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Senna-Zeitzeuge Jean Alesi (10)

"Autos in diesem Jahr extrem kritisch"

Jean Alesi - Formel 1 1994 Foto: Wilhelm 69 Bilder

Am 1. Mai jähren sich die tragischen Ereignisse des GP San Marino 1994 zum 20. Mal. Wir haben prominente Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen an ein Wochenende gefragt, das Ayrton Senna und Roland Ratzenberger das Leben kostete. Die Wegbegleiter erzählen 11 Geschichten, die Sie bestimmt noch nicht kennen. Folge 10: Jean Alesi, damals Ferrari-Fahrer, aber in Imola verletzt.

30.04.2014 Michael Schmidt

"Ich war nach einem Testunfall in Mugello verletzt. Weil ich beim darauffolgenden Grand Prix in Monaco wieder fahren sollte, bin ich als Zuschauer nach Imola gefahren, um auf dem Laufenden zu bleiben. So hatte ich genug Zeit, den Grand Prix zu verfolgen. Am Freitag musste ich in Paris zu einem Medizin-Check. Auf dem Weg zurück nach Hause hörte ich im Radio von einem dramatischen Unfall von Rubens (Barrichello). Als ich am Samstagmorgen in Imola ankam, redeten alle nur über Unfälle und die Sicherheit."

"Die Autos waren in diesem Jahr extrem kritisch gegenüber Änderungen der Bodenfreiheit. Nach dem Verbot der passiven Autos versuchten die Ingenieure die Autos aerodynamisch so effizient wie möglich zu machen, aber sie hatten noch nicht die Werkzeuge wie heute dafür. Die Rennstrecke war ihr Windkanal."
 
"Wir haben dort unzählige Unterböden getestet. Ich erinnere mich, dass der Williams ein Problem mit der Hinterachse hatte, weil die als Flügel ausgelegt war. Das größte Problem aber war, dass der Abtrieb sofort abriss, wenn das Auto nur ein bisschen quer stand. Das Auto hob einfach ab."

Alesi selbst mit schwerem Unfall vor Imola

"So war das auch bei meinem Unfall in Mugello, zwei Tage nach dem Pazifik Grand Prix. Wir hatten den Unterboden modifiziert. Ich habe das Auto in der Arrabiata-Kurve verloren. Als sich mein Ferrari querstellte, bekam er Unterluft und ging in die Luft. Ich bin über die Reifenstapel gesprungen und habe rückwärts voll die Mauer getroffen. Das hat mir die Wirbel gebrochen. Die Autos waren wirklich sehr, sehr heikel zu fahren. Ayrton sprach mit Berger über das Risiko dieser Autos. Er forderte, dass wir der FIA S.O.S. funken."
 
"Als ich Ratzenbergers Unfall sah, war mir sofort klar. Der ist tot. Da kam ein neues Thema hinzu. Er flog ab, weil etwas gebrochen war. Alle redeten jetzt davon, wie wir die kleinen Teams besser kontrollieren könnten. Sie hatten kein Geld, um ihre Autos vernünftig zu entwickeln."

"Am Samstagabend erreichte die Spannung im Fahrerlager ihren Höhepunkt. Jeder hatte Angst. Als Senna verunglückte, stand ich mit Jean Todt an der Boxenmauer. Wir hatten dort nur einen kleinen Bildschirm. Von Tamburello wussten wir, wie gefährlich die Kurve war. Es war nicht der erste große Crash dort. Nelson Piquet und Gerhard Berger waren dort schon böse abgeflogen. Trotzdem haben wir uns um Ayrtons Gesundheit keine Sorgen gemacht. Wir dachten, dass er davongekommen sei. Deshalb haben sich die Ingenieure erst mal nur auf die Strategie konzentriert."

Keiner verließ das Fahrerlager

"Als wir mitbekommen haben, dass Ayrton eine gefühlte Ewigkeit neben der Strecke behandelt und ein Helikopter angefordert wurde, beschlich uns das Gefühl, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Die schockierendsten Szenen waren die nach dem Rennen. Keiner verließ das Fahrerlager. Normalerweise geht dann ja der Grand Prix nach dem Grand Prix los. Diesmal nicht. Alle warteten auf Nachrichten aus Bologna."
 
"Als die Nachricht vom Tod kam, haben alle schweigend den Ort verlassen. Ich bin nicht zum Begräbnis geflogen. Es war zu viel für mich. Das Ereignis hatte jegliche Privatsphäre verloren. Nur um gesehen zu werden wollte ich nicht hin."
 
In unserer Bildergalerie erinnern wir mit den besten Senna-Fotos an die Karriere der Rennlegende.

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