dem ungefährdeten Doppelerfolg von Spa-Francorchamps durch Kimi Räikkönen und Felipe Massa brachte Ferrari den 15. Team-Titel vorzeitig unter Dach und Fach. Richtig gefeiert wurde bei den Italiener dennoch nicht: schließlich steht die Entscheidung des Konkurrenten noch aus. Ferrari-Teamchef Jean Todt bezeichnete das Urteil erneut als zu mild und riet McLaren-Mercedes, auf eine Berufung zu verzichten.

Zwar ist Räikkönen mit seinem vierten Saisonsieg dichter an die beiden Silberpfeil-Piloten, WM-Spitzenreiter Hamilton und Doppel-Champion Alonso, herangefahren, doch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda gibt dem Finnen im Titelrennen keine Chance mehr. "Ferrari kann die Fahrer-WM nicht mehr gewinnen. Der Punkteunterschied ist zu groß, und ausfallen wird unter normalen Verhältnissen keiner mehr", sagte der Österreicher.

Räikkönen der lachende Dritte?

Angesichts des immer stärker vergifteten Verhältnisses zwischen den beiden silbernen Streithähnen scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich Hamilton und Alonso bei den ausstehenden drei Grand Prix einmal gegenseitig "abschießen". Beinahe wäre es schon in Belgien so weit gewesen: Der Brite und der Spanier waren drauf und dran, sich unmittelbar nach dem Start von der Strecke zu drängen. Vom Team gebremst werden die Rivalen nicht: "Die sollen gegeneinander fahren und die Sache auf der Strecke ausmachen. Und wenn deshalb der Titel futsch ist, dann ist das halt Pech", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Wenn Du einmal nicht ins Ziel kommst, dann kannst Du bye-bye zum Titel sagen", weiß auch Alonso.

Wegen der harten Attacke griff Hamilton seinen Teamkollegen nach dem Rennen harsch an. Der junge WM-Spitzenreiter bezeichnete das Manöver des erfahrenen Teamkollegen als "unverfroren". Hamilton stellte fest: "Ich wollte außen vorbei, aber er hat mich herausgeschoben. Das war kein faires Manöver."

Sticheleien zwischen England und Italien

"Es ist Krieg", schrieb die englische Boulevardzeitung "Daily Mirror". Wie sehr die Gemüter im McLaren-Mercedes-Lager erhitzt sind, zeigt, dass Alonso nach übereinstimmenden britischen Medien-Berichten im Titel-Duell seinen Mechanikern einen Bargeld-Bonus in Höhe von 1.000 Euro für jedes Rennen, das er vor Hamilton beendet, versprochen haben soll. McLaren hat dies wohl unterbunden, aber ansonsten wenig Möglichkeiten, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. "Alonso ist an seiner Beute schon sehr nah dran", schrieb die spanische Zeitung "El País".

Auch wenn Ferrari selbst die Marken-WM nicht feierte, wurde in Italien über den "WM-Titel der Ehrlichen" gejubelt. "Ich widme diesen Titel auch dem englischen Gentleman in dem Copy-Shop, ohne den es nicht möglich gewesen wäre, Licht in eines der schlimmsten Kapitel in der Geschichte des Motorsports zu bringen", stichelte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Erst der Hinweis aus dem Kopierladen hatte die Spionage-Affäre ins Rollen gebracht.

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