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Sebastian Vettel im Interview

"Ich streue nicht mehr Salz in die Wunde"

Mark Webber Sebastian Vettel Foto: xpb 29 Bilder

Sebastian Vettel spricht im Interview mit auto-motor-und-sport.de über die Rivalität mit Teamkollege Mark Webber, seinen verpatzten Start und die Überholmanöver mit Michael Schumacher und Force India-Pilot Adrian Sutil.

11.07.2010 Michael Schmidt

Was ist beim Start passiert?
 
Sebastian Vettel: Ich hatte keinen guten Start. Wir dachten, es hat mehr Grip und wir hatten uns mit der Kupplung etwas vertan. Ich hatte ziemlich viel Wheelspin und den Platz verloren. Aus der ersten Kurve heraus merkte ich dann, dass etwas nicht stimmt. Als ich dann nach links eingelenkt habe für Kurve zwei, habe ich gemerkt, dass ich einen Plattfuß habe und hatte alle Hände voll zu tun das Auto auf der Strecke zu halten.

Brauchen Sie in Zukunft einen Protektor gegen Lewis Hamilton? Es war ja schon das zweite Mal, dass er Ihnen gegen das rechte Hinterrad fährt.
 
Vettel: Ich weiß nicht, ob Lewis dran war oder nicht.
 
Er sagt, er hat es nicht gespürt, aber eine Beschädigung links vorne am Auto gesehen.
 
Vettel: Dann ist das vielleicht die Ursache. Wir haben auch vermutet, dass vielleicht der Kerb die Reifen beschädigt hat. Aber das ist ziemlich unwahrscheinlich. Wenn man sich anschaut, wie viele Autos im Verlauf des Wochenendes neben die Strecke gefahren sind, ist das eigentlich unmöglich. Aber das müssen wir noch bestätigen. Ich habe nichts gespürt.
 
Ist es zwischen Mark Webber und Ihnen fair zu gegangen? Es war ja ein bisschen eng. Hat Mark Ihnen genügend Platz gelassen?
 
Vettel: Ich glaube, es war an mir genügend Platz zu lassen. Wie gesagt, ich habe gemerkt, dass ich nicht den besten Start hatte und ziemlich durchdrehende Räder. Man kann da nicht viel machen und warten, bis man merkt es geht wieder voran. Dann kann man wieder mit dem Gaspedal spielen. Ich habe natürlich schon die ersten paar Meter verloren. Ich wusste, dass Mark neben mir ist und habe ihm genug Platz gelassen.
 
Ist Ihnen aufgefallen, dass bei allen Rahmenrennen Ihre Spur die schlechtere war?
 
Vettel: Ja, wir haben gesehen, dass die innere Spur ziemlich gut wegkam. Es hat uns dann auch überrascht, dass der Grip auf der linken Seite - eigentlich die saubere Seite - so schlecht war. Ich denke, an der Strecke hat sich nichts verändert. Der Asphalt ist sehr rau hier und wenn viele Serien im Vorfeld gefahren sind und Gummi auf die schmutzige Seite gelegt haben, kann das von Vorteil sein. Denn auf der sauberen Seite wird der Gummi immer wieder weggetragen, weil sie soviel befahren wird. Aber ich denke der Hauptfaktor war, dass ich so einen schlechten Start hatte.
 
Was macht man wenn man nach einer Runde 80 Sekunden Rückstand hat?
 
Vettel: Weil ich den Plattfuß früh in der Runde hatte, habe ich sehr viel Zeit verloren – 80 Sekunden. Ich hatte auch einen Schaden am Auto, weil die Karkasse ziemlich rumschlug und den Boden kaputt gemacht hat. Ich hatte die Balance verloren. Mir war dann klar, dass wir auf dem Satz Reifen das Rennen zu Ende fahren. Ich habe natürlich auf ein Safety Car gehofft. Sonst wäre es schwer geworden, alle aufzuholen. Das Safety Car kam. Leider vielleicht ein bisschen spät, aber es kam. Und dann hatte ich die letzten 20 Runden noch ein bisschen Spaß.
 
