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Spritverbrauch bestimmt das Tempo

Wer ist der beste Spritsparer?

Valtteri Bottas - Williams - Formel 1 - Test - Bahrain - 21. Februar 2014 Foto: ams 28 Bilder

Im Rennen bestimmt diese Saison nicht das schnellste Auto das Tempo, sondern der Spritverbrauch. Er diktiert den Piloten die Fahrerweise, dem Kommandostand die Strategie und den Ingenieuren die Abstimmung von Auto und Motor. Wir erklären, wie kompliziert die neue Spritspar-Formel wird.

26.02.2014 Michael Schmidt

Alle jubeln Mercedes hoch. Weil sie in Bahrain Bestzeiten am Fließband gefahren sind. Doch sind die Silberpfeile damit automatisch die Favoriten? Was die Zuverlässigkeit angeht auf jeden Fall. Auch im Kampf um die Pole Position in Melbourne führt der Weg nur über die Mercedes-Fahrer Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Doch für die 58 Runden im Albert Park von Melbourne sagt das gar nichts aus. Da bestimmt der Spritverbrauch das Tempo.

Obwohl die Autos mit 100 statt wie bisher mit 150 Kilogramm Benzin an den Start gehen und damit leichter sind, werden die Rundenzeiten im Rennen deutlich langsamer sein. Rosbergs Rennsimulation in Bahrain gab uns einen ersten Vorgeschmack. Die Zeiten bewegten sich fast stetig zwischen 1.39 und 1.42 Minuten. In seiner Qualifikationsrunde war er 1.33,2 Minuten gefahren.

Ferrari und Renault noch ohne Rennsimulation

Wer auf den Sieger in Melbourne wetten will, darf nicht die schnellsten Runden zum Vergleich heranziehen, sondern die Rennsimulationen. Das Dumme ist, dass bis jetzt nur Nico Rosberg, Valtteri Bottas und Jenson Button ein echtes Rennen abgespult haben. Von Ferrari und den Renault-Teams weiß man gar nichts.
 
Vielleicht haben sie im Rennen den großen Spritspar-Trick und überrumpeln die silbernen Raketen. Dass alle drei Motorenhersteller unterschiedliche Strategien beim Spritsparen einsetzen, lässt sich hören. Der Ferrari hört sich in den Bremszonen und Beschleunigungsabschnitten ganz anders an als der Mercedes. Der Renault-Motor ist wieder eine andere Welt.

Viele Tricks zum Spritsparen

Auch der Fahrer hat einen großen Einfluss. Valtteri Bottas erzählte, dass er bei seiner Rennsimulation viele neue Tricks zum Spritsparen gelernt habe. Nicht nur das übliche "lift and coast", also früh vom Gas gehen, das frühe Hochschalten oder mit höheren Gängen durch die Kurven fahren. Was genau er macht, wollte der Finne uns nicht verraten. Da wird jeder Fahrer seine eigenen Taktiken entwickeln.

Williams-Technikchef Pat Symonds vergleicht: "Erinnern Sie sich, als Michael Schumacher 1995 in Barcelona nur noch den fünften Gang zur Verfügung hatte. Es hat ein paar Runden gedauert, dann hatte er seinen Fahrstil so umgestellt, dass er kaum langsamer war als vorher. Das gleiche habe ich jetzt mit Valtteri bei seiner Rennsimulation in Bahrain erlebt. Fahrer passen sich schnell an neue Bedingungen an."

Gemisch abmagern bringt gar nichts

Die große Frage ist: Wer kann es besser? Die Jungen oder die Alten. Kevin Magnussen meint, dass die Jungen weniger Ballast aus der Vergangenheit mit sich herumschleppen und deshalb auch keine Vergleiche mit früher anstellen. So wie sich die junge Generation auch leichter mit der digitalen Welt zurechtfindet. Nico Hülkenberg gibt ihm Recht. "Das alte Auto muss aus dem Kopf. Alles ist neu. Deshalb bringt es nichts, den Vergleich mit früher zu ziehen."
 
Eine Maßnahme aus der Vergangenheit bringt gar nichts mehr. Da hat der Fahrer einfach auf ein Motorprogramm geschaltet, das das Gemisch abgemagert hat. "Wenn du das jetzt machst", warnt Symonds, "dann läufst du Gefahr, den Motor zu schädigen. Die Turbomotoren werden wegen ihrer hohen Verdichtung alle an der Klopfgrenze gefahren. Wenn es zu unkontrollierten Detonationen kommt, wird es gefährlich."

Langsamere Strategie besser als schnelle

Auch für die Strategen ändert sich viel. Der Spritverbrauch diktiert ihnen die Renntaktik, mehr als der Reifenverschleiß oder der Rennspeed. Noch einmal Symonds: "Wir sind in Bahrain ein Zweistopp-Rennen gefahren. Auf dem Papier wären drei Stopps schneller gewesen. Früher hätten wir uns deshalb für diese Variante entschieden. Jetzt müssen wir abwägen: Schneller heißt auch mehr Spritverbrauch. Unter dem Strich waren zwei Stopps im Rahmen der 100 Kilogramm Sprit, die wir zur Verfügung hatten, der bessere Weg."

Auf die Ingenieure kommt eine andere Zeit zu. Williams, McLaren und Force India haben zwar die gleiche Antriebseinheit im Heck wie das Mercedes-Werksteam, doch der Benzinverbrauch muss deshalb noch lange nicht identisch sein. Die entscheidende Größe ist die aerodynamische Effizienz der Autos. Abtrieb ist nur noch erwünscht, wenn er nicht durch mehr Luftwiderstand erkauft wird. Wenn das die Mercedes-Kunden besser gelöst haben als das Werksteam, dann fehlt vielleicht der absolute Speed im Training, aber im Rennen dreht sich der Spieß um. Es wird eine Tüftelarbeit, sich vor dem Qualifikationstraining auf das Setup des Autos festzulegen. Die Versuchung mehr Abtrieb zu fahren könnte im Rennen bestraft werden.

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