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Stallregie-Verweigerung

Was macht Red Bull mit Webber?

Mark Webber GP England 2011 Rennen Foto: xpb 66 Bilder

Bei Red Bull stehen die Wogen nach dem GP England auf Sturm. Das Team wird Mark Webbers