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Spionage Affäre

Ferrari zieht die Sache durch

Foto: Ferrari 5 Bilder

Nachdem Ex-McLaren Mitarbeiter Mike Coughlan bereits sein Wissen über die Vorfälle an Ferrari beichten musste, zieht sich nun auch die Schlinge um Nigel Stepneys Kopf immer enger zu. Am Ende könnte der WM-Titel am Grünen Tisch entschieden werden.

13.07.2007 Michael Schmidt

Die italienische Justiz war bereits aktiv: zwei Hausdurchsuchungen und zwei Klagen, von denen eine wieder fallengelassen wurde, um an Informationen zu kommen. Der frühere Werkstattchef Nigel Stepney wird in Italien vor Gericht gestellt, weil er geheime Dokumente an einen Wettbewerber übergeben haben soll. Das Verfahren wird allerdings erst in ein paar Monaten stattfinden. "Wenn das alles sich so ergibt, wie ich glaube, werden wir frühestens Ende des Jahres bereit sein für eine erste mögliche Verhandlung", sagte der Staatsanwalt in Modena, Giuseppe Tibis, der "La Gazzetta dello Sport" (13.7.).


Der Empfänger der Dokumente Mike Coughlan geht nur deshalb straffrei aus, weil er Ferrari eine eidesstattliche Erklärung über die Vorfälle gab. Ferrari sah in dem Kuhhandel offenbar eine Chance, WM-Konkurrent McLaren-Mercedes in eine missliche Lage zu bringen. Die Fakten könnten aus Sicht einiger Teammitglieder dazu ausreichen, McLaren zu bestrafen. Es geht weniger darum, ob McLaren davon profitiert hat, sondern wieviele Leute ab wann etwas gewusst haben.


Führt mögliche Vorteilnahme zur Verurteilung?

Allein die theoretische Vorteilnahme und der unerlaubte Besitz von vertraulichen Informationen eines Mitbewerbers könnte für McLaren zum Fallstrick werden. Weil das Team für seine Mitarbeiter haftet, ist es nach Auffassung von Ferrari egal, ob es ein, zwei oder mehrere Mitarbeiter waren. Einer ist schon genug. Über diesen Anklagepunkt entscheidet am 26. Juli der FIA-Weltrat. Es könnte für McLaren schlimmstenfalls mit Punktabzug enden.

Wenn nicht eindeutig bewiesen werden kann, dass McLaren einen Vorteil aus dem vermeintlichen Wissen von Betriebsinternas des Gegners gezogen hat, wäre ein Punktabzug für McLaren und seine beiden Piloten allerdings ein Eigentor für Ferrari. Die Weltmeisterschaft wäre entwertet, der Titel am grünen Tisch Makulatur. Es könnte sogar passieren, dass viele Zuschauer bei den restlichen Rennen den Fernseher erst gar nicht mehr einschalten.

Ferrari hat Protest-Erfahrung

Es ist nicht das erste Mal, dass Ferrari im Titelrennen politisch eingreift. 1998 protestierte Maranello erfolgreich gegen die Doppelbremse von McLaren, die es durch gezielten Bremseingriff erlaubte, die Richtung des Fahrzeugs zu verändern. 2001 machte Ferrari gegen die Verwendung von Beryllium mobil, ein Stoff, der bei der Bearbeitung krebsfördernd sein kann. Mercedes verwendete Beryllium bei den Kolben seiner Motoren und hatte als einziger Hersteller diese Technologie im Griff. Ironie der Geschichte: Ferrari hatte den extrem leichten und steifen Werkstoff in der Formel 1 salonfähig gemacht. Er wurde zunächst nur bei Bremssätteln eingesetzt.

2003 ging Ferrari im Finale des Titelrennens gegen die Michelin-Reifen vor. Man argumentierte im Zusammenspiel mit Reifenpartner Bridgestone, dass die französischen Reifen der Titelgegner Williams und McLaren während der Fahrt durch Verformung der Lauffläche die maximal zulässige Breite von 270 Millimeter überschreiten würden. Ferrari und Bridgestone bekamen Recht. Im letzten Jahr spürte Renault den langen Arm aus Maranello. Ferraris Rivale im Kampf um den Titel musste für die letzten sieben Rennen den sogenannten Massedämpfer ausbauen. Er war zunächst von der FIA genehmigt worden und deshalb integrale Bestandteil des Fahrzeugkonzepts.

Geschickte Kampagne gegen Renault

Ferrari hielt sich bei der Aktion gegen den Massedämpfer geschickt im Hintergrund. Der ursprüngliche Protest kam von McLaren-Mercedes. Doch als man in Maranello merkte, wie stark die Renault ohne den Massedämpfer geschwächt wurden, beteiligte man sich zusammen mit anderen Teams an der Kampagne. Da war der Ausbau des eigenen Massedämpfers das kleinere Übel. Ferrari hatte sein System nach Bekanntwerden des Renault-Tricks in Eile entwickelt. Es war bei weitem nicht so effizient wie das des Gegners.

Der aktuelle Fall hat einen ähnlichen Geschmack, jedoch eine ganz andere Dimension. Diesmal geht es nicht um einen sichtbaren technischen, sondern um einen theoretischen Vorteil, von dem man bis heute noch nicht einmal weiß, ob er genutzt wurde. Ferrari sorgt sich am meisten darum, dass McLaren nun über Arbeitsabläufe, Budgets, Testpläne und interne Strukturen Bescheid wissen könnte. Für den Transfer von diesen Informationen braucht es aber keine Kopiermaschine. Die nimmt jeder Ingenieur beim Wechsel des Teams in seinem Kopf mit.

Ferrari hofft auf klare Beweise

Wenn die Untersuchung der FIA zu Tage fördern würde, dass McLaren technische Details vom Ferrari F2007 abgekupfert hätte, wäre der Fall einfach. Dann würde jeder eine Bestrafung verstehen, sogar einen Punktabzug. Deshalb muss Ferrari hoffen, dass die Inspektion eines Computers, den Coughlan in der Firma genutzt hatte, etwas Handfestes zu Tage fördert. Ferrari hatte beim obersten Gerichtshof in England durchsetzen lassen, dass dieser Computer beschlagnahmt wird.

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