Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Speed-Vergleich 2010 bis 2013

2010 gewinnt den Speed-Vergleich

Startaufstellung Foto: XPB 62 Bilder

Was war die schnellste Formel 1? Wahrscheinlich 2004. Doch dieses Jahr taugt wegen Rillenreifen, Tankstopps und ungezügelter Aerodynamik nicht zum Vergleich. Wir haben die letzten vier Jahre mit Slicks und Tankverbot miteinander vergleichen. Und da gewinnt das Jahr 2010. Nicht nur der Bridgestone-Reifen wegen. Auch die Aerodynamik war effizienter.

20.08.2013 Michael Schmidt

Im nächsten Jahr ändert sich alles. Die Technik, das Rennformat, die Rundenzeiten. Bevor in der Formel 1 die Turbo-Ära beginnt, schauen wir noch einmal auf die letzten vier Jahre und die Entwicklung der Rundenzeiten zurück. 2010 war das erste Jahr ohne Tankstopps und mit Slicks. Damit lassen sich die Autos und ihr Speed so halbwegs vergleichen.
 
Es war eine Zeit mit vielen technischen Veränderungen. Und dem Wechsel des Reifenherstellers. 2010 rollten die Autos noch auf Bridgestone-Reifen. Danach kam Pirelli. Wir haben in unserer Tabelle (siehe unten) die Pole Position, die schnellste Rennrunde und die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers gegenübergestellt. Leider ist ein fairer Vergleich nicht in allen Disziplinen möglich.

Mal spielte Regen den Spielverderber, mal eine unterschiedliche Anzahl an Safety-Car-Einsätzen, mal auch wie im Fall Bahrain unterschiedliche Streckenvarianten. 2010 wurde auf der Langversion mit 6,299 Kilometern gefahren, 2011 überhaupt nicht, und seit 2012 ist wieder das klassische Layout mit 5,412 Kilometern im Einsatz. Aus diesem Grund haben wir auch auf einen Vergleich beim GP Deutschland verzichtet, weil das Rennen zwischen dem Nürburgring und Hockenheim alterniert.

Die Reglement-Änderungen

Einen großen Einfluss auf die Rundenzeiten haben nicht nur die Reifen. Auch die Technik der Autos hat sich ständig geändert. 2010 wurde ohne KERS gefahren, es gab kein DRS, dafür den Doppeldiffusor und den F-Schacht. Die Autos wogen inklusive Fahrer 620 Kilogramm. 2011 löste Pirelli die Bridgestone-Reifen ab. Die Teams setzten wieder auf KERS. Im Training durfte DRS an allen Stellen benutzt werden, im Rennen nur zum Überholen an einer. Doppeldiffusor und F-Schacht wurden verbannt. Das Mindestgewicht stieg auf 640 Kilogramm.

2011 war das Jahr des angeblasenen Diffusors. Der Auspuff durfte im Boden der Autos münden. Die Frontflügelendplatten bogen sich bis zum Boden durch. Das brachte bis zu drei Sekunden. Das wurde 2012 genauso verboten wie das Produzieren von Auspuffgasen im Schleppbetrieb des Motors. Die Endrohre bliesen den Auspuffstrahl 25 Zentimeter vom Zielort entfernt aus den Seitenkästen. 2013 gab es weitere Einschränkungen. DRS darf im Training wie im Rennen nur noch an zwei Stellen benutzt werden. Schärfere Belastungstests machen den flexiblen Frontflügeln den Garaus. Die Autos wiegen nun 642 Kilogramm.

Melbourne im Vergleich

Ein Vergleich über alle vier Jahre ist in keiner der drei Disziplinen möglich. 2013 regnete es in der Qualifikation, 2010 im Rennen. Die schnellste Trainingsrunde gelang Sebastian Vettel 2011. Pirelli schlug Bridgestone um 0,390 Sekunden. Weicher Gummimischungen sei Dank. Auch bei der schnellsten Rennrunde gewinnt 2011 den internen Pirelli-Vergleich. Vettel war vor zwei Jahren über zwei Sekunden besser als 2012 und 2013.

Sepang im Vergleich

Zwei Mal fand das Abschlusstraining im Regen statt. Dafür ist die schnellste Runde aussagekräftiger, auch wenn die erste Hälfte des GP Malaysia 2012 auf nasser Fahrbahn stattfand. Zum Schluss war es trocken. Klar am Schnellsten war das Bridgestone-Jahr mit 1.37,054 Minuten. In der Pirelli-Ära boten die viel gescholtenen 2013er Reifen am meisten Grip. Sergio Perez fuhr mit 1.39,199 Minuten deutlich schneller als Kimi Räikkönen 2012 und Mark Webber 2011. Im Rennen sorgten Regen (2012, 2013) und Safety-Car-Einsätze (2010, 2012) für ungleiche Bedingungen.

