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Sebastian Vettel im Siegerinterview

Wir feiern durch bis zum Tageslicht

Sebastian Vettel Foto: xpb 36 Bilder

Sebastian Vettel rang nach seinem ersten WM-Titel um Worte. Bis er seine Leistung realisierte, dauerte es eine Zeit. Dann aber sprudelte der Heppenheimer vor Begeisterung. Vettel kündigte eine ausgelassene Party an.

14.11.2010 Tobias Grüner

Wie lief das Rennen aus Fahrersicht?
Vettel: Der Start war schon wichtig. Den habe ich knapp gewonnen. Im Rennen kam Lewis (Hamilton) zwischendurch wieder etwas nahe, aber der Abstand pendelte sich dann ein. Dann wurde er zum Glück von Kubica aufgehalten. Ich wusste bis zur Zielflagge nicht was los war. Ich habe nur gemerkt, dass mein Renningenieur am Funk etwas nervös war. So viel hat der in der gesamten Saison noch nicht geredet. Nach der Zieldurchfahrt sagte er: Es sieht gut aus, aber wir müssen noch warten, bis alle durch sind. Und dann hat er geschrien: Du bist Weltmeister.

Sie hatten keine Ahnung, dass Sie Weltmeister sind?
Vettel: Nein. Ich habe schon gemerkt, dass was im Busch ist. Ich wollte schon auf die Videotafeln schauen, habe es mir aber verkniffen. Das war wirklich ein fantastisches Rennen. Es hat bei Tageslicht begonnen und die Party wird wohl auch erst enden, wenn wir wieder Tageslicht sehen.

Was sagen Sie zu Vitaly Petrov, der Alonso die ganze Zeit aufgehalten hat?
Vettel: Die meiste Zeit habe ich auf mich selbst geschaut. Ich habe während des Rennens auf den Bildschirmen gesehen, dass Robert (Kubica) Zweiter ist. Dahinter wusste ich nicht genau was los war. Aber wenn Vitaly mir geholfen hat, dann bedanke ich mich natürlich. Ich wünsche ihm, dass er auch nächstes Jahr dabei ist.

Man hatte das Gefühl, dass sie während der Saison die Einstellung geändert haben und relaxter wurden. Was war der Grund dafür?
Vettel: Ich bin mit dem Ziel in die Saison gegangen, die WM zu gewinnen. Ich habe zwischendurch zwar nicht den Fokus verloren, aber ich wurde vielleicht etwas angespannt. In Spa hatte ich den Unfall mit Jenson (Button) und habe dafür viel Kritik in der Presse eingesteckt. Das war nicht einfach. Da habe ich gemerkt, wer meine Freunde sind. In diese Leute habe ich seitdem meine Energie gesetzt.

Auf Ihrer Balaclava stand das Wort "Monza". Was hatte das zu bedeuten?
Vettel: Das war mein Ingenieur, der das da draufgeschrieben hat. Er hat mich mal gefragt, was mich glücklich macht. Ich habe ihm geantwortet: Monza. Meinen ersten Sieg damals habe ich nie vergessen. Ich war etwas überrascht, als ich das heute gesehen habe. Das hat mir ein gutes Gefühl vor dem Start gegeben.

Sie haben nun Lewis Hamilton als jüngsten Weltmeister aller Zeiten abgelöst. Bedeutet Ihnen das was?
Vettel: Ich habe gedacht, dass sein Rekord vielleicht nie gebrochen wird. Er hat den Titel ja schon im Jahr vorher nur um einen Punkt verpasst. Das ist jetzt aber nicht das Wichtigste für mich. Vielleicht bin ich den Rekord ja auch nach zwei Saisons wieder los.

Gab es jemals Zweifel?
Vettel: Ich habe immer an mein Team geglaubt. Viele Leute haben mir Kraft gegeben und an mich geglaubt. Wenn Dinge wie in Korea passieren, wo der Motor geplatzt ist, das ist natürlich enttäuschend. Danach war es nicht unmöglich, aber der Druck wurde etwas weggenommen. Wir mussten cool bleiben und haben etwas Glück gebraucht. Das hat am Ende geholfen.

Red Bull verdankt den Titel auch der Tatsache, dass sie in Brasilien auf die Stallregie verzichtet haben.
Vettel: Ich denke, wir haben alles richtig gemacht. Das ist aber nachher immer leicht zu sagen. Manchmal weiß man nicht genau, was man machen soll. Man hat es einfach nicht in der Hand. Wenn es aufgeht, ist das natürlich fantastisch. Manche Leute würden es Schicksal nennen.
 

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