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Sektor-Analyse in Bahrain

Gerade schneller, Kurven langsamer

Felipe Massa - Bahrain - 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Der Vorwurf steht: Die neue Formel 1 ist viel langsamer als die alte. Stimmt das wirklich? auto motor und sport hat die Probe aufs Exempel gemacht und die Pole Position-Runde 2013 von Nico Rosberg mit der schnellsten Testrunde von Felipe Massa verglichen. Ergebnis: Der Unterschied beträgt knapp eine Sekunde.

04.03.2014 Michael Schmidt

Ist dieser Vergleich fair? Die 2013er Formel 1-Autos hatten einen 2,4 Liter-V8-Motor mit rund 750 PS im Heck. Auf einer Qualifikationsrunde standen 6,7 Sekunden lang 82 PS vom KERS zur Verfügung. Dieses Jahr fährt die Formel 1 mit 1.6 Liter-V6-Turbos, die bei 3,5 bar Ladedruck und maximal erlaubtem Benzinfluss von 100 Kilogramm pro Stunde 700 PS abgeben. Im Qualifikationstrim können für 33 Sekunden 160 PS aus der Elektroreserve zusätzlich eingespeist werden. Das passiert hauptsächlich auf der Geraden.

Doch die neue Generation schleppt in den Kurven ein Handikap mit sich herum. Pirelli liefert härtere Reifen, und die neuen Autos haben rund 15 Prozent weniger Abtrieb. Der Reifennachteil wird dadurch ausgeglichen, dass Pirelli letztes Jahr in Bahrain nur die Mischungen "hart" und "medium" bereitstellte. Bei den Testfahrten wurden die schnellsten Runden allesamt auf Supersoft-Reifen gefahren.

Formel 1 2014 mit 0,928 Sekunden Differenz

Die Pole Position im letzten Jahr ging an Nico Rosberg im Mercedes mit 1:32.330 Minuten. Die schnellste Testrunde an den acht Testtagen von Bahrain drehte Williams-Pilot Felipe Massa mit 1:33.258 Minuten. Das entspricht einer Differenz von 0,928 Sekunden. Nicht viel, wenn man bedenkt in welch jungfräulichem Stadium die neuen Formel 1-Autos noch sind. Und mit Sicherheit haben die Teams beim Test noch Reserven gelassen.

Eines muss man allerdings bei diesem Vergleich beachten. In Bahrain wird zu 63 Prozent Volllast gefahren, und der Anteil der Geraden ist im Vergleich zu Strecken wie Barcelona, Silverstone oder dem Hungaroring relativ hoch. Das hilft den 2014er Autos, die ihre Zeit auf ihre Vorgänger auf der Geraden gutmachen.

Dazu reicht der Vergleich der absoluten Top-Speeds. Paul di Resta stellte beim Grand Prix letztes Jahr mit 314,2 km/h den Bestwert auf. Der wurde von Fernando Alonso bei den Testfahrten förmlich pulverisiert. Der Ferrari-Pilot flog mit 339,6 km/h über die Zielgerade. Unsere detaillierte Speed-Analyse lesen sie am Mittwoch (5.3.2014) auf auto-motor-und-sport.de

Der zweite Sektor hat acht Kurven

Auf die Frage, wo die neuen Autos gewinnen und verlieren, hilft ein Blick in die Sektorzeiten. Der erste Sektor reicht in Bahrain von Start und Ziel bis in den Scheitelpunkt von Kurve 5. Das beinhaltet die Dreifachkombination nach der Zielgeraden, die bergauf führende zweite Gerade von 700 Metern Länge und die Zweite-Gang-Kurve, die in den schnellen abschüssigen Streckenteil mündet. Der zweite Sektor endet am Ausgang von Kurve 12. Er ist mit acht Kurven und der 600 Meter langen Gegengeraden der längste. Der letzte Abschnitt besteht aus Kurve 13, einer ein Kilometer langen Geraden, der eckigen Zielkurve und der halben Zielgeraden bis zum Zielstrich.

Im ersten Sektor herrscht zwischen 2013 und 2014 praktisch Gleichstand. Klar, großer Anteil an Geraden. Rosberg kam mit dem Vorjahres-Mercedes auf 29,416 Sekunden. Massa schaffte 29,464 Sekunden. Unterschied? Ein Augenzwinkern. Im langen zweiten Sektor ist der Unterschied wegen des hohen Kurven-Anteils mit 0,629 Sekunden Differenz am größten. 39,847 Sekunden von Rosberg stehen gegen 40,476 Sekunden von Massa. Im letzten Abschnitt war Rosberg im 2013er Silberpfeil um drei Zehntel schneller. 22,987 Sekunden konkurrieren mit 23,318 Sekunden von Massa.

Auch die Speeds an den einzelnen Messpunkten sind interessant. Rosberg beschleunigte 2013 mit 237,2 km/h in Kurve 5. Massa schaffte dort 248,8 km/h. Ausgangs Kurve 11 war der 2013er Mercedes 262,3 km/h schnell. Massa im 2014er Williams kam auf 266,6 km/h. Auch den Vergleich auf den Zielstrich gewinnt Massa mit 291,8 km/h zu 290,1 km/h. Beim Top-Speed ist die Differenz noch größer zugunsten des Williams-Piloten: 331,2 km/h zu 312,0 km/h.

Ende 2014 herrscht Gleichstand

Der Vergleich der Sektorzeiten zeigt ganz klar: Das, was die neue Formel 1 in den Kurven verliert, muss sie auf der Geraden und beim Beschleunigen aufholen. Doch in der Aerodynamik liegt noch viel Potenzial. Wenn die Teams einmal den Motor beherrschen und den Spritverbrauch im Griff haben, wird die Schlacht um mehr Abtrieb wieder anziehen. Wir tippen: Spätestens am Ende des Jahres herrscht Gleichstand.

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