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Senna-Zeitzeuge Josef Leberer (1)

Senna-Sarg in der Business-Klasse

Josef Leberer & Ayrton Senna - 1988 Foto: Wilhelm 69 Bilder

Am 1. Mai jähren sich die tragischen Ereignisse des GP San Marino 1994 zum 20. Mal. Wir haben prominente Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen an ein Wochenende gefragt, das Ayrton Senna und Roland Ratzenberger das Leben kostete. Die Wegbegleiter erzählen 11 Geschichten, die Sie bestimmt noch nicht kennen. Folge 1: Senna-Betreuer Josef Leberer

21.04.2014 Michael Schmidt

Es war ein Wochenende, das keiner vergisst. Keiner von denen, die vor 20 Jahren in Imola waren, aber auch keiner, der die Nachricht vom Tod von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna anderswo erfuhr. Jeder, der etwas mit Motorsport zu tun hatte, weiß, was er an diesem Tag zu dieser Stunde gerade gemacht hat.

Die Formel 1 stand nach der unglaublichen Unfallserie beim GP San Marino vor ihrer größten Prüfung. Am Freitag überlebte Rubens Barrichello einen Horror-Crash. Am Samstag starb Roland Ratzenberger nach einem Frontflügelbruch auf der Anfahrt zur Tosa-Kurve. Einen Tag später griff der Tod nach dem größten Rennfahrer seiner Zeit: Ayrton Senna.
 
Der Brasilianer verunglückte live vor den Augen einer halben Milliarde TV-Zuschauer. Es war ein weltweiter Schock. Bernie Ecclestone sagte damals: "Als hätte man Jesus live ans Kreuz genagelt." Ayrton Senna fuhr in der 6. Runde, Ortszeit 14.12 Uhr, im Scheitelpunkt der Tamburello-Kurve einfach gerade aus. Kurz nachdem sein Auto auf der Bodenwelle durchgeschlagen war.

Als Senna merkte, dass er vom Kurs abkam, war er 321 km/h schnell. Die Vollbremsung war nur zum Teil von Erfolg gekrönt. Am Übergang zu der mit Betonplatten ausgepflasterten Auslaufzone machte der Williams einen Luftsprung. Die Verzögerung war deshalb nicht mehr optimal.
 
Die Telemetriedaten ergaben, dass Senna mit 214 km/h in relativ spitzem Winkel in die Mauer einschlug. Das Chassis brach auf der linken Seite auf Cockpithöhe, blieb aber in einem Stück. Senna hätte diesen Unfall immer noch unversehrt überleben können, hätte ihn nicht das rechte Vorderrad erschlagen.
 
Die Unfallursache ist bis heute nicht restlos geklärt. Senna wurde eine Woche später in Sao Paulo wie ein König zu Grabe getragen. Wir haben Augenzeugen, Kollegen und beteiligte Teammitglieder nach ihren Erinnerungen an die Ereignisse von Imola befragt. Zuerst kommt Josef Leberer zu Wort, der Betreuer und Trainer von Ayrton Senna:

Trauriger Geburtstag für Josef Leberer

"Ayrton war nach dem Tod von Roland Ratzenberger sehr aufgewühlt. Es hat ihn aufgeregt, dass man ihn verwarnt hatte, weil er die Unfallstelle inspizieren wollte. Der Samstag war mein Geburtstag, doch keinem von uns war nach Feiern zumute. Wir sind in einer kleinen Runde, vielleicht fünf oder sechs Leute mit Ayrton außerhalb von Imola zum Abendessen gegangen."
 
"Willy Dungl war dabei, sein brasilianischer Freund Galvao. Der Abend ist in einer bedrückten Stimmung verlaufen. Ayrton trank gegen seine Gewohnheit sogar ein Glas Rotwein. Und wir haben zum ersten Mal überhaupt auf die Übungen vor dem Rennen verzichtet."

"Am Sonntag habe ich in Erinnerung, dass Ayrton in der Startaufstellung im Rennauto sitzen geblieben ist. Er war sehr ernst, geistig irgendwie weit weg. Erst als auf der Tribüne Jubel für Gerhard Berger in seinem Ferrari ausbrach, hat er ein kleines Lächeln gezeigt. Ich habe den Unfall im Fernsehen in der Box gesehen und hatte gleich ein schlechtes Gefühl. Als Sid Watkins, der Formel 1-Arzt mit dem Helm zurückkam, musste er nichts sagen. Sein Blick hat alles gesagt. Da war keine Hoffnung mehr."

Leberer besucht Senna in Klinik

"Ich bin dann mit Ayrtons Bruder Leonardo in den Bus von Bernie Ecclestone gegangen. Wir haben versucht die Familie in Brasilien zu erreichen. Dann wurden wir mit dem Hubschrauber in die Klinik nach Bologna gebracht. Ayrton lebte noch und lag in der Intensivstation an der Herz-Lungenmaschine. Wir konnten die fürchterlichen Kopfverletzungen sehen. Es war aussichtslos."
 
"Als wir wieder auf dem Gang vor dem Operationssaal waren, kam plötzlich Gerhard Berger daher. Er wollte Ayrton unbedingt noch einmal sehen. Ich habe ihm gesagt: Tu dir das nicht an. Er ließ sich aber nicht davon abbringen. Weil er wollte, dass ich mitgehe, musste ich ein zweites Mal die sterile Schutzkleidung anlegen und bin mit ihm rein."
 
"Nach dem Tod hat mich die Familie gebeten, ob ich bei der Überführung des Sarges nach Sao Paulo dabei sein könnte. Sie hatte die Fluggesellschaft gebeten, dass ihr toter Sohn nicht im Frachtraum die Reise antritt. Die Varig hat in der Mittelreihe der Business Class die Sitze ausgebaut und den Sarg dort aufgestellt."
 
"Mit mir saßen noch ein paar Bekannte von Ayrton in dem abgesperrten Bereich der Maschine. Die Passagiere hinten in der Economy Class wussten gar nicht, dass vorne ihr toter Nationalheld lag. Den letzten Weg im brasilianischen Luftraum haben uns Kampfjets der brasilianischen Luftwaffe begleitet. Es war eine unwirkliche Stimmung."

Beerdigung wie in Trance

"Was dann in Sao Paulo passiert ist, habe ich wie in Trance miterlebt. Der Sarg wurde auf ein Feuerwehrauto montiert. Wir saßen in der Eskorte dahinter. Die Szenen waren unbeschreiblich. Auf dem ganzen langen Weg vom Flughafen in die Innenstadt standen Leute. Junge, alte, arme, reiche."
 
"Die Brücken waren voll von Menschen. Überall waren Spruchbänder mit seinem Namen aufgestellt. Ayrton wurde dann im Kongresszentrum aufgebahrt, damit alle noch einmal Abschied nehmen konnten. Zwei Tage später bei der Beerdigung wiederholte sich das Schauspiel. Das war kein normales Begräbnis. Da trug ein ganzes Volk Trauer."

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen zum 20. Todestag noch einmal zahlreiche unveröffentlichte Fotos aus der Karriere Ayrton Sennas.

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