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Spionage-Urteil

Keine Strafe für Renault

Foto: Daniel Reinhard 84 Bilder

Update + + Das Formel-1-Team Renault ist in der Spionage-Affäre um den illegalen Besitz von McLaren-Informationen ohne Strafe davongekommen und hat nach der Entscheidung im nun beste Karten im Poker um Fernando Alonso.

06.12.2007

83 Tage nach der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte 2007 von McLaren- Mercedes wegen deren Verwicklung in den Spionage-Skandal mit Ferrari stellte der Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA am Donnerstag (6.12.) zwar einen Verstoß gegen Artikel 151c des Regelwerks fest. Eine Strafe verhänge das Gremium aber nicht, hieß es in einer sechszeiligen Pressemitteilung am Donnerstagabend.

"Wir sind erfreut, dass wir uns nun voll auf die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2008 konzentrieren können", sagte Teamchef Flavio Briatore in einer Pressemitteilung des Rennstalls. Über die Gründe des vermeintlichen Freispruchs will die FIA an diesem Freitag informieren. Ankläger McLaren-Mercedes wollte sich auf Anfrage am Donnerstag nicht zu der Entscheidung äußern.

McLaren muss zittern

Das britisch-deutsche Team muss sich an diesem Freitag erneut vor dem FIA-Weltrat verantworten, nachdem der Rennstall in der "Formel 007" um vertrauliche Informationen des Erzrivalen Ferrari am 13. September drastisch bestraft worden war. In einer ersten Verhandlung waren die Silberpfeile allerdings auch freigesprochen worden, damals aus Mangel an Beweisen. Anschließend waren neue Indizien und Aussagen aufgetaucht. Am Freitag soll über mögliche Sanktionen für 2008 befunden werden.

Briatore hatte mit dem Freispruch gerechnet. Wenn das Urteil verkündet sei, werde man rechtliche Schritte gegen McLaren in Erwägung ziehen, hatte der Italiener stattdessen laut der britischen Zeitung "Daily Express" (6.12.) gesagt. "Unsere Reputation wurde diffamiert", wurde Briatore weiter zitiert. "Eine Menge sehr schlechter Sachen wurde über uns von McLaren in den vergangenen Wochen gesagt, sehr schädigende Sachen."

Weg frei für Alonso?

Die Entscheidung des Weltrates dürfte unterdessen dem Bemühen um ein erneutes Engagement von Alonso zuträglich sein. McLaren-Mercedes hatte die Zusammenarbeit mit dem entthronten zweimaligen Champion nach nur einem Jahr wegen dessen ständiger Anfeindungen wieder beendet. "Der Weg ist frei für Alonso", titelten einhellig die spanischen Zeitungen "El Mundo" und "Marca" am Donnerstagabend auf ihren Internetseiten. Es wird spekuliert, dass Alonso die FIA-Entscheidung erst einmal abwarten wollte, bevor er sich an ein neues - gegebenenfalls aber auch altes - Team bindet.

Ohne die Begründung der Entscheidung ist eine Einschätzung schwer. Fakt ist: Der ehemalige McLaren-Ingenieur Phil Meckereth hatte Datenmaterial bei seinem Wechsel im März 2006 zu Renault mit im Gepäck. Darunter sollen auch Informationen über das Benzinsystem und Fahrwerksabstimmungen gewesen sein. Die zuerst von McLaren-Mercedes erhobenen Anschuldigungen wurden von dem Rennstall aber am Abend vor der Renault-Verhandlung relativiert. Auf Bitten der FIA, wie es in der entsprechenden Pressemitteilung hieß.

Keine akkuraten Fakten von McLaren

Demnach wussten nicht 18 Renault-Mitarbeiter, wie ursprünglich von McLaren behauptet, von den Informationen. Vielmehr hätten 13 Mitglieder der Franzosen 18 Zeugenaussagen gemacht, neun hätten zugegeben, die vertraulichen technischen Daten angesehen und diskutiert zu haben. Auch die Behauptung, dass die Informationen auf elf Computer von Renault heruntergeladen wurden, musste McLaren als "nicht akkurat" bezeichnen.

Meckereth habe die Daten auf elf Computer-Discs gespeichert. Dass sich auf diesen Discs 780 Zeichnungen befunden hätten, sei ebenfalls ein Fehler. Ausgedruckt hätte das Datenmaterial 762 Seiten gefüllt - 18 Zeichnungen seien darunter zu finden gewesen.

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