Macht es dann noch Spaß wenn man jemanden schnappt?
 
Vettel: Ja, das ging wie das heiße Messer durch die Butter. Bis zu Sutil. Da habe ich mich dann etwas schwerer getan. Die Force India sind rund zehn km/h schneller als wir auf der Geraden. Von daher war es nicht einfach nah genug ran zu kommen. Wenn man da zwei Runden dahinter steckt, bauen die Reifen ab. Zum Ende habe ich es dann noch mal probiert. Es war ein bisschen eng, wir haben uns leider berührt. Aber wir konnten beide weiterfahren. Für mich hat es dann gereicht.
 
Es war ein Duell der Deutschen. Sie haben nacheinander Hülkenberg, Schumacher und Sutil überholt. Wie sind diese Überholmanöver einzuschätzen?
 
Vettel: Am schwierigsten war es an Adrian vorbeizukommen, weil er so schnell auf der Geraden war. Aber am meisten Spaß hat es gegen Michael gemacht. Ich bin dann innen rein gestochen für Kurve 13 und man merkt dann schon, gegen wen man fährt. Ähnlich war es mit Felipe. Da war es schneller vorbei. Kurve acht/neun, da passierte der Richtungswechsel ein bisschen schneller. Aber gerade mit Felipe und Michael war es sehr ehr eng. Ich habe ihm soviel Platz zum Überleben gelassen wie er braucht, und er mir. Das hat sich dann noch über ein paar Kurven hingezogen. Es ist schön, dass man in die Ecke stechen kann, die Lücke sieht und weiß, dass der andere das dann auch sieht. Und dass er sich entsprechend verhält und einen nicht vorbei winkt. Das will man natürlich auch nicht. Aber trotzdem genauso hart dagegen hält, wie man selbst versucht, vorbeizukommen.
 
Wieviel Risiko geht man in einer Situation wie am Ende noch? Und wie oft sagt man sich man nimmt lieber die Punkte mit, bevor man sich mit jemandem anlegt?
 
Vettel: Ich hatte die letzten zwölf oder zehn Runden hinter Adrian. Wie gesagt, es war schwer und es war nur eine Stelle an der ich vorbei kam mit ein bisschen Risiko. Letzen Endes habe ich es so gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Es war eng, wir hatten eine kleine Berührung. Man nimmt ein Risiko in Kauf, aber auf der anderen Seite hat man die Punkte für den achten Platz oder ein paar mehr für den Siebten. Wenn man abends ins Bett geht, kann man doch besser schlafen, wenn man weiß, dass man es probiert hat.
 
Wie sehen Sie den Abstand zur Spitze mit 21 Punkten?
 
Vettel: Das ist ja nicht die Welt. Es hört sich viel an, aber es ist nicht mal ein Rennen im Idealfall.
 
Das Rennen hatte ja gestern eine Vorgeschichte. Mark Webber hat in der Pressekonferenz ein bisschen angedeutet, dass er den Vertrag nicht unterschrieben hätte, wenn er gewusst hätte, dass er die Nummer zwei ist. Sind da im Moment viele Emotionen im Spiel?
 
Vettel: Für mich ist das Wichtigste, dass man immer sowohl auf der Rennstrecke als auch neben der Rennstrecke immer den nötigen Respekt voreinander hat. Manchmal lernt man Leute kennen, sowohl in guten als auch in schlechten Situationen und zieht seine Schlüsse daraus. Von daher will ich da nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen. Oder manchen Journalisten eine Steilvorlage geben, etwas neues aufzusetzen. Das wichtigste ist die Atmosphäre im Team. Wir haben ein sehr starkes Auto und können uns eigentlich nur selbst im Weg stehen.

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