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So denken die Fahrer über Pirelli

Ist Vettels Reifen-Kritik überzogen?

Reifen - Formel 1 - GP Bahrain - 18. April 2013 Foto: ams 26 Bilder

Sebastian Vettel hatte beim GP China wenig Spaß. Es habe nichts mit Rennsport zu tun, wenn man absichtlich langsamer fahren müsse als möglich, nur um die Reifen in Schuss zu Halten. Die Diskussion hat im Fahrerlager zu angeregten Diskussionen geführt. Kimi Räikkönen ist ganz anderer Meinung.

19.04.2013 Michael Schmidt

Sebastian Vettel musste nach dem GP China Frust abbauen: "Es hat mit Rennfahren wenig zu tun, wenn du nur auf die Reifen aufpassen musst." Das haben einige in den falschen Hals bekommen. So als würde der Weltmeister nur jammern, weil er mal ein Rennen nicht gewonnen hat.
 

Vettel ärgert sich, dass dieser Eindruck entstanden ist: "Da wurde ein Zitat von mir wieder nur verkürzt wiedergegeben. Man wollte scheinbar wieder nur das Schlechte hören oder lesen. Ich habe im gleichen Atemzug gesagt, dass wir diese Aufgabe nun mal haben und damit umgehen müssen. Alonso, Räikkönen und Hamilton haben sie im letzten Rennen besser gelöst als ich."

Räikkönen nimmt Pirelli in Schutz

Vettel ging fünf Tage nach seinem vierten Platz beim GP China noch einmal im Detail auf die Problematik ein. "Als Rennfahrer macht es keinen Spaß, unter dem Limit zu fahren. Das geht allen von uns so. Du fährst heute dein eigenes Rennen ohne auf die anderen zu schauen. Alles dreht sich darum, die Reifen so gut wie möglich über die Distanz zu bringen. Wenn ein Schnellerer von hinten kommt, dann machst du freiwillig Platz, weil du deine Reifen noch mehr runieren würdest, wenn du dagegen hältst. Andererseits ist ein Überholmanöver kein Überholmanöver, wenn ich fünf Sekunden schneller bin als mein Vordermann."

Kimi Räikkönen hat kein Problem mit der Formel 1, so wie sie ist. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Anforderungen zur Zeit wie maßgeschneidert für den Finnen sind. Kaum einer versteht es so gut wie er, die Reifen in Schuss zu halten und dabei immer noch schnell zu fahren. Räikkönen kann die Aufregung um die Reifen nicht verstehen: "Die Aufgabe war immer die gleiche. Wie nutze ich den Reifen optimal? Geändert haben sich nur die Rahmenbedingungen. Als es noch Tankstopps gab, sind wir zum Teil viel kürzere Abschnitte zwischen den Boxenstopps gefahren als heute. Und die Autos waren generell mit weniger Gewicht unterwegs. Die Reifen mussten also weniger aushalten. Es ist unfair, Pirelli einen Strick daraus zu drehen."

Hamilton: Fahren gegen deinen Instinkt

Auch Nico Hülkenberg hat sich mit der Situation abgefunden wie sie ist. "Das Thema Reifen schonen ist ja nicht gestern erst um die Ecke gekommen. Das gab es letztes Jahr bereits, nur in einer anderen Spielart. Jetzt haben wir es eben mit einer anderen Form von Herausforderung zu tun."

Lewis Hamilton findet sogar Gefallen an der neuen Aufgabe: "Du lernst ständig dazu, wie du die Reifen behandeln musst, damit sie nicht einbrechen. Manchmal musst du Dinge gegen deinen Instinkt tun, aber damit habe ich kein Problem. Früher hast du mit einem frischen Reifensatz voll attackiert, um den Grip zu nutzen. Heute musst du dich die ersten zwei Runden zurückhalten. Früher bist du schnelle Kurven am Limit gefahren. Heute gehst du freiwillig etwas vom Gas, um den Reifen nicht zu überfordern. Es ist immer noch toller Motorsport, nur eben anders als früher."

Balance zwischen Sport und Show schwierig

Jenson Button hätte allen Grund, das neue Rennformat zu hassen: "Wir haben im Augenblick noch kein Auto, mit dem ich vorne mitfahren kann. Deshalb müssen wir manchmal mit alternativen Strategien pokern. In China bin ich ein Zweistopprennen gefahren und wurde die meiste Zeit überholt, weil ich auf die Reifen aufpassen musste. Aber die Kollegen, die auf drei Stopps unterwegs waren, haben bestimmt ihren Spaß gehabt. Man kann es nie allen Recht machen. Früher hatten wir Reifen, die ein ganzes Rennen lang gehalten haben, und alle sind hintereinander her gefahren. Es gab null Überholmanöver. Ich genieße die Rennen, wie sie heute sind. Es ist sehr schwierig, eine Balance zu finden zwischen Show und Sport. Ich finde, wir bieten im Augenblick tollen Sport. Es gibt viele Überholmanöver und es können mehrere gewinnen. Daran ist nichts falsch."

Brundle kann Kritik nicht verstehen

Sky-Experte Martin Brundle kann die Leute nicht verstehen, die sich die Ära Schumacher zurückwünschen. Als der Schnellste in der Startaufstellung vorne stand und der Langsamste hinten. Als die Reifen noch ewig hielten und die Fahrer zwischen den Tankstopps Qualifikationsrunden drehten: "Glaubt einer ernsthaft, dass sich während des Rennens diese Reihenfolge dann entscheidend ändert? Haben die Leute vergessen, dass es damals fast keine Überholmanöver gab."

Auf der andere Seite gibt Brundle zu, dass Pirelli in diesem Jahr vielleicht einen Schritt zu weit gegangen ist. "Die Rennen sind durch die vielen Boxenstopps sehr schwer zu lesen. Mich sprechen immer wieder Leute an und sagen mir, dass sie während des Rennens nicht mehr durchblicken." Obwohl der Engländer Rennfahrer durch und durch ist, kann er mit der Kritik einiger Fahrer nichts anfangen, die klagen, dass man zu sehr auf die Reifen aufpassen müsse. "Auch zu meiner Zeit gab es Faktoren, die uns daran gehindert haben, im Rennen jede Runde voll zu fahren. Wir mussten auf die Bremsen aufpassen, den Motor, das Getriebe oder die Antriebswellen. Die Autos waren viel zerbrechlicher als heute. Im Grunde hat sich nichts geändert, nur der limitierende Faktor ist ein anderer geworden."

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