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Sechs Rennen, Sechs Sieger

Wer ist eigentlich der Beste?

F1 GP Monaco 2012 Foto: dpa 25 Bilder

Die einen jubeln, weil die Formel 1 so unberechenbar geworden ist wie eine Wundertüte. Die anderen wünschen sich etwas mehr Normalität zurück und sprechen von einer Lotterie. Wer ist bei sechs Siegern in sechs Rennen eigentlich der Beste? Wir versuchen einen roten Faden im großen Durcheinander zu finden.

30.05.2012 Michael Schmidt

Ein Rekord ist 2012 schon gefallen. Noch nie gab es sechs verschiedene Sieger in sechs Rennen. Ein zweiter ist zumindest in Gefahr. 1982 teilten sich elf Fahrer, sieben Teams und vier Motorenhersteller die 16 Siege (siehe Tabelle). Weltmeister wurden am Ende ein Fahrer und ein Team, die nur einen Grand Prix gewonnen hatten: Keke Rosberg auf Williams. Mit der lächerlich geringen Ausbeute von 44 Punkten. Also 2,75 Zähler pro Start. Das war damals nicht einmal ein vierter Platz im Schnitt.

In diesem Jahr führt Fernando Alonso die Tabelle mit 76 Punkten nach sechs Rennen an. Das sind im Schnitt 12,66 Punkte pro Grand Prix. Also ein bisschen besser als ein vierter Platz. Die beiden Jahre weisen also durchaus Parallelen auf. Damals galt das technische Reglement im Prinzip seit 1978. Nur im Bereich der Schürzen gab es in jedem Jahr etwas Neues. Einmal beweglich, einmal starr, einmal mit Mindestabstand zum Boden, einmal ohne.

Formel 1 mit stabilen Regeln - wie 1982

Ungefähr vergleichbar mit der heutigen Auspuffsituation. Die Formel 1-Ingenieure hatten 1982 das Groundeffect-Car-Prinzip über fünf Jahre optimiert. 2012 befinden wir uns im vierten Jahr der 2009er Regelreform. Die Stabilität führt zwangsläufig dazu, dass sich die Autos angleichen. Kostspielige Entwicklungen wie das Anblasen des Diffusors, extreme Motorkennfelder und biegsame Frontflügel wurden verboten. Das schenkte den Teams zwei Sekunden, die sich diesen teuren Spaß nicht leisten konnten oder nur mit einer Standardversion fuhren.

1982 gab es aber zwei entscheidende Unterschiede. Erstens das Duell Turbo gegen Sauger. Selbst innerhalb der Turbofraktion gab es Leistungsdifferenzen von bis zu 50 PS. Am Ende gewann ein Cosworth getriebenes Auto, weil der gute alte V8-Saugmotor zwar mit einem 150 PS-Defizit leben musste, aber deutlich zuverlässiger war. Goodyear kämpfte gegen Michelin. Die beiden Reifen-Hersteller teilten sich die Siege paritätisch auf. Je acht pro Marke.

Trotzdem herrschte 1982 Konfusion. Weil es eine identische Ausgangssituation gab. Die sieben Siegerautos lagen aerodynamisch ungefähr auf einem vergleichbaren Niveau. Je nach Strecke entschied der Motortyp oder die Reifenmarke, wer die Nase vorn hatte. Heute spielen die Motoren eine untergeordnete Rolle. Und die Reifen sind mal abgesehen von Qualitätsschwankungen für alle gleich. Die Rolle der Siegfaktoren übernehmen das Fahrzeugsetup, der Fahrer und die äußeren Bedingungen.

Ein Beispiel. Lotus ist nirgendwo richtig schlecht, aber auch nirgendwo richtig gut. Das Auto bringt die Reifen, je nach Gummimischung nur in einem klitzekleinen Fenster zum Arbeiten. Je höher die Temperatur, umso einfacher geht es. Wahrscheinlich ist der Lotus E20 der beste Allrounder, leicht zu fahren und leicht abzustimmen, aber er ist bei den meisten Bedingungen nicht das beste Auto. Deshalb schwimmen Kimi Räikkönen und Romain Grosjean immer irgendwie im vorderen Feld mit, ohne einen Sieg zu landen. Das Team aus Enstone muss entweder auf einen Jahrhundertsommer hoffen oder sein Reifenproblem lösen.

Sauber und Williams technisch Spitze

GPS-Messungen in Barcelona brachten eine erstaunliche Erkenntnis. Die aerodynamisch besten Autos im Feld sind der Sauber C31 und der Williams FW34. Die beiden waren in den Kurven 3 und 9 die schnellsten, ohne in den anderen Passagen Federn zu lassen. Williams hat in Spanien bereits bewiesen, dass man Rennen gewinnen kann. Sauber stand in Malaysia kurz davor.

Beide Teams haben aus ihren Möglichkeiten zu wenig gemacht. Da sind wir schnell beim Thema Fahrer. In Monte Carlo wurden in beiden Fällen fahrlässig WM-Punkte verspielt. Mit einem Fernando Alonso, Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton im Cockpit würde ein Williams oder Sauber die WM vermutlich anführen.

