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Red Bull-Dominanz

Was kann Sebastian Vettel stoppen?

Sebastian Vettel Foto: Wolfgang Wilhelm 46 Bilder

Sebastian Vettel gewann den Saisonauftakt in Melbourne so überlegen, dass der neuen Formel 1-Saison ein Durchmarsch droht. Die Konkurrenz fragt sich bereits: Gibt es etwas, das den Weltmeister in seinem übermächtigen Red Bull stoppen kann?

07.04.2011 Michael Schmidt

Der Vorsprung im Training betrug knappe acht Zehntel. Der im Rennen 22,297 Sekunden. Dabei fuhr Sebastian Vettel mit Ausnahme des Startturns nur noch im Schongang. Spät am Abend seines Sieges beim Auftaktrennen bestätigte Vettel: "Ich bin nur so schnell gefahren wie ich musste." Als sich am McLaren von Lewis Hamilton der Unterboden löste, wurde der GP Australien für Vettel ein gemütlicher Sonntagsausflug. Trotzdem war weit und breit kein Gegner zu sehen.

Ist Red Bull zu schlagen?

Historiker erinnern sich an die Saison 2004. Da startete Michael Schumacher ähnlich fulminant in die Saison. Und gewann am Ende 13 der 18 Grand Prix. Ferrari-Kollege Rubens Barrichello fügte der roten Erfolgsstory zwei weitere Siege hinzu. Etwas Ähnliches könnte der Formel 1 in diesem Jahr blühen. Denn was Vettel mit seiner Super-Bestzeit im Training gezeigt hatte, war noch nicht das Ende der Fahnenstange. Sein Red Bull kann mehr. Vettel und Kollege Mark Webber fuhren ohne KERS an Bord. Das sind noch einmal vier Zehntel, die der Weltmeister und sein Stallrivale in der Tasche haben.

Schon fragt sich die Formel 1-Welt, ob die Kombination Vettel/Red Bull überhaupt zu schlagen ist. Hat das Wunderauto denn gar keine Schwäche, über die seine Piloten stolpern könnten? Die Antwort ist ernüchternd. Es gibt ein paar wunde Punkte im Paket, doch die kann das Auto mit seinem Grundspeed locker überspielen.

KERS noch ein Problem

Das offensichtlichste Problem des Red Bull in Australien betraf den Hybridantrieb. Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (9/2011) meldet, musste Red Bull bereits vor der Qualifikation am Samstag die Batterien ausbauen und sie durch Ballast ersetzen. Die restlichen KERS-Bausteine Generator und Leistungselektronik blieben an Bord. Der Generator wurde lediglich vom Motor abgekoppelt.

Grund für den Ausbau waren Probleme mit dem Kühlsystem. Die Batterien wurden zu heiß und stellten so ein Sicherheitsrisiko dar. Adrian Newey muss das Kühlsystem für den Hybridantrieb modifizieren, was bei dem am Limit gebauten RB7 gar nicht so einfach ist. Die Ingenieure hoffen, das Problem bis zum GP Malaysia im Griff zu haben.

Auf die vier Zehntel, die der Extra-Schub aus dem Elektrospeicher bringt, könnten Vettel und Webber zwar verzichten, doch beim Start stellt der Verzicht auf KERS ein Risiko dar. Erstens, weil nun die Gegner gewarnt sind und sich besser auf ihre Starts konzentrieren können. Zweitens, weil der Anlauf zur ersten Kurve in Sepang länger ist als in Melbourne.

Wer ohne KERS-Bewaffnung einmal hinter einem Auto mit KERS liegt, tut sich mit dem Überholen schwer. Auch wenn er pro Runde um eine Sekunde schneller fahren kann. Nach den Erfahrungen von Melbourne liefert der flach gestellte Heckflügel nicht genügend Topspeed, um an einem Auto vorbeizuziehen, das kurzfristig 82 PS mehr mobilisieren kann.

Wird die Tankgröße zum Problem?

Die zweite Sorge der Red Bull-Piloten betrifft die Tankgröße. Webber ging kurz nach der Zieldurchfahrt der Sprit aus. Auch Vettel musste mit Blick auf die Tankuhr fahren. Wer der Aerodynamik zuliebe ein so schlankes Heck haben will, muss Opfer bringen. Newey ist bei der Auslegung der Tankgröße wieder einmal an die Grenze gegangen.

Das wurde aufmerksamen Beobachtern schon in der Startaufstellung zum GP Australien klar. Während fast alle Fahrer sich mehrere Proberunden genehmigten, bis sie ihre Autos auf dem Startplatz anstellten, beließen es Vettel und Webber bei einer einzigen Runde. Normalerweise ein klares Indiz dafür, dass es knapp mit dem Benzinverbrauch wird. Melbourne zählt in diesem Punkt zu den kritischen Strecken. Sepang auch.

Probleme mit vollen Tanks

Die einzige Schwäche, die sich Vettel in Melbourne erlaubte, war der Turn bis zum ersten Boxenstopp. Sein Vorsprung von 3,3 Sekunden schrumpfte bis zum ersten Reifenwechsel auf 1,5 Sekunden. Lewis Hamilton konnte aufholen, weil Vettels Red Bull zu stark die Hinterreifen belastete. Deshalb ließ der Weltmeister beim Boxenstopp den Frontflügel flacher stellen. So wird das Heck besser angeströmt.

Schon bei den Testfahrten war zu sehen, dass der Startturn der heikle Punkt der Red Bull ist. Mit vollem Tank lässt sich das Wunderauto am schwierigsten ausbalancieren. Je mehr Sprit jedoch verbrannt wird, umso mehr legt der Red Bull zu. Nach der Serie der ersten Boxenstopps dürfen die Gegner nur noch auf ein Wunder oder äußere Einflüsse hoffen. Dann braucht es ein Wetterchaos, einen Defekt oder einen Fahrfehler, um Vettel und seinen Red Bull zu stoppen.

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