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Sergio Perez im Interview

„Nico ist mein stärkster Teamkollege“

Sergio Perez & Nico Hülkenberg - GP England 2016 Foto: xpb 47 Bilder
Interview

Sergio Perez ist mit dem Force India in diesem Jahr schon zwei Mal aufs Podium gefahren. Wir haben mit dem Mexikaner über den Wechsel in ein Top-Team, seinen Teamkollegen Nico Hülkenberg und sein Saisonziel gesprochen.

13.07.2016 Michael Schmidt
Sind Sie in der entscheidenden Saison Ihrer Karriere?

Perez: Entscheidend ist zu viel gesagt. Aber ich wusste schon vor dieser Saison, dass es ein wichtiges Jahr für mich werden wird. Ein Jahr, das über meine Zukunft entscheiden kann. Ein Jahr, in dem ich mich entscheiden muss, wo die Reise hingeht. Ich bin 26, und nicht mehr der Jüngste. Da schwingt schon die Sorge mit, dass ich mein großes Ziel vielleicht nie erreiche. Wenn ich in den nächsten Jahren nicht Weltmeister werde, dann hätte ich das Gefühl, dass ich meinen Traum verfehlt hätte. Es ist also ein wichtiges Jahr. Aber das entscheidende kommt erst, wenn ich ein Auto habe, mit dem ich Weltmeister werden kann.

Muss es nächstes Jahr sein?

Perez: Es gibt so viele gute Fahrer und so wenig gute Cockpits. Ich weiß, dass es nicht nur von meiner Leistung abhängt. Da spielen viele andere Dinge mit hinein, die ich nicht beeinflussen kann. Ich kann nur mein Bestes geben. Mehr geht nicht.

Waren Sie überrascht, dass Ferrari so früh Kimi Räikkönen bestätigt hat?

Perez: Eigentlich nicht. Ich habe damit gerechnet, dass sie Kimi halten. Das Leben geht weiter. Ich werde weiter beweisen, dass ich reif für ein Top-Team bin.

Ist es frustrierend, dass die Top-Teams mit den Fahrern kein Risiko eingehen wollen?

Perez: Aus meiner Sicht ja. Ich will ja dort hin. Die Top-Teams schauen halt auch auf andere Dinge, wie Stabilität oder Ruhe im Team. Ich bin kein Teamchef, und kann mich deshalb schwer in ihre Gedanken hineinversetzen.

Sie waren bereits ein Mal in einem Top-Team. Ausgerechnet da ging es mit McLaren bergab. Bereuen Sie das?

Perez: Es war ein unglückliches Timing. Aber alles im Leben passiert aus einem Grund. Ich würde nichts an dieser Entscheidung ändern. Ich bedaure auch nichts. Im Gegenteil. Dieses Jahr bei McLaren hat mich zu dem Fahrer gemacht, der ich heute bin. Es hat mich mental stark gemacht. Und das war wichtig für meine Karriere.

Können Sie das erklären?

Perez: Ich war zu dem Zeitpunkt der aufstrebende Star. Viele Top-Teams wollten mich für 2013. McLaren wollte mich unbedingt. Sie hatten 2012 ein tolles Auto. Die Regeln haben sich über den Winter nicht verändert. Ich bin zu McLaren gegangen mit dem Ziel um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Die Ingenieure haben mir erzählt, dass es das beste Auto sein würde. Vorne ein Ferrari, hinten ein Red Bull. Aber als wir zum ersten Mal in Jerez getestet haben, war schon zu spüren: Irgendetwas mit dem Auto stimmt nicht. Das Auto war so unbeständig, dass ich ein halbes Jahr gebraucht habe, es einigermaßen zu verstehen und es zu fahren. Klar, du musst dich anpassen, wenn du in ein neues Team kommst. Es ist ein anderes Auto, eine andere Welt. Aber dieses Auto war unglaublich. Am Freitag war es anders als am Samstag und am Sonntag wieder anders als am Samstag. Dazu kam noch der politische Krieg im Team. Dass ich das als junger Fahrer überstanden habe, dass es mich nicht umgeworfen hat, war meine größte Lektion und meine größte Leistung.

Force India macht viel aus wenig Geld. Was würde passieren, wenn Force India das doppelte Budget hätte?

Perez: Dann wären sie doppelt so gut. Das einzige, was uns fehlt, sind Geld und Ressourcen. Wir haben unglaublich fähige Leute im Team, unglaublich viel Enthusiasmus. Ich bin stolz auf diese Truppe. Sie tut das Beste, was mit dem Geld möglich ist, das sie haben.

Eine Ihrer Qualitäten ist, dass sie Reifen schonen und trotzdem schnell fahren können. Wo haben Sie das gelernt?

Perez: Vielleicht schon im Kartsport. Wir hatten wenig Geld. Ich hatte immer weniger Reifen als die anderen Fahrer. Oft musste ich mir mit meinem Bruder einen Reifensatz pro Tag teilen. So bin ich viel auf alten Reifen herumgerutscht. Vielleicht hat sich da bei mir im Unterbewusstsein eingegraben, wie ich mit den Reifen schonend umgehen muss ohne dabei langsam zu sein. In der Formel 1 habe ich schnell erkannt, dass mein Fahrstil die Hinterreifen schont. Mein Problem sind eher die Rennstrecken, bei denen der Vorderreifen am Limit ist. Deshalb habe ich mit den Ingenieuren hart daran gearbeitet, wie ich das Problem mit der Fahrzeugabstimmung und mit Änderungen an meinem Fahrstil lösen kann. Es ist an jedem Wochenende eines der Hauptthemen für mich: Was kannst du tun, um das Leben der Reifen zu verlängern?

Wenn Sie sich so hinterfragen, was fehlt Ihnen dann noch? Wo würden Sie zuerst ansetzen?

Perez: Nichts Spezielles. Es gibt in jedem Bereich noch Raum, mich zu verbessern. Sie haben noch nicht den besten Perez gesehen. Ich versuche so komplett wie möglich zu sein.

Sie hatten immer starke Teamkollegen. Wo steht Nico Hülkenberg da?

Perez: Ich will keinen meiner Teamkollegen kritisieren. Aber Nico ist der Beste, gegen den ich je in meiner Karriere gefahren bin. Nico ist ein sehr kompletter Fahrer. Er hat praktisch keine Schwächen. Manchmal wenn ich denke, dass ich für mich das Beste rausgeholt habe, muss ich feststellen, dass es nicht genug war, um Nico zu schlagen. Das ist mir bei keinem anderen Teamkollegen passiert. Wenn ich da in Hochform war, hat mich keiner geschlagen. Nico ist ein zäher Hund. Ich habe viel von ihm gelernt. Sein Speed in der Qualifikation ist unglaublich. Und sein Verständnis für das Auto sehr gut.

Obwohl es eng hergeht, hatten Sie nie ein Problem wie gerade die Mercedes-Piloten. Warum nicht?

Perez: Bei uns gibt es nur eine Regel. Bleibt auf der Strecke, schießt euch nicht gegenseitig raus. Es wäre für dieses Team ein furchtbarer Schlag. Wir wissen wie sehr am Limit die Jungs sind. Da ist es unsere Pflicht für sie das Maximum herauszuholen.

Wann muss Ihre Zukunftsentscheidung fallen?

Perez: Zuerst konzentriere ich mich auf die nächsten 3 Rennen. Dann kommt die Sommerpause. Ich glaube, dass ich dann bereits eine bessere Vorstellung habe, was möglich ist, wo es freie Plätze gibt. Die Pause gibt mir Zeit, darüber nachzudenken. Im Augenblick gibt es für uns nur ein Ziel. Wir wollen Williams schlagen, sie noch von Platz 4 verdrängen.

Ist das wirklich möglich trotz 19 Punkten Rückstand?

Perez: Wir brauchen nur zwei gute Rennen für uns und zwei schlechte für sie. Bei 12 noch ausstehenden Rennen sollte das möglich sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht mehr wie in Österreich leichtfertig Punkte wegwerfen.

Sie sind wegen eines Bremsproblems von der Strecke geflogen. Hätte Sie ein warnender Funkspruch von der Box gerettet?

Perez: Ich hatte alle Information, die ich brauchte. Ich kann mich also nicht beschweren. Die Bremsen haben überhitzt. Das habe ich in den Griff bekommen. Was ich nicht wusste war, das links vorne die Scheibe am Limit war. Das wussten aber auch die Ingenieure nicht. Wir haben dort keinen Mess-Sensor angebracht. Es hätte also nichts genutzt, wenn ein Funkspruch erlaubt gewesen wäre. Als ich in Kurve 3 ankam, ist plötzlich das Pedal durchgefallen. Wir müssen unsere Messmethoden ändern. In Silverstone war das kein Problem. Die Strecke beansprucht die Bremsen kaum. Aber für Monza müssen wir reagieren.

Noch etwas, das sich verbessern muss?

Perez: Wir sind in diesem Jahr nicht so gut mit dem Reifenverschleiß. Um ehrlich zu sein. Das war mal eine Stärke, und ist jetzt eine Schwäche für uns geworden. Das müssen wir dringend abstellen.

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