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Sebastian Vettel im Interview

"Mit Gewalt geht gar nix“

Sebastian Vettel - GP England - Training - Silverstone - 8. Juli 2011 Foto: xpb 54 Bilder

Vor dem GP Deutschland spricht Sebastian Vettel über sein Heimrennen am Nürburgring, den nächsten Teamkollegen bei Red Bull und den möglichen WM-Titel.

20.07.2011
Bedeutet ein verpasster Sieg - wie zuletzt beim Großen Preis von Großbritannien - für Sie eine persönliche Niederlage?

Vettel: Nein. Natürlich hätte ich lieber gewonnen. Aber unser Pech beim Boxenstopp kann passieren. Einen Vorwurf kann man deswegen keinem machen. So was gehört zum Rennsport. Wir konnten das Rennen sogar beenden, andere wie McLaren nicht.

Ist Silverstone-Sieger Fernando Alonso derjenige, den Sie am meisten fürchten müssen - Ihr Teamkollege Mark Webber würde im Zweifelsfall ja eingebremst...

Vettel: Nein, ich habe meinen Platz gegen Mark verteidigen müssen und das war auch gut so. Was Ferrari betrifft: Wie gesagt, Mark und die Jungs von Mercedes und McLaren dürfen wir immer noch nicht unterschätzen.

Auch wenn Sie selbst von Saisonbeginn an warnen: Wie können Sie überhaupt die Erwartungen Ihrer Fans bremsen?

Vettel: Die Gefahr, zu früh in Euphorie auszubrechen, gilt es für uns zu kontrollieren. An unserer Herangehensweise darf sich nichts ändern. Wir müssen weiterhin versuchen, das Beste aus uns herauszuholen, und das Rennen für Rennen.

Macht Ihnen Ihre Überlegenheit manchmal selbst ein bisschen Angst?

Vettel: Ich überschätze weder Erfolge noch lasse ich mich bei Misserfolgen herunterziehen. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf uns selbst, wollen immer das Maximum geben und hoffen dann, dass es reicht. Nur so geht es!

Ihre Verfolger wirkten manchmal schon zermürbt, verzweifelt und teilweise schon am Ende mit den Nerven - was macht Sie denn eigentlich so nervenstark und vor allem so konstant?

Vettel: Verzweiflung, Nervenschwäche - davon habe ich aber noch nichts gesehen. Ich kümmere mich auch nicht so sehr um die anderen, sondern darum, wie wir die optimale Leistung bringen.

Genießen Sie denn auch zwischendurch mal Ihre Überlegenheit?

Vettel: Nein, ich genieße den Erfolg erst dann, wenn ich ihn habe. Das heißt: Fragen Sie sich mich noch mal nach dem letzten Rennen in Brasilien. Da zählt es, die Meisterschaft anzuführen.

Der letzte Sieg eines deutschen Piloten (Michael Schumacher) auf dem Nürburgring liegt schon fünf Jahre zurück. Ist das einer der Grand Prix' oder vielleicht sogar der Grand Prix, den man mit aller Gewalt gewinnen will?

Vettel: Mit Gewalt geht gar nix. Und man kann ja auch mal mit den Füßen am Boden bleiben: Denn zunächst muss man mal sehen, dass nicht viele Fahrer das Glück haben, einen GP im eigenen Land zu fahren. Klar wäre es ein Highlight, den Heim-GP zu gewinnen.

Wie sehr interessiert Sie, wer nächstes Jahr Ihr Teamkollege bei Red Bull wird, und reden Sie mit potenziellen Kandidaten auch mal darüber?

Vettel: Am Ende interessiert es mich nicht, wer mein Teamkollege ist, solange er oder sie ehrlich sind und man sich gegenseitig respektiert. Ich denke, dass sind die zwei wichtigsten Merkmale. Viele Leute haben das Verhältnis zwischen Mark und mir im letzen Jahr missverstanden. Auch wenn wir nicht die besten Freunde sind, respektieren wir uns gegenseitig.

Inwiefern teilen Sie die Meinung Ihrer Chefs, dass ein harmonisches Team besser sein kann als beispielsweise eines mit zwei Weltmeistern?

Vettel: Geredet wird immer viel, mit Sicherheit ist Harmonie im Team sehr wichtig. Es braucht aber auch immer zwei Fahrer, die sich gegenseitig genug pushen, so dass man ständig das Limit neu ausloten muss.

Sie sind seit fast einem Dreivierteljahr das Maß der Dinge in der Königsklasse des Motorsports: Was denken Sie, wenn Sie ihre rasante Entwicklung und Ihren Reifeprozess der vergangenen Monate betrachten?

Vettel: Ich lebe nicht in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft, sondern im Jetzt, und versuche mich auf die Dinge zu konzentrieren, die unmittelbar vor mir liegen. Ich sehe mich als ganz normalen Mensch, wie jeder andere auch, genieße mein Leben und die Formel 1.

Was ist Ihre Devise: Den Sack mit allen Mitteln so schnell wie möglich zumachen und im Optimalfall schon in Singapur zum zweiten Mal Weltmeister werden oder Eichhörnchentaktik, sprich Nummer sicher und mit weniger Risiko zum nächsten Titel?

Vettel: Also über den Titel und damit verbundene Strategien denken wir nicht nach, wir haben nicht mal Halbzeit. Noch mal: In Brasilien müssen wir vorne stehen, alles was davor ist, zählt nicht.

Bernie Ecclestone traut Ihnen mit Red Bull eine ähnliche Ära wie einst Michael Schumacher bei Ferrari zu. Liegt er richtig oder wollen Sie gar nicht so lange bei einem bzw. diesem Team bleiben?

Vettel: Also erstmal spreche ich nicht gerne über mich selbst, sondern lasse das lieber andere machen. Natürlich ist es eine Ehre, sowas zu hören, aber ich möchte mich nicht mit Michael vergleichen. Er hat sieben Titel gewonnen, das muss man erstmal schaffen, aber natürlich will ich auch die Trophäe vom letzten Jahr so lange wie möglich bei mir behalten.

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