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Stallkrieg bei Red Bull

Der Feind als Motivationsspritze

Mark Webber Sebastian Vettel GP Malyasia 2013 Foto: xpb 18 Bilder

Sebastian Vettel und Mark Webber werden keine Freunde mehr. Trotzdem sind sie ein gutes Team. Klingt wie ein Widerspruch. Die gegenseitige Rivalität treibt die beiden Fahrer zu Höchstleistungen. Solange Red Bull weiter das beste Auto stellt, bringt es mehr Nutzen als Schaden. Gefährlich wird es erst, wenn die Konkurrenz näherrückt.

12.04.2013 Michael Schmidt

Immerhin, die beiden begrüßen sich noch. Sebastian Vettel und Mark Webber verbindet zwar kein gegenseitiges Vertrauen, aber wenigstens Respekt. Das war bei Ayrton Senna und Alain Prost oder Nelson Piquet und Nigel Mansell anders. Da schlug Rivalität in blinden Hass um. Insgeheim wusste der eine, dass der andere ein guter Rennfahrer ist, aber er wollte es nicht zugeben. Aus Prinzip war alles schlecht, was der Feind im eigenen Team gemacht hat. So weit sind Vettel und Webber noch nicht. Beide sagen: "Wir achten uns als Rennfahrer."

Webber wird für Vettel nicht mehr zurückzucken

Seit dem Stallregie-Drama in Malaysia ist das Tuch zwischen Vettel und Webber endgültig zerrissen. Webber wird in bei ähnlichen Situationen in Zukunft vielleicht nicht mehr zurückzucken und Vettel ein Rad in den Weg stellen. Und Vettel kann sich nie mehr sicher sein, ob sein Teamkollege im Rad-an Radduell fair spielt oder nicht.

Webber wird sich sagen, dass Vettel mehr zu verlieren hat als er selbst. Der dreifache Champion wird vielleicht mit Blick auf den WM-Titel zurückzucken. Vettel sieht darin keinen Nachteil: "Mark hat mir in der Vergangenheit nicht geholfen, er wird es auch in Zukunft nicht tun. Also ändert sich für mich nichts."

Zwei Alphatiere im Team: Gut für Red Bull

Der Stallkrieg bei Red Bull ist kein Einzelfall in der Geschichte der Formel 1. Teamkollegen, die sich nichts zu sagen haben, gab es schon oft. Alan Jones und Carlos Reutemann. Niki Lauda und Carlos Reutemann. Carlos Reutemann und Mario Andretti. Didier Pironi gegen Gilles Villeneuve. Nelson Piquet und Nigel Mansell, Ayrton Senna und Alain Prost. René Arnoux und Alain Prost. Alain Prost und Nigel Mansell. Elio de Angelis und Nigel Mansell. Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen. Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya. Fernando Alonso und Lewis Hamilton.

Die Aufzählung verrät: Einige Namen tauchen öfter auf. Und die Beteiligten sind immer Alphatiere, die keinen neben sich dulden, der ähnlich tickt. Das kann für das Team schädlich sein, muss aber nicht. Bei Red Bull hat es drei Jahre lang funktioniert. Weil das Auto überlegen war.

Die Fehde zwischen Vettel und Webber ist ja keine Erfindung der Neuzeit. Sie schwelt bereits seit 2010, als Vettel Teambesitzer Dietrich Mateschitz erklärte, dass er nicht für Webber fahren werde, solange er noch eine theoretische Chance habe, Weltmeister zu werden. Der mächtige Red Bull-Boss musste diese Ansage schlucken.

Der Feind im eigenen Team ist Motivationsspritze

Auch Bernie Ecclestone meint, dass Webber der ideale Teamkollege für Vettel ist. Weil er keine klassische Nummer zwei, noch nicht einmal eine Nummer 1B sei. Wer von vornherein weiß, dass er nicht gewinnen darf, fährt mit angezogener Handbremse.

Die Red Bull-Piloten treiben sich zu immer neuen Höchstleistungen an. Man sollte meinen, dass Profis wie Vettel und Webber zusätzliche Stimulanz nicht nötig haben, doch das ist dummes PR-Geschwätz. Der Feind vor der eigenen Haustür ist eine Motivationsspritze, egal wie professionell ein Fahrer sein Geschäft betreibt.

Wenn Vettel im Training eine Zehntelsekunde vorlegt, dann ist das für Webber ein Zeichen, dass es noch schneller geht. Ein Senna wäre ohne Prost nie so gut gewesen wie mit dem Erzrivalen im Team. Umgekehrt gilt das genauso. Nelson Piquet hat einmal gestanden, dass es ihm ein besonderes Vergnügen bereitete, Mansell beim Heimrennen zu schlagen. Es gelang ihm 1986 und 1987 mit der Trainingsbestzeit. Diese Niederlage hat Mansell so angestachelt, dass er im Rennen über sich hinauswuchs und Piquet geschlagen hat.

Vettel und Räikkönen: Eine Kombination mit Sprengkraft

Bei Mansell und Piquet wuchs sich die Rivalität 1986 zum Eigentor aus. Die beiden haben sich gegenseitig so viele Punkte weggenommen, dass am Ende Alain Prost auf McLaren Weltmeister wurde. Gleiches Szenario bei Reutemann und Jones 1981 oder Alonso und Hamilton 2007. Champion wurde jeweils ein Fahrer der Konkurrenz. Senna und Prost hat die Feindschaft beflügelt. Prost wurde Weltmeister, obwohl beide gegeneinander statt miteinander fuhren. Der McLaren war so überlegen, dass die verlorenen Punkte keinen Schaden angerichtet haben.

Auf Red Bull übertragen heißt das: Solange Adrian Newey weiter so gute Autos baut, werden Vettel und Webber voneinander profitieren. Deshalb wäre Vettel nicht geholfen, wenn er 2014 Kimi Räikkönen statt Webber als Teamkollege bekäme. Die beiden kommen momentan nur gut miteinander aus, weil sie sich auf der Strecke nicht in die Quere kommen.

Was glauben Sie, würde passieren, wenn beide für ein Team fahren und der eine meistens schneller ist als der andere? Dann wäre genauso schnell Feuer unter dem Dach wie bei Webber und Vettel. Weil auch ein Typ wie Räikkönen nicht dafür gemacht ist, die zweite Geige zu spielen.

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