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Sebastian Vettel zieht Bilanz

Darum hat Vettel den Titel verloren

Sebastian Vettel Foto: Red Bull 19 Bilder

Sebastian Vettel zieht Bilanz. Der Vize-Weltmeister analysiert die 13 Grand Prix, bei denen er nicht gewonnen hat. Am Ende kommt der 22-jährige Red Bull-Pilot zu dem Fazit, dass Champion Jenson Button seine Chancen einfach besser genutzt hat.

08.12.2009 Michael Schmidt

Sebastian Vettel hat mit seinem zweiten Platz in der Formel 1-WM Frieden geschlossen. Schon vor der Saison herrschte Optimismus im Bullenteam: "Wir hatten bei den Testfahrten von Beginn an ein gutes Gefühl, konnten es aber noch nicht richtig einordnen. Red Bull ist nicht Ferrari, die schon jahrelang an der Spitze mitfahren und aus Erfahrung sagen können, wie gut man dasteht und wie es danach weitergeht. Und Brawn GP war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht einzuschätzen, weil sie erst spät mit dem Testen angefangen haben."

Fünf Ausfälle in 17 Rennen

Immerhin, man hatte etwas zum Träumen: "Uns war klar, dass wir da irgendwo vorne dabei sein würden, aber vor dem ersten Rennen weiß man es nie genau." Im Saisonverlauf kristallisierte sich Red Bull schnell als einziger Gegner von Brawn GP heraus. "In den ersten sieben Rennen war Brawn GP unschlagbar. Man muss ihnen zugute halten, dass sie das optimal ausgenutzt haben. Ab Silverstone haben sie uns die Tür aufgehalten, quasi nach dem Motto: 'Bitte, zieht an uns vorbei.' Aber wenn du in 17 Rennen fünf Mal nicht ankommst, stehen die Chancen halt schlecht. Es gab keine groben Fehler, aber wenn da mal zwei und dort mal drei Punkte fehlen, dann kannst du eben nicht gewinnen."
 
Ein bisschen Rechnen, was möglich gewesen wäre, darf trotzdem erlaubt sein. Zusammen mit auto motor und sport geht der Vize-Weltmeister die Rennen noch einmal durch, bei denen es nicht zum Sieg reichte:
 
Melbourne: "Ein Rennunfall. Ich bin nicht dazu da, Platz zu machen, wenn ein Auto im Rückspiegel auftaucht. Hätte ich gewusst, was die Saison bringt, hätte ich vielleicht zurückgesteckt und die sechs Punkte für den dritten Platz gesichert. Das hätte mir auch gleich die Strafe für Malaysia erspart."
 
Sepang: "Pech, dass nach meinem Dreher der Motor abstarb. Das Anti-Stallsystem hat nicht funktioniert."
 
Bahrain:
"Hätten wir gewinnen können, wenn mein Start besser gewesen wäre. Da haben wir zwei Punkte verschenkt."
 
Barcelona:
"Wieder kein optimaler Start. Wir hatten in der ersten Saisonhälfte Probleme mit der Kupplungskontrolle. Man hat für den Start zwei Kupplungshebel. Den ersten lässt man beim Anfahren sofort los. Mit der zweiten spielt man herum und kontrolliert damit, um wie viel die Kupplung durchrutscht. Da stimmte bei uns die Voreinstellung, die abhängig vom Grip der Straße und vom Drehzahlabfall beim Einkuppeln ist, in den ersten Rennen nicht.
 
Unsere Starts waren einfach zu unkonstant. Es haben nur zwei von fünf geklappt. Wenn alles richtig justiert ist und man das alles mal drin hat, sind bei der heutigen Technik neun von zehn Starts gut. Und der eine vermurkste ist nicht katastrophal schlecht. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir hätten unsere Taktik ändern sollen, auch wenn es im Moment nachvollziehbar war, was wir gemacht haben. Dummerweise kam Massa immer zur gleichen Zeit an die Box wie ich. Wäre ich früher vorbeigekommen, hätte ich sogar gewinnen können."
 
Monte Carlo:
"Wir waren mit Strategie zu aggressiv. Der erste Turn war zu kurz. Wir hatten damals auch noch Probleme, mit den weichen Reifen über eine längere Distanz hauszuhalten. Die Reifen haben sich mehr aufgelöst als bei den Brawn GP. Bei einem konservativen Rennen hätte ich Fünfter oder Sechster werden können. Mein Teamkollege hat gezeigt, was möglich war."
 
Istanbul: "Die Taktik war eigentlich gut, aber wir hätten sie ändern müssen, nachdem mich Button schon in der ersten Runde überholt hat. So wäre ich wenigstens vor Mark Webber ins Ziel gekommen."
 