Ein Alleingang dagegen wäre auch da unwahrscheinlich. Dazu sind die Qualitäten der Autos zu unterschiedlich. Aerodynamik ist nicht alles. Man braucht auch einen guten mechanischen Grip. Da spielt Red Bull ganz vorne in der Liga. Die Titelverteidiger haben ihre beiden Chancen, die ihnen die Streckencharakteristik von Bahrain und Monaco in die Hände gespielt hat, eiskalt mit zwei Siegen genutzt.

Red Bull kritisch in puncto Abstimmung

Doch Mark Webber und Sebastian Vettel balancieren dabei auf einem ganz schmalen Grat. Der Red Bull RB8 funktioniert im Gegensatz zum Lotus, Sauber oder Williams nur in einem ganz schmalen Abstimmungsfenster. Besonders auf Änderungen der Bodenfreiheit reagiert der Red Bull kritisch. In Bahrain hat dies Vettel erwischt, in Monaco Webber. Der jeweils andere war chancenlos.

McLaren ist allen ein Rätsel. In den ersten drei Rennen waren sich alle im Fahrerlager einig, dass der McLaren MP4-27 das beste Auto im Feld ist. "Ein Auto ohne Schwächen", urteilte Jenson Button damals. Das würde er heute anders sehen. Irgendwo in der Entwicklung am Auto ist nach dem GP China etwas schief gelaufen.

Das müssen die McLaren-Ingenieure selbst am besten wissen. "Wir haben da einen Verdacht", verriet Button in Monte Carlo. Möglicherweise schießt sich McLaren mit seiner aggressiven Entwicklungspolitik ein Eigentor. Solange die Reifen eine derart große Unbekannte darstellen, sollte man erst sein Auto verstehen, bevor man neue Teile einführt.

Mercedes mit Schwächen in schnellen Kurven

Mercedes hat in Shanghai und Monte Carlo eine starke Figur gemacht. Die Stärken des Autos liegen in den langsamen Kurven und auf den Geraden. In den schnellen Ecken muss der Silberpfeil noch zulegen. Die jüngsten aerodynamischen Eingriffe am Frontflügel, der Nase, den Seitenkästen und im Heck zielen in diese Richtung. Die Auflösung, ob die Modifikationen gewirkt haben, gibt es erst in Silverstone.

Montreal und Valencia haben Stop-and-Go-Charakter. Also gut für Mercedes. Der DRS-Trick verschafft ihnen zwei, drei Zehntel in der Qualifikation. Klingt nach wenig, ist aber in einem so dicht gedrängten Feld ein Geschenk, das zum Matchwinner werden kann, wenn die Startposition entscheidend ist. Michael Schumacher oder Nico Rosberg hätten in Monaco von der Pole Position wahrscheinlich gewonnen. Hier wurde eine Chance verspielt.

Bei Schumacher hat auch schon drei Mal die Technik versagt und ein Mal die Boxencrew. Das kann in einem Jahr wie diesem eine böse Falle sein. Erinnern wir uns an 1982. Keke Rosberg wurde über die Konstanz Weltmeister, nicht mit der höchsten Anzahl der Siege. Er fuhr in zehn der 16 Rennen in die Punkteränge. Mehr als jeder andere.

Mark Webber glaubt, dass sich diese Geschichte wiederholen kann: "Es könnte gut sein, dass man dieses Jahr mit nur drei Siegen Weltmeister wird. Der Schlüssel ist es, so oft wie möglich zu punkten, und die Chancen zu nutzen, die dir geboten werden." Mit anderen Worten: Wenn ein Sieg auf der Straße liegt, muss man auch zugreifen.

Ferrari wieder ein Siegerauto

Der Meister darin ist Fernando Alonso. Und deshalb liegt er auch an der Spitze in der WM. Nur er und Hamilton kamen bei allen Rennen ins Ziel. Alonso hat es meisterhaft verstanden, die Phase der ersten vier Rennen zu überstehen. In denen war sein Ferrari höchstens Mittelmaß. Eine Radikalkur hat den F2012 in die Gruppe der sieben Autos katapultiert, die unter den richtigen Bedingungen ein Rennen gewinnen können.

Die Schwachstellen Top-Speed und Traktion sind zwar noch nicht hundertprozentig behoben, aber doch deutlich weniger stark ausgeprägt. Das zeigt der sechste Platz von Felipe Massa in Monte Carlo. Die Fahrt am Limit ist kein Ritt mehr auf der Rasierklinge. In der Disziplin Zuverlässigkeit ist der Ferrari offenbar kugelsicher. Bei den Boxenstopps zählen sie zu den schnellsten.

Strategiefehler wie am letzten Wochenende passieren anderen Teams auch. Da hat McLaren größere Defizite. Das Fazit lautet deshalb: Mit Alonso im Cockpit ist Ferrari im Moment der sicherste WM-Tipp.

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