Shanghai im Vergleich

In Shanghai lässt nur die Qualifikation einen ordentlichen Vergleich zu. 2011, also das erste Pirelli-Jahr, gewinnt mit Sebastian Vettels 1.33,706 Minuten-Runde. 2013 lag die Pole Position im Bereich von 2010 mit Bridgestone-Sohlen. Bei der schnellste Runde und dem Siegerschnitt müssen wir 2010 vergessen. Es regnete. Im Pirelli-Vergleich war 2011 das beste Jahr, auch wenn Vettel mit 1.36,808 Minuten die schnellste Rennrunde drehte. Er tat es mit weichen Reifen kurz vor Schluss. Der Rennschnitt von 195,688 km/h zeigt, welche Wirkung der angeblasene Diffusor hatte. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Sieger von 2012 und 2013 lagen mit 189,7 km/h deutlich darunter.

Sakhir im Vergleich

Das Wetter ist stabil in Bahrain. Die politische Lage leider nicht. Deshalb gab es 2011 kein Rennen. Und 2010 fuhren die Autos auf der langen Variante der Strecke. Bei der Gegenüberstellung von 2012 und 2013 herrscht praktisch Gleichstand. 2013 gewinnt die Pole Position, 2012 die schnellste Rennrunde, jeweils ganz knapp. Das 2012er Rennen war allerdings um 1,7 km/h schneller. Grund: Die Reifen waren vor einem Jahr etwas langlebiger.

Barcelona im Vergleich

Der beste Vergleich lässt sich ausgerechnet auf der Rennstrecke mit der größten Aussagekraft ziehen. In Barcelona zählen Aerodynamik und guter Grip vom Reifen. Die Wetterverhältnisse waren über die letzten vier Jahre stabil, und im Rennen störte kein Safety-Car das Bild. Ganz klarer Sieger ist 2010. Lag es nur an den Bridgestone-Reifen? Wohl kaum. Doppeldiffusor und F-Schacht waren in Barcelona eine Trumpfkarte. Dazu 20 Kilogramm weniger Gewicht, was allein schon acht Zehntel wert ist. Da können nicht mal der angeblasene Diffusor, KERS und DRS mithalten. In den Pirelli-Jahren war die Saison 2012 die langsamste. 2013 produzierte trotz eingeschränktem DRS mit 1.20,718 Minuten die bessere Pole Position, verlor aber im Siegerschnitt mit 185,605:186,020 km/h gegen die Saison 2011.

Monte Carlo im Vergleich

Vergessen Sie das Rennen. In jedem Jahr gab es Safety-Car-Einsätze, zwei Mal sogar Unterbrechungen. 2010 wurde das PS-Roulette vier Mal neutralisiert, 2011 drei Mal, 2012 ein Mal und in diesem Jahr wieder drei Mal. Die schnellste Qualifikationsrunde gehört Vettel aus dem Jahr 2011. Mit 1.13,556 Minuten lag der dreifache Weltmeister jeweils drei Zehntel unter dem Wert von 2010 und 2013. Auch die schnellste Rennrunde geht an 2011. Auffallend ist das große Delta zwischen Training und Rennen in der Pirelli-Zeit. Es lag 2011 bei 2,7 Sekunden, 2012 bei 2,9 und 2013 wieder bei 2,7. Auf Bridgestone-Reifen waren die Autos im Rennen nur um 1,3 Sekunden langsamer als im Training.

Montreal im Vergleich

Ein Vergleich mit Aussagekraft ist eigentlich nur bei der schnellsten Rennrunde möglich. Auch wenn Jenson Button 2011 bei einem zum Großteil verregneten Rennen gehandikapt war. Es gab aber auch trockene Phasen. 2012 produzierte mit 1.15,752 Minuten die schnellste Rennrunde der letzten vier Jahre. Die beste Pole Position geht mit 1.13,014 Minuten an das Jahr 2011. 2013 konnte nicht konkurrieren. Es regnete im Training. Bridgestone sieht im Vergleich mit Pirelli in Montreal schlecht aus. Das liegt daran, dass die Japaner 2010 viel zu harte Reifen mit nach Kanada brachten.

Silverstone im Vergleich

Die Qualifikation 2012 entzieht sich wegen Regen dem Vergleich. In den drei verbleibenden Jahren wurde die schnellste Trainingsrunde erstaunlicherweise 2013 gedreht. Ganz knapp vor 2010. Differenz: 0,008 Sekunden. Ein Zeichen dafür, dass Pirelli die Reifenmischungen 2013 für Highspeed-Strecken wie Silverstone zu weich gestaltet hat. Es funktionierte auch nur für eine Runde. Die beste Rennrunde war 2010 um 2,6 Sekunden schneller. Überraschend ist, dass der angeblasene Diffusor 2011 nicht mehr ausrichten konnte. Die Einzel-Rundenzeiten im Training wie im Rennen sind klar langsamer als 2010 und 2013.

Budapest im Vergleich

Hier gewinnt wieder ganz eindeutig das Jahr 2010. Und zwar in allen Disziplinen. Auch wenn das Regenrennen von 2011 aus dem Rahmen fällt. Ansonsten war 2011 die beste Pirelli-Vorstellung. Da schlägt der angeblasene Diffusor voll durch. Das 2013 eingeschränkte DRS hat auf dem kurvenreichen Hungroring neben Monte Carlo die geringsten Auswirkungen gehabt. Das zeigt sich im Vergleich zwischen 2012 und 2013. Die Pole Position lag um 1,6 Sekunden unter der des Vorjahres. Im Rennen zeigte sich, dass die weicheren Gummimischungen im Dauerlauf eine Bremse sind. Trotz nun identischer Reifenkonstruktionen. Im Gegensatz zur einzelnen Runde im Training war der Schnitt des Siegers praktisch gleich schnell. Weil Lewis Hamilton 2012 mit zwei Boxenstopps über die Distanz kam, in diesem Jahr aber einmal mehr die Reifen wechseln musste.

Fazit: 2010 gewinnt den Speed-Vergleich

Die schnellste Formel 1 seit dem Tankstoppverbot und der Rückkehr auf Slicks haben wir 2010 erlebt. Das liegt aber nicht allein an den Bridgestone-Reifen. Das Beispiel Montreal zeigt, dass die gewählte Gummimischung einen riesigen Unterschied ausmachen kann. Bridgestone ging 2010 auf Nummer sicher und sah gegen Pirelli entsprechend schlecht aus. Der Einfluss der Aerodynamik und des Mindestgewichts auf die Rundenzeiten darf nicht unterschätzt werden. Das zeigte sich 2010 mit dem Doppeldiffusor und dem F-Schacht, die den Vorteil von KERS und DRS locker in den Schatten stellten. Das war nur 2011 zu egalisieren mit KERS, DRS und angeblasenem Diffusor. Das aber war auch das erste Jahr von Pirelli. Und da bezahlten die Italiener noch Lehrgeld. Sie hatten viel zu oft zu harte Mischungen im Gepäck. Erst 2012, als man alle Rennstrecken kannte, traute sich Pirelli mehr zu. In diesem Jahr ging die Mailänder Firma einen Schritt zu weit. Die Stahl-Karkassen heizten den Gummi zu stark auf. In Verbindung mit weicheren Mischungen ergab das gute Trainingszeiten, verlängerte aber die Rennen, weil im Schnitt ein Mal mehr Reifen gewechselt wurde.

StreckePP / SR / GP2010201120122013
MelbournePP1.23,9191.23,5291.24,922Regen
SRRegen1.26,9471.29,1871.29,274
GPRegen / SC206,185 km/hSC204,924 km/h
SepangPPRegen1.34,8701.36,219Regen
SR1.37,0541.40,5741.40,7221.39,199
GPSC190,928 km/hRegen / SC188,231 km/h
ShanghaiPP1.34,5581.33,7061.35,1211.34,484
SRRegen1.38,9931.39,9601.36,808
GPRegen / SC195,688 km/h189,779 km/h189,778 km/h
SakhirPPandere Strecke---1.32,4221.32,330
SRandere Strecke---1.36,3791.36,961
GPandere Strecke---194,302 km/h192,632 km/h
BarcelonaPP1.19,9951.20,9811.22,2851.20,718
SR1.24,3571.26,7271.26,2501.26,217
GP192,471 km/h186,020 km/h185,838 km/h185,605 km/h
Monte CarloPP1.13,8261.13,5561.14,3811.13,875
SR1.15,1921.16,2341.17,2961.16,577
GPSCSCSCSC
MontrealPP1.15,1051.13,0141.14,3811.13,875
SR1.15,1921.16,2341.17,2961.16,577
GP195,080 km/hRegen / SC198,028 km/h198,760 km/h
SilverstonePP1.29,6151.30,399Regen1.29,607
SR1.30,8741.34,9081.34,6611.33,401
GP217,088 km/hRegen215,663 km/hSC
BudapestPP1.18,7731.19,1851.20,9531.19,388
SR1.22,3621.23,4151.24,1361.24,069
GPSCRegen179,391 km/h179,506 km/h
*PP=Pole Position
SR=Schnellste Runde
GP= GP Schnitt
SC= Safety-Car
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden