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Sechs Gründe, warum Montoya bleiben muss

Foto: dpa 103 Bilder

Natürlich fährt er seinen Teamkollegen zu oft in die Kiste. Natürlich ist seine Klappe größer als seine Leistung, und vermutlich wird Juan Pablo Montoya niemals Weltmeister. Na Und? Wir haben gute Gründe gesammelt, warum der Formel 1-Zirkus auf fast jeden verzichten kann, aber nicht auf Montoya.

12.07.2006 Markus Stier

1. Das Überholtier

So eine Zweikampfstärke hat der GP-Zirkus noch nicht erlebt. Fahrer, die keinen vorbeilassen, Maurer, Blocker, Cattenagio-Drifter gab es immer schon, aber keinen, der fast immer einen Weg findet, vorbeizukommen. Schon bei seinem dritten Formel 1-Rennen 2001 ließ er den übermächtigen Schuminator hinter sich. Das Gesetz, dass man für ein gelungenes Überholmanöver die bessere Innenlinie benötigt, setzte der Mann aus Bogota außer Kraft. 2004 überrumpelte Montoya Michael Schumacher in der Busstop-Schikane in Spa auf der Außenbahn. Allein in seinen ersten zwei Formel 1-Jahren lieferte sich Montoya zehn beinharte Zweikämpfe mit Schumacher. Das Duell ging übrigens untentschieden 5:5 aus.

2. Der Kämpfer

Die untersetzte Gestalt, die an einen Bullterrier erinnert, ist kein Zufall. Montoya ist ein Kämpfer, einer der niemals locker lässt. Egal, ob das Auto nicht so richtig will oder schon zwei Räder auf dem Gras sind, alles kein Grund, nicht voll auf dem Gas zu bleiben und die Position zu halten. Montoya hat eine außergewöhnliche Fahrzeugbeherrschung. Als Michael Schumacher im Frühjahr in Australien auf die Wiese rodelte, klatschte der Ferrari in die Mauer. Montoya machte den gleichen Fehler und fand zurück auf die Straße.

3. Der Fehlbare

Montoya ist ein Fahrer vom alten Schlag. Entgegen all der Retorten-Piloten, die nahezu emotionslos und perfekt ihr Programm abspulen, liegen Genie und Blödsinn beim Kolumbianer noch herrlich nah beieinander. Wer boxt schon in Indianapolis gleich zwei Mal seinen Teamkollegen von der Piste? Wer knallt schon im Tunnel in Monte Carlo beim Aufwärmen der Reifen hinter dem Safetycar seinem Vordermann hinten drauf, und wer dreht sich schon in Australien in der Aufwärmrunde? Nur Montoya! Wo der Kolumbianer ist, ist immer was geboten. Ausgerechnet Ron Dennis forderte kürzlich wie sonst immer Bernie Ecclestone, die Formel 1 müsse wieder mehr Charakterköpfe haben. Lieber Bernie, lieber Ron, bitte geht an Euer Sparbuch, damit ihr Montoya aus den Staaten zurückkaufen könnt.

4. Der Vorlaute

In Zeiten, wo alle Formel 1-Fahrer eine zehnjährige Ausbildung im diplomatischen Korps des Auswärtigen Amtes abgeleistet zu haben scheinen, ist Montoya ein Licht in der Dunkelheit. Mag sein, dass kleingeistige und sponsorenhörige Teamchefs vorzugsweise Abmahnungen an Fahrer schreiben, wenn diese zugeben, dass sie ihr Auto nicht aus Umweltbewusstsein vorzeitig am Streckenrand geparkt haben, Montoya interessiert das wenig. Wenn der Südamerikaner erst mal in Rage ist, hält ihn nichts mehr auf. Erfrischend, wie er seine Chefs bei Williams beschimpfte, als diese vermeintlich in einem Rennen Ralf Schumacher bevorzugten. Herrlich aufmüpfig, wie er seinem Ärger Luft machte, als McLaren Kimi Räikkönen in Australien bevorzugte. Kein Mensch behauptet, dass Montoya immer im Recht ist, aber wenigstens sagt er in einer Welt voller Duckmäuser, was er denkt.

5. Der Publikumsliebling

Bei der englischen Presse hatte Montoya seit jeher ein Stein im Brett, weil er regelmäßig dem übermächtigen Teutonen Schumacher die Stirn bot. Doch auch die Fans lieben den extrovertierten Kolumbianer. In der Nascar-Serie ist er vor allem deshalb so willkommen, weil sich die Veranstalter zehntausende Latinos auf den Tribünen erhoffen. Kaum eine Rennstrecke, und ist sie auch noch so weit vom nördlichsten Land Südamerikas entfernt, wo nicht die herrlich rot-blau-gelben Fahnen wehen. Der feurige Montoya brachte auch vielen weiblichen Wesen die Formel 1 näher. Wir räumen allerdings ein, dass nicht alle Damen, die das Privileg hatten, ihn persönlich kennen zu lernen, auch anschließend noch begeistert waren. Dass Montoya jedem Gridgirl nachstellt, das nicht schnell genug über den Fangzaun klettert, ist allerdings schamlos übertrieben. Es war höchstens jedes zweite.

6. Die Ehefrau

Was wird sie uns fehlen. Wenn die langbeinige Frau aus Medellin ins Fahrelager kam, ging die Sonne auf. Connie Montoya, geborene Freydel, hat nicht nur ein umwerfendes Lächeln, fantastisch funkelnde braune Augen und niedliche Sommersprossen, sie hat auch was in der Birne. Die studierte Juristin ist daher ein wohltuender Kontrast zu vielen angehübschten Dummchen, die durchs Fahrerlager stöckeln und noch nach dem passenden Setup für ihre Manolo Blahniks suchen. Gut, wir geben zu, auch Connie hat sich vor ein paar Jahren den Hubraum vergrößern lassen, doch in diesem Fall halten wir es wie der große zeitgenössische Philosoph Dieter Nuhr: "Kann ja sein, dass sie nicht echt sind, aber sie sind da."

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