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Sebastian Vettel

Konkurrenz im eigenen Stall

Mark Webber - GP Monaco 2012 Foto: xpb 66 Bilder

Bei Red Bull gibt es wieder ein Duell. Im letzten Jahr hat Sebastian Vettel seinen Teamkollegen in Grund und Boden gefahren. Doch Mark Webber ist zurückgekehrt. Der Australier wird nun wieder ein Gegner wie Alonso, Hamilton oder Button. Das hat auch technische Gründe.

01.06.2012 Michael Schmidt

Mark Webber ist wieder da. Im Training führt er das Duell mit Sebastian Vettel mit 4:2 an. Im Rennen steht es unentschieden. Beide haben je 73 Punkte und einen Sieg auf ihrem Konto. Das war im letzten Jahr anders. Vettel gewann das Trainingsduell 16:3 und nach Punkten 392:258. Der Deutsche hamsterte elf Siegerpokale, Webber nur einen. Im vierten Jahr der Kombination Vettel-Webber bei Red Bull kommt vom anderen Ende der Welt wieder mehr Gegenwehr.

Webber hat den Kopf wieder frei

Das hat psychologische und technische Gründe. 2011 startete Sebastian Vettel perfekt in die Weltmeisterschaft. Er gewann sechs der ersten acht Rennen und wurde zwei Mal Zweiter. Webber wurde deklassiert. Frust machte sich breit. "Ich hin nie richtig in diese 2011er Saison hineingekommen. Das schlägt sich auf den Kopf nieder. Und ich hatte Mühe mit den Reifen. Seb hat sie viel früher verstanden als ich." Webber konnte erst beim GP Europa mitten in der Saison davon träumen, ähnliche Strategien zu fahren wie sein deutscher Kollege. Davor hatte er meistens schon früh seine Reifen ruiniert.

In diesem Jahr wollte sich der 35-jährige Australier nicht auf dem kalten Fuß erwischen lassen. Gleich im ersten Rennen stand er vor Vettel in der Startaufstellung. Für den vierten Platz im Rennen gab es eine Erklärung. Wieder mal ein schlechter Start. Von Platz 5 auf 9. "Ich muss daran arbeiten", meinte Webber kämpferisch. Gleiches Spiel in China (6 auf 9) und Spanien (11 auf 12). Immerhin: In Malaysia und Bahrain verteidigte er seine Position. Der beste Start gelang Webber in Monte Carlo. Er bog als Erster in die Ste.Dévote-Kurve ein. "Weil Vettel nicht in der Nähe war. Mark konnte sich auf sich selbst konzentrieren", merkte Teamberater Helmut Marko bissig an.

Webber in Monaco mit besserer Taktik

Der zweifache Monaco-Sieger fuhr ein Rennen mit Köpfchen. Das ist ein Indiz dafür, dass ihm das Auto und die Reifen nun nicht mehr Grenzen setzen wie im Vorjahr. Dass er beim Setup auf das richtige Pferd setzte, betrachtet Webber als Schicksal. "Seb hat sich vor der Qualifikation für ein paar Änderungen an der Abstimmung entschieden, und er war im Rückblick nicht besonders glücklich damit. Ist mir auch schon passiert. In Monte Carlo bezahlst du doppelt dafür. Du brauchst absolutes Vertrauen in dein Auto. Sonst bist du nicht schnell."

Webber wusste, dass Vettel auf einer anderen Taktik unterwegs war und einen viel längeren ersten Turn habe würde als er. Damit war der Deutsche ein viel gefährlicherer Gegner als das Rudel in seinem Rückspiegel. Trotzdem ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen. Es war schnell klar, dass Webber die Supersoft-Reifen so lange wie möglich in Schuss halten musste, andererseits nicht bummeln durfte, weil er eine Lücke brauchte, um vor Paul di Resta wieder auf die Strecke zu kommen, der mit der Vettel-Strategie unterwegs war. Webber schaffte den Balanceakt zwischen nicht zu schnell und nicht zu langsam perfekt und bekam Unterstützung von Kimi Räikkönen, der ab Runde 17 abreißen lassen musste und eine riesige Lücke hinter dem Spitzenpulk aufriss.

Als die Supersoft-Fahrer ihre Reifen gewechselt hatten, ging es nur noch darum, Vettel nicht zu weit entkommen zu lassen. "Es gab da die magische 21-Sekunden-Lücke. Die hätte Seb gebraucht, um vorne zu bleiben", rechnet Webber vor. Sie wurde nie größer als 17,5 Sekunden. Dann rutschte Vettel ins Minus, weil seine Reifen über den Berg waren. Das neue Selbstvertrauen bei Red Bulls treuestem Fahrer ist spürbar. "In den letzten drei Jahren stand immer ein Red Bull auf der Pole Position in Monaco. Das diesjährige Auto ist wahrscheinlich das schwächste von den drei. Trotzdem hat es zum Gewinnen gereicht."

Neues Auto kommt Webber entgegen

Webbers Auferstehung hat auch technische Gründe. Der Auspuff und die Reifen kommen eher seinem Fahrstil entgegen. Die neuen Hinterreifen geben dem Heck etwas mehr Stabilität. Das braucht der Australier beim Einlenken. Vettel kann mit einem nervösen Heck leben, solange er das Übersteuern mit dem Gaspedal steuern kann. Im letzten Jahr war das der Fall, weil der Auspuff verlässlich extra Abtrieb im Heck generiert hat. In diesem Jahr kommt das Übersteuern oft aus heiterem Himmel und dann nicht immer konstant. "Es ist schwieriger, sich beim Fahren darauf einzustellen." Vettel kann seine Stärke vom Einlenken bis zum Scheitelpunkt nicht mehr so ausspielen wie 2011. Damit wird der Kurvenausgang zum entscheidenden Punkt. Das war schon immer Webbers Domäne.

Für Webber ist das Verbot des angeblasenen Diffusors ein Segen. Der WM-Dritte des Vorjahres war nicht wie Vettel in der Lage, den extra Anpressdruck aus dem Auspuff beim Einlenken in die Kurve zu nutzen. "Am Kurveneingang verschob sich die Balance, je nachdem wie du runtergeschaltet hast. Es war unglaublich schwierig das Auto von der Schaltstrategie und Auspuffabstimmung so hin zu trimmen, dass es für mich gepasst hat." Außerdem ist ein Handikap der Vorsaison verschwunden. Der Red Bull RB8 liegt mehr unter dem Gewichtslimit als sein Vorgänger. Damit hat Webber genug Ballast als Spielmasse. "Das hilft mir bei der Abstimmung, den jeweils schwächeren Reifen zu entlasten."

Mark Webber ist in diesem Jahr wieder ein WM-Kandidat. Er sieht sich selbst in einer guten Position. Mit vier vierten und einem ersten Platz läuft alles nach Plan. "In China war Rosberg unantastbar, in Barcelona Maldonado. In dieser verrückten Saison muss ich so regelmäßig wie möglich punkten, und wenn die Chance auf einen Sieg gekommen ist, mit beiden Händen zugreifen." Wie in Monte Carlo.

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