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Sektor-Analyse GP Österreich

Ferrari macht Schritt vorwärts

Fernando Alonso - GP Österreich 2014 Foto: Ferrari 45 Bilder

Der Red Bull-Ring meinte es nicht gut mit Red Bull. Dafür umso mehr mit Williams. Mercedes fand den besten Kompromiss zwischen Topspeed und Abtrieb. Und Ferrari hat sich gesteigert. Warum das so ist, zeigt unsere Sektor-Analyse.

26.06.2014 Michael Schmidt

Der Red Bull-Ring ist eine komische Strecke. Irgendwie mit nichts vergleichbar. Kein anderer Kurs hat so wenige Kurven. Es sind nur 9. Lediglich drei davon haben längere Radien. Die Geschwindigkeit dort bewegt sich zwischen 159 und 184 km/h. Sämtliche Kurven zu Beginn einer Geraden sind eckig. Ihre Scheitelpunktgeschwindigkeit beträgt 118 km/h (1), 61 km/h (2), 89 km/h (3) und 137 km/h (9). Die Vollgaspassagen sind nicht besonders lang. Die längste misst 745 Meter. Der Asphalt ist glatt, bietet daher wenig Gip.

Topspeed-Unterschied vom Training zum Rennen

Das hat Folgen. Erstens: Der Red Bull-Ring ist eine Motorenstrecke. Zweitens: Gute Aerodynamik kommt kaum zum Tragen. Drittens: Gefragt sind Bremsstabilität und Traktion. Viertens: Die Reifen brauchen lang, um in ihr Arbeitsfenster zu kommen. Fünftens: Die Elektromotoren sind gefordert. Das ständige Laden und Entladen mit wenig Pausen dazwischen stresst die MGU-K und ihre Steuergeräte. Die MGU-H muss deshalb im Rennen einen guten Teil ihrer Power in der Batterie abspeisen, um die MGU-K zu entlasten.

Das erklärt den großen Topspeed-Unterschied vom Training zum Rennen. Normalerweise sind die Geschwindigkeiten im Rennen höher, weil viel im Windschatten gefahren wird. Felipe Massa verlor im Rennen aber 6,1 km/h auf seinen eigenen Bestwert vom Training. Das spricht dafür, dass auf der zweiten Hälfte der Schönberggeraden der Strom von der MGU-H aus dem Auspuffsystem lieber in der Batterie deponiert wurde als ihn direkt in die MGU-K für mehr Leistung zu transferieren.

Schlechter Boden für Red Bull

Der Red Bull-Ring war keine Red Bull-Strecke. Dafür wie gemalt für die Williams. Wahrscheinlich war es für die Hausherren das schlechteste Terrain im ganzen Kalender. Der Topspeed hinkte dem Bestwert von Massa um 15 km/h hinterher. Aber auch in den Kurven war der Red Bull hinter Mercedes, Ferrari und Williams nur vierte Kraft. Die Reifen kamen nicht auf Temperatur. Auch am Sonntag nicht, als 47 Grad auf dem Asphalt gemessen wurden. Daraus lässt sich ablesen, dass Red Bull den Abtrieb reduzieren musste, um auf der Geraden einigermaßen mithalten zu können. Ein doppeltes Eigentor. Man war nirgendwo richtig schnell.

Auch Mercedes fuhr mit einem Handikap. Zusammen mit dem Red Bull RB10 ist der Silberpfeil das aerodynamisch beste im Feld. Doch das kam kaum zum Tragen. Was der Vergleich mit Williams zeigt. Der Williams FW36 ist auf diesem Streckentyp trotz weniger Abtrieb praktisch ebenbürtig. Weil er weniger Luftwiderstand bietet und auf der Geraden um bis zu 6 km/h schneller als die Werksautos war. Und in den Kurven trotzdem wenig verlor. Im Mittelsektor mit vier Kurven büßte Williams auf die Mercedes nur 0,181 Sekunden ein. In den vier Kurven des dritten Sektors waren es 0,085 Sekunden.

Unter dem Strich hatte Mercedes das ausgeglichenste Paket. Man war nicht ganz so schnell auf den Geraden wie die Williams, machte die Zeit in den Kurven gerade so wieder gut. Man war deutlich besser als die Red Bull im Topspeed und wurde nicht einmal in den Kurven von dem Abtriebs-Wunder geschlagen. Ferrari war näher dran, und doch zu weit weg.

Mehr Abtrieb für Ferrari

Ferrari hat einen Sprung vorwärts gemacht. Die neue Motorabdeckung bekam schon in Montreal gute Noten, auch wenn sie nur am Freitag zum Einsatz kam. Sie ist flacher, läuft hinten länger aus. Die Luft tritt später und damit gezielter ins Freie. Das hilft dem Diffusor bei der Arbeit und verschafft dem Heckflügel eine bessere Anströmung. Doch bei Außentemperaturen ab 26 Grad wird es kritisch mit Ferraris neuer Verkleidung.

Obwohl das Thermometer am Sonntag 27 Grad zeigte, ging Ferrari das Risiko ein. Der aerodynamische Vorteil ist zu groß, um darauf zu verzichten. Um mit den Temperaturen auf der sicheren Seite zu bleiben, stand den Piloten zeitweise weniger Power zur Verfügung. Kimi Räikkönen beschwerte sich am Funk darüber.

Der Topspeed der Ferrari lag um 6 km/h über den Red Bull, aber um 9 km/h hinter den Williams. Dafür hat Ferrari in den Kurven mächtig aufgeholt. Fernando Alonso fand im letzten Sektor nur in den Mercedes seinen Meister. Und das denkbar knapp. Dem Ferrari-Piloten fehlte auf Nico Rosberg 0,051 Sekunden. Im Mittelsektor lag der Ferrari im Bereich der Red Bull und knapp hinter den Williams.

Hier war die Speed-Messung an der Sektor-Grenze interessant. Sie liegt auf halbem Weg zwischen den Kurven 5 und 6. Ist also auch ein Indiz dafür, wer gut aus dem 160 km/h schnellen Linksbogen mit dem Namen Rauch-Kurve kommt. Im Training wie im Rennen waren die Williams dort die schnellsten. Valtteri Bottas erzielte mit 239,2 km/h den absoluten Top-Wert, gefolgt von Massa (238,8 km/h), Rosberg (238,5 km/h), Hamilton (238,4 km/h), Hülkenberg (236,5 km/h) und Alonso (235,7 km/h). Ricciardo im schnelleren der beiden Red Bull kam nur auf 234,5 km/h.

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