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Tarnen und Täuschen in der Formel 1

Die Spionageabwehr der F1-Teams

Red Bull F1-Test 2011 Foto: Daniel Reinhard 28 Bilder

Die Geheimhaltung in der Formel 1 erreicht zuweilen paranoide Züge. Red Bull und McLaren postierten selbst beim Boxenstopp-Training Stellwände, um die Fotografen abzuwehren. Wir zeigen Ihnen die skurrilsten Beispiele aus dem Spionageabwehr-Repertoire der F1-Teams.

22.03.2011 Michael Schmidt

Vor 40 Jahren waren Teams und Motorhersteller noch stolz auf ihre Produkte. Die Chassisbauer haben echte Zahlen über Länge, Breite, Höhe, Radstand und Spurweiten veröffentlicht. Heute sind das - wenn überhaupt - Phantasiewerte, die bestenfalls dazu dienen, andere auf die falsche Fährte zu locken.

Die Motorenhersteller gaben damals noch bereitwillig Auskunft über Hubraum, Bohrung, Hub, Verdichtung und Abmessungen. Heute erfährt man vom Motorenchef eher die Kontonummer als das Verhältnis Bohrung mal Hub.

Formel 1-Teams schotten sich ab

Am liebsten würden die Teams ihre Autos erst gar nicht zeigen. Bei Testfahrten mauern sie sich hinter riesigen Stellwänden ein. Die größten hat Ferrari. Die Top-Teams sind so kindisch, dass sie selbst auf der Seite Sichtblenden aufstellen, damit keiner einen Blick zwischen Stellwand und Garagentor werfen kann. Es sind Spezialkonstruktionen auf kleinen Rollen, die schnell zu verschieben sind.

Die Mannschaften sind gedrillt. Fährt das Auto aus der Box, werden die Schutzwände in letzter Sekunde zur Seite geschoben. Kommt das Auto zurück, geht der Vorhang schon zu, da ist der Wagen kaum richtig drin in der Garage. Ein Lob an Toro Rosso und Lotus. Ihre Garagen blieben die meiste Zeit offen.

Die Sponsoren werden es danken. Fotos von vorne in die Garage sind ein beliebtes Motiv. Zum Spionieren gibt es sowieso nichts. Denn aus dieser Perspektivesieht man nicht viel von der Technik. Der Frontflügel lässt sich auch beim fahrenden Auto fotografieren.

Teams bezahlen für Spionage-Fotos

Und außerdem: Spätestens nach dem dritten Testtag haben Adrian Newey, Aldo Costa oder Paddy Lowe von den Konkurrenzprodukten Fotos von allen Autos aus sämtlichen Blickwinkeln auf dem Tisch. Weil sie nämlich Fotografen dafür bezahlen, von den technischen Details der Gegner Fotos abzulichten.

Selbst der heilige Diffusor ist mittlerweile in jedem Fotoarchiv. Dabei haben einige Teams maßgeschneiderte Vorhänge entworfen, die beim Eintreffen des Autos in der Boxengasse über den Heckflügel geworfen werden, um einen Blick in das Heck des Autos zu verhindern. Die Fotografen müssen nur warten, bis die Fahrer an der Boxenausfahrt Starts üben. Das Tarnen ist also eine völlig sinnlose Übung.

Red Bull ließ in Barcelona die Boxenstopps mit dem Vorjahresauto trainieren. Bei Rennsimulationen geht das dummerweise nicht. Als Sebastian Vettel einmal länger als üblich vor seiner Box stand, rollten die Mechaniker eilig vier Stellwände vor und hinter das Auto. McLaren machte es genauso. Wahrscheinlich dachten die McLaren-Crew nebenan: Eine gute Idee. Der Nachahmungstrieb war in diesem Geschäft schon immer besonders gut ausgeprägt.

Fotografenjagd mit dem Feuerlöscher

Als ein Bild-Reporter mit einer Wärmebildkamera in der Boxengasse auftauchte, gab es gleich Großalarm. Bei Red Bull schützten Mechaniker das Auto. Dabei weiß beim RB7 mittlerweile jedes Kind, wo der Auspuff austritt. Ein Red Bull-Mann bedauerte: "Befehl von oben." Beim Weltmeisterteam werden neugierige Fotografen auch schon mal mit Feuerlöscher weggejagt.

Dass Autos, die auf der Strecke liegenbleiben unter eine Plane zurückkommen, daran haben wir uns gewöhnt. Einige Teams haben Schutzhüllen entwickelt, in denen das ganze Auto wie in einem Leichensack verschwindet. Oft haben die Einpackbemühungen Unterhaltungswert. So manches Auto wäre fast schon vom Haken gefallen, als die Mechaniker versuchten, die Abdeckung unter dem Fahrzeug durchzuziehen.

Mosley beendet das Versteckspiel

Ab Melbourne ist es mit dem Tarnen sowieso vorbei. Bei einem Grand Prix müssen die Garagen offenbleiben. Das hat der frühere FIA-Präsident Max Mosley 2003 in Monte Carlo in einer Nacht- und Nebelaktion so verordnet. Sehr zum Ärger der Teams, die ihr Versteckspiel früher auch bei den Rennen betrieben haben.

In der Startaufstellung ist dann endgültig Schluss mit der Sichtbehinderung. Alle Ingenieure sind da und spionieren. Was das Auge von Adrian Newey in einer Sekunde erkennt, ist mehr wert als tausend Fotos auf seinem Tisch.

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