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Senna-Zeitzeuge Johnny Herbert (5)

"Ein König wurde zu Grabe getragen"

Johnny Herbert - Sky F1 - TV Experte Foto: xpb 69 Bilder

Am 1. Mai jähren sich die tragischen Ereignisse des GP San Marino 1994 zum 20. Mal. Wir haben prominente Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen an ein Wochenende gefragt, das Ayrton Senna und Roland Ratzenberger das Leben kostete. Die Wegbegleiter erzählen 11 Geschichten, die Sie bestimmt noch nicht kennen. Folge 5: Johnny Herbert, damals auf Lotus in Imola am Start.

25.04.2014 Michael Schmidt

"Der Unfall von Rubens hat uns noch nicht geschockt. So etwas passierte. Er war ja nur ein bisschen durchgeschüttelt worden. Ratzenberger - das war eine andere Nummer. Wir waren Freunde, kannten uns seit den kleinen Klassen im Motorsport. Ich sah, wie sein Auto austrudelte und sein Kopf schräg im Cockpit hing. Natürlich hoffst du, dass er okay ist, aber es dauerte nicht lange, da kam die schlechte Nachricht, dass er den Unfall nicht überlebt hat."

"Trotzdem hätte mich nichts davon abgehalten, am nächsten Tag zu fahren. Meine Einstellung war immer: Wenn es mich erwischt, sollen die anderen dafür nicht das Rennen ausfallen lassen. Ich kannte das Risiko und akzeptierte es. Roland dachte genauso. Die zwei Unfälle hintereinander machten uns das Risiko plötzlich wieder bewusst. Der Gedanke, dass es einen erwischen könnte, war über all die Jahre ohne Tote und Verletzte im Hinterkopf verschwunden. Viele von uns wurden zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert."
 
"Ich hatte ihn schon einmal erlebt, in einem Formel 3-Rennen. Da hat es einen Amerikaner erwischt. Den Namen habe ich vergessen. So sind wir am Sonntag alle unter einer gewissen Spannung in das Rennen gegangen. Das hat man beim Fahrer-Briefing gemerkt. Alle sprachen über mögliche Gefahren. Nur Ayrton war sehr still. Normalerweise hat er zu allem seine Meinung gesagt. Da aber saß ein anderer Ayrton."

Schwere des Unfalls zunächst nicht klar

"Beim Start hat es gleich wieder gekracht. Auch noch mit meinem Teamkollegen Pedro Lamy. Ich kann mich noch erinnern, wie ein Rad in die Tribüne flog. Nach dem Re-Start sah ich, wie ein Auto in Tamburello von der Mauer zurückkam. Ich habe nicht erkannt, wer drin saß, war mir aber sicher, dass der Fahrer, wer auch immer es sein mochte, aussteigen würde."
 
"Wir wurden bei Start und Ziel angehalten. Alle haben durcheinander geredet. Ich habe immer nur die Worte "Ayrton" und "Helikopter" gehört. Als das Unfallauto am Haken zurückgebracht wurde, haben sie es in entgegengesetzter Richtung durch die Startaufstellung gefahren. Ich sah auf der Seite des Monocoques einen riesigen Riss. Das Chassis war noch an einem Stück. Das gab mir Hoffnung, dass er vielleicht doch davongekommen ist."

Herbert trägt Sarg von Senna in Sao Paulo

"Erst nach dem Rennen hat mir einer erzählt, was wirklich passiert ist. Der erste Gedanke: Nicht schon wieder. Und es hörte nicht auf. Zwei Wochen später Karl Wendlinger in Monte Carlo. Kurz darauf Pedro Lamy in Silverstone. Wir hatten einen ganzen Monat nur mit Unfällen zu tun. Ich fühlte mich total leer. Trotzdem bin ich auf beide Beerdigungen gegangen. Ich wollte den beiden nur noch einmal Goodbye sagen."
 
"Was in Sao Paulo passierte, war unbeschreiblich. Vom Flughafen in die Stadt standen tausende und abertausende Menschen Spalier. Da wurde ein König zu Grabe getragen. Irgendwie war es faszinierend das zu sehen. Ich war einer der Sargträger, ganz hinten in der Ecke. Ein unglaublich emotionaler Moment in all den Menschenmassen, die Ayrton das letzte Geleit gaben."
 
"Da kommen einem ganz komische Gedanken. Etwa der, dass ich eine Legende auf meinen Schultern zu seiner letzten Ruhestätte trug und damit Teil dieses Moments der Geschichte wurde. Danach bin ich mit Gerhard Berger sofort zurückgeflogen, um auch Ratzenberger die letzte Ehre zu erweisen. Roland wird leider gerne vergessen. Ich erwähne sie beide immer in einem Atemzug, wenn mich Leute nach dem Imola-Wochenende fragen."
 
In unserer Bildergalerie erinnern wir mit den besten Senna-Fotos an die Karriere der Rennlegende.

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