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So verzockt sich Fernando Alonso

Der beste Fahrer ist schwer vermittelbar

Fernando Alonso - GP Japan 2014 Foto: xpb 94 Bilder

Fernando Alonso hat sich selbst ausgetrickst. Er pokerte so lange um neue Vertragsbedingungen bei Ferrari, bis die Ehe kaputt war. Das öffnete Sebastian Vettel die Tür. Und es schadet Alonso. Weil ihm fast nur noch die Option McLaren-Honda bleibt. Und weil der Streit mit Ferrari eine Warnung an alle anderen Teams ist: Es könnte ihnen genauso gehen.

04.10.2014 Michael Schmidt

Fernando Alonso ist Ferraris größte Trumpfkarte. Er holt das Maximum aus dem Auto heraus. Mehr als Startplatz 5 war auch am Qualifying-Samstag in Suzuka nicht drin. Hinter den Williams, vor den Red Bull. Und doch hatte der Spanier keinen guten Tag.

Am Morgen erreichten ihn zwei schlechte Nachrichten. Die erste: Sebastian Vettel nimmt seinen Platz bei Ferrari ein. Die zweite: Red Bull will ihn nicht und nimmt als Vettel-Ersatz lieber Daniil Kvyat. Einen Mann mit 15 GP-Starts Erfahrung.

In diesem Moment begriff Alonso erst, was er angerichtet hatte. Seine Körpersprache sagte mehr als seine Worte. Stereotyp wiederholte er seine Sätze vom Donnerstag mit dem Tenor, dass er im Transferpoker alle Karten in der Hand halte. Die jüngsten Ereignisse lassen daran zweifeln. Hätte er bei Ferrari nicht seinen Platz geräumt, wäre Vettel bei Red Bull geblieben. Und Alonso hätte eine Option mehr im Transferpoker.

Alonsos Sicht auf die Dinge ist eine andere. "Ich bin in der einzigartigen Lage, dass ich entscheiden kann, wann ich wo fahre. Seit drei Monaten habe ich einen Plan. Alles bewegt sich in die richtige Richtung. Wenn ich meinen Platz bestimme, werden sich die anderen bewegen."

Das sich Red Bull gegen ihn und für Daniil Kvyat entschieden hat, ist für Alonso kein Widerspruch: "Red Bull hat mit seinem Programm, junge Fahrer zu fördern, Erfolg gehabt. Es ist verständlich, dass sie diesen Weg weiter verfolgen. Ich kann damit leben. Red Bull hatte für mich keine Priorität."

Denkfehler von Alonso

Für Alonso bleibt aller Logik nach nur McLaren-Honda. Und als Notlösung Lotus-Mercedes. Beides Teams mit hohem Risiko-Potenzial. Ein Zurück zu Ferrari gibt es nicht mehr. Da ist zu viel Porzellan zerbrochen. Red Bull hat ihm die rote Karte gezeigt. Und Mercedes ist mit 99-prozentiger Sicherheit dicht. Die Hoffnung, dass Lewis Hamilton die Weltmeisterschaft verliert und in seinem Frust Hals über Kopf das Angebot von McLaren unterschreibt, ist minimal. Mercedes will nach Saisonende den Vertrag mit Hamilton um 2 Jahre verlängern.

Alonso hat einen Denkfehler gemacht. Die entscheidende Saison ist nicht 2015, sondern das Jahr danach. Erst im Laufe der nächsten Saison wird man abschätzen können, ob Ferrari und Renault den Rückstand zu Mercedes aufholen können, ob sich Williams-Mercedes wieder zu einem Top-Team entwickelt, ob Lotus mit Mercedes-Motoren die Kehrtwende schafft und wie stark die Kombination McLaren-Honda sein wird.

Die einzige Konstante in diesem Spiel ist Mercedes. Und damit durfte Alonso 2015 nicht rechnen. Sein Mentor Flavio Briatore holte sich eine Abfuhr, als er Mercedes einen Tausch zwischen Alonso und Hamilton vorschlug.

Alonso hat sich ein Jahr zu früh von Ferrari gelöst. Es war nicht wichtig, jetzt freie Hand zu haben, sondern ein Jahr später. Jetzt liegt der Druck auf Alonso. McLaren weiß, dass der Spanier nicht mehr viele Spielmöglichkeiten hat. Das drückt den Preis. Und man zeigt Alonso, dass er nicht der einzige auf der Wunschliste ist. Niki Lauda bestätigte, dass McLaren Hamilton ein Angebot gemacht hat. Worauf er zu Ron Dennis ging und ihn warnte: "Lass die Finger von meinem Loisl."

Vertrag mit McLaren noch nicht perfekt

BBC-Reporter Eddie Jordan spielt mal wieder das Orakel und posaunte hinaus, dass Alonso bei McLaren bereits unterschrieben hat. McLaren-Chef Ron Dennis widerspricht. Es gebe für 2015 mit keinem Fahrer einen festen Vertrag. Gerüchten zufolge will sich Alonso absichern, für den Fall dass McLaren-Honda hinterherfährt. Demnach verlangt er ein hohes Schmerzensgeld und eine Freigabe-Klausel nach einem Jahr.

Jetzt, wo er praktisch keine Alternativen mehr hat, wird er sich schwer tun, das bei McLaren durchzudrücken. Und was passiert, wenn sich McLaren darauf einließe und sich Alonso nach einem Jahr verabschiedet? Dann hätte sich der kompletteste Rennfahrer der Gegenwart noch mehr als ein Fahrer geoutet, mit dem man nicht planen kann. Red Bull-Teamchef Christian Horner spricht aus, was viele im Fahrerlager denken: "Mit Alonso kaufst du dir auch eine Hypothek. Er ist ein großer Rennfahrer, aber kein einfacher Mensch."

Für Niki Lauda ist Alonso nur zweite Wahl: "Wir haben die beste Fahrerpaarung. Nico und Lewis stacheln sich gegenseitig so an, dass sie das Maximum aus ihren Autos herausholen. Das treibt auch die Entwicklung an. Wir wären Idioten, wenn wir daran etwas ändern wollten."

Teamchef Toto Wolff denkt genauso: "Stabilität ist ein wichtiger Faktor. Hamilton und Alonso sind Top-Fahrer. Aber mit dem einen haben wir eine Beziehung, mit der wir sehr zufrieden sind. Wenn du eine schöne Frau hast, suchst du dir keine andere. Außer deine sagt dir, dass sie dich nicht mehr will."

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