Nürburgring:
"Das war der letzte schlechte Start der Saison. Mehr als Platz zwei war nicht möglich. Mark ist an dem Tag super gefahren."
 
Budapest: "Der Start war eigentlich gut, doch da haben mich auf dem Weg zur ersten Kurve zwei KERS-Autos aufgeschnupft. Das KERS hat alles durcheinandergewürfelt. Im Normalfall hätte ich nur einen Platz an Mark verloren. Räikkönen hat 40 Meter auf mich gutgemacht, das muss man sich mal vorstellen. Das hat es noch nie gegeben. Wenn du dann mit fünf Autos zusammen in die erste Kurve einbiegst, wird es halt eng. Im Endeffekt war es vielleicht Glück, dass ich mit Kimi zwischen der ersten und zweiten Kurve kollidiert bin. Das hat zwar später meinen Ausfall besiegelt, aber so haben wir entdeckt, dass die Aufhängung schon vorher einen Knacks hatte, der mich vielleicht auch schon am Nürburgring gebremst hat. Auf der anderen Seite hat mich das konservativ gerechnet einen dritten bis fünften Platz gekostet."
 
Valencia: "Das Rennen war eigentlich schon nach dem verpatzten Boxenstopp vorbei. Der Motorschaden spielte dann auch keine Rolle mehr. Platz fünf wäre drin gewesen, mehr nicht. Für die Motorplatzer im Training und Rennen musste ich in den nächsten zwei Rennen büßen. Dass ich im freien Training von Spa und Monza nur wenige Runden drehen durfte, war bestimmt nicht optimal. Da musst du kein Superhirn sein um zu begreifen, dass dir diese Zeit fehlt, wenn man nicht testen darf. Wie sagt man doch: Übung macht den Meister."
 
Spa: "Da waren wir von der Strategie her zu konservativ. Ich bin im Training mit zuviel Sprit gefahren und habe mir auch noch in der Qualifikationsrunde einen Fehler geleistet. Vom Speed her wäre ein Sieg möglich gewesen."
 
Monza: "Das war wirklich das einzige Rennen im Jahr, wo wir nicht konkurrenzfähig waren. Woran es lag? Eine Vielzahl von Gründen: Zunächst mal die Tatsache, dass ich am Freitag wegen der Motorenknappheit zu wenig gefahren bin. Es gab einige Autos, die auf den schnellen Strecken besser waren als erwartet, zum Beispiel der Force India und die KERS-Autos, die wie die Feuerwehr gingen. Uns fehlte Top-Speed. Deshalb sind wir im Rennen mit zu wenig Abtrieb gefahren. Das war rückblickend ein Fehler. Wir haben in den Kurven Lesmo, Ascari und Parabolica dafür bezahlt."
 
Singapur: "Erstens waren wir bei der Strategie wieder eine Spur zu aggressiv. Dann kam da noch die Strafe wegen Tempoübertretung in der Boxengasse, die unserer Meinung nach auf einem Messfehler beruhte. Dadurch habe ich mindestens drei Punkte verloren."
 
Interlagos: "Mein Ausscheiden in der ersten K.O.-Runde der Qualifikation hatte nichts mit zu großem Druck zu tun. Ich habe nicht an den WM-Titel gedacht, als ich merkte: Das geht hier in die Hose. Wir waren auch nicht verkrampft, sondern haben uns einfach darauf konzentriert, das Beste aus der Sache zu machen. Wäre ich wie Mark in der Startaufstellung weiter vorne gestanden, hätte ich gewinnen können. Mark hat mit seinem Sieg ja demonstriert, wie gut unser Auto auf dieser Strecke ging."
 
Fazit: "Wenn man alles zusammenzählt, dann sind im Verlauf der Saison bestimmt elf Punkte da und dort liegengeblieben. Es gibt jetzt nichts Spezielles, was schief gelaufen ist. Es sind einfach Sachen die passieren, wenn man zum ersten Mal an der Spitze mitkämpft. Brawn GP und Button haben ihre Chancen einfach besser genutzt als wir. Button ist nur einmal wegen eines Unfalls nicht in die Punkte gekommen, er hatte keinen einzigen Defekt. Das muss man anerkennen. Das ist eine gute Leistung. Wir hätten die Schwächeperiode der Brawn GP besser nutzen müssen. Leider waren wir in der zweiten Saisonhälfte zu wenig konstant. Und Jenson hat es geschafft, immer die zwei, drei oder vier Punkte zu machen, die er brauchte. Die größte Kunst ist es, das Bestmögliche aus der jeweiligen Situation herauszuholen und sich auch manchmal damit abzufinden, dass ein Sieg nicht möglich ist. Das müssen wir noch lernen."

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