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Senna-Zeitzeuge Martin Brundle (4)

"Das letzte Zucken eines Sterbenden"

Martin Brundle - Sky F1 - TV Experte Foto: Wilhelm 69 Bilder

Am 1. Mai jähren sich die tragischen Ereignisse des GP San Marino 1994 zum 20. Mal. Wir haben prominente Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen an ein Wochenende gefragt, das Ayrton Senna und Roland Ratzenberger das Leben kostete. Die Wegbegleiter erzählen 11 Geschichten, die Sie bestimmt noch nicht kennen. Folge 4: Martin Brundle, damals im McLaren in Imola am Start.

24.04.2014 Michael Schmidt

"Das Imola-Wochenende erinnerte mich an das Jahr 1985, als wir im Sportwagen-Sport Manfred Winkelhock und Stefan Bellof verloren haben, und Jonathan Palmer in Spa seinen schweren Unfall hatte. Damals fragte man sich auch: Wen erwischt es als nächsten? In Imola war es genauso. Erst Barrichello. Dann Ratzenberger. Und überall die Ungewissheit: Was kommt noch?"

"Über dem Sonntagmorgen lag eine unglaubliche Spannung. Ayrton war sehr emotional im Fahrerbriefing. Das Rennen begann gleich mit einem Riesen-Crash. Wieder die Frage: Was geht hier vor? In welchem Film sind wir? Alles schien außer Kontrolle geraten. Dann gab es den Re-Start, und ich erinnere mich, wie in Tamburello plötzlich ein Rad und Trümmerteile über die Strecke schießen."
 
"Ich hatte alle Hände voll zu tun, den Trümmern auszuweichen. So sah ich nicht einmal, wen es da erwischt hatte. Das Rennen wurde abgebrochen. McLaren schaltete in seiner Box alle Fernsehschirme aus. Ron Dennis sprach mit Mika Häkkinen, Martin Whitmarsh mit mir."

Rennen wird einfach fortgesetzt

"Uns wurde erzählt, dass Damon Hill in die Mauer gefahren sei. Nicht dass es einen Unterschied ausmachen würde. Dann plötzlich die Nachricht: Nein, es ist Senna. Mir wurde gesagt, er hätte seinen Kopf bewegt und sei okay. Als ich später die Bilder sah, wusste ich, dass der Eindruck täuschte. Es war das letzte Zucken eines Sterbenden."
 
"Es macht mich 20 Jahre danach noch krank, dass wir das Rennen neu gestartet haben. Runde um Runde sind wir an dem riesigen Blutfleck auf dem Asphalt neben der Piste vorbeigefahren. Da sind zwei unserer Kollegen gestorben, und wir sind einfach so ein Rennen gefahren."
 
"Die Atmosphäre nach dem Rennen im Fahrerlager war extrem angespannt. Wir alle begannen die grausame Wahrheit zu ahnen. Keke Rosberg erzählte mir irgendwann, dass Ayrton gestorben sei. Als ich ins McLaren-Motorhome kam, fragte mich Ron, ob ich etwas wisse. Ich erzählte es ihm. Und plötzlich war da diese Totenstille im Autodrom. Es war bedrückend."

Privatjet wartet vergeblich auf Senna

"Die Leute begannen die Bedeutung des Augenblicks zu spüren. Ich bin dann mit meinem Renningenieur Giorgio Ascanelli zum Flughafen nach Bologna gefahren. Er war früher Ayrtons Ingenieur. Keiner sprach ein Wort. Nach einer halben Stunde sagte er plötzlich: Und? Was glaubst du ist mit Ayrton passiert? Ich sagte ihm, was ich gehört hatte. Danach haben wir uns bis zum Flughafen wieder angeschwiegen. Dort sahen wir Sennas Privatjet rumstehen, die Gangway runtergelassen. Die haben auf ihn gewartet."
 
"Ich bin leider nicht zur Beerdigung geflogen, was ich heute sehr bereue. Der Grund war damals, dass ich 1985 schon das Begräbnis von Bellof mitgemacht hatte. Ich sah ihn sterben in Spa, habe sofort unseren gemeinsamen Teamchef Ken Tyrrell angerufen, und der hat nur zwei Worte gesagt: 'I know.' Die Beerdigung in Gießen war niederschmetternd. Bellofs Familie und Freunde waren am Boden zerstört. Damals beschloss ich: Solange ich Rennfahrer bin, gehe ich nicht mehr auf die Beerdigung eines Kollegen."
 
In unserer Bildergalerie erinnern wir mit den besten Senna-Fotos an die Karriere der Rennlegende.

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