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Sex-Skandal

Mosley fährt Doppelstrategie

Foto: dpa

FIA-Präsident Max Mosley kämpft mit leisen Tönen um sein Amt. Nach einigen verbalen Rundumschlägen in der Woche nach der Veröffentlichung des Sex-Videos ist der 68-jährige Engländer abgetaucht. Motto: "Lasst Gras über die Affäre wachsen."

16.04.2008 Michael Schmidt

Mosley verfolgt eine Doppelstrategie. Je mehr sein vergnüglicher Nachmittag mit fünf Prostituierten in Vergessenheit gerät, umso größer die Chance, dass ihm die Mehrheit der 222 Delegierten bei der Generalversammlung der FIA am 3. Juni das Vertrauen ausspricht. Sollte Mosley dennoch abgewählt werden, gibt es vier Szenarios.

Erstens: Er könnte sich für die Neuwahl nominieren lassen, was aber selbst aus Mosleys Sicht nicht ratsam wäre.
Zweitens:
Mosley muss sofort zurücktreten.
Drittens: Mosley bekommt bis zur Neuwahl bei der nächsten Generalversammlung im November Gnadenfrist.
Viertens: Mosley darf noch bis zum Ende seiner Legislaturperiode in Amt und Würden bleiben. Das wäre November 2009.

Ziel: Zeit gewinnen

Die vierte Variante ist das Mindestziel des gelernten Juristen. Dann blieben ihm anderthalb Jahre Zeit, einen geeigneten Nachfolger aufzubauen. Mosley will eine starke FIA hinterlassen. Ihm graut vor der Vorstellung, dass der Verband in sein Mauerblümchen-Dasein vor seiner Zeit zurückkehrt. Um der FIA auch weiterhin Gewicht zu geben, braucht es eine Persönlichkeit, die gegenüber den Herstellern entschieden auftritt und auch Formel 1-Chef Bernie Ecclestone Contra geben kann.

Es ist kein Geheimnis, dass Mosley Ex-Ferrari-Chef Jean Todt im Auge hat. Der 61-jährige Franzose hat jedoch keine Lobby bei der FIA. Da Todt kein Verbandspräsident ist, müsste Mosley seinen Wunschkandidaten den wahlberechtigten FIA-Mitgliedern erst schmackhaft machen. "Es ist kein Gesetz, dass der FIA-Präsident Mitglied eines Automobilclubs sein muss. Es kann theoretisch auch einer von außen sein", erklärt FIA-Sprecher Richard Woods. Bei Todt ergäbe sich aber noch ein Problem. Der Formel 1-Zirkus respektiert den Erfolgsmanager zwar, aber er zeigt nicht gerade Begeisterung, wenn der Name Todt fällt. "Da gibt es zu viele offene Rechnungen mit diversen anderen Teamchefs", sagt eine Stimme aus dem Fahrerlager.

Aussitzen und klagen

Mosley will ungeachtet des Misstrauens des ADAC (16,2 Millionen Mitglieder) und des amerikanischen AAA (54 Millionen Mitglieder) daran festhalten, den Skandal auszusitzen. Seine Privatklage gegen die Zeitschrift "News of the world" wird von seinen Anwälten betrieben. Da am letzten Sonntag kein weiterer Artikel zum Thema Mosley in dem Boulevardblatt stand, geht die Mosley-Seite davon aus, dass sämtliche Munition verschossen ist.

Angeblich überlegen die Anwälte, die Zeitschrift in mehreren Ländern anzuklagen, weil der Schutz des Privatlebens in England juristisch auf sehr wackligen Beinen steht. Außerhalb Englands fallen die Strafen höher aus. Die Juristen fahren zweigleisig. Einerseits versuchen sie die Vorwürfe des Nazi-Bezugs vom Tisch zu kriegen, andererseits konzentriert sich ihre Klage darauf, dass bei einem derartigen Eingriff in das Privatleben der Betroffene vor der Veröffentlichung die Chance erhalten muss, sich zu dem Vorfall zu äußern. Das ist aus Angst einer einstweiligen Verfügung nie geschehen.

Der in der Kritik stehende FIA-Chef hat zusätzlich ein Detektivbüro beauftragt, nach den Hintermännern der Observation zu fahnden. Die Agentur soll beste Verbindungen in Polizei- und Geheimdienstkreise haben. Mosleys Kompagnon Bernie Ecclestone hatte schon in Bahrain angedroht: "Wer immer es war, Max wird es herausfinden."

Keine offenen Rücktrittsforderungen

Ansonsten will sich Mosley vor der Vertrauensfrage am 3. Juni keine weitere Blöße geben. Die Gefahr, dass ihn nach dem Königreich von Bahrain auch der spanische Veranstalter oder der türkische Ministerpräsident auslädt, besteht allerdings nicht. Mosley hat bereits angedeutet, dass es nie geplant gewesen sei, nach Barcelona und Istanbul zu reisen. Etwas kritischer wird es in Monte Carlo. Mosley lebt in Monaco, das Rennen findet vor seiner Haustür statt.

Im Fahrerlager hält die Kritik an Mosley an. Tenor: "Trotz seiner unbestrittenen Verdienste um den Motorsport muss Max zurücktreten." Offen wagt keiner diese Forderung auszusprechen. Je größer die Chance wird, dass Mosley im Amt bleibt, umso größer ist die Angst der Kritiker, dass sie eines Tages der lange Arm des Präsidenten erreichen wird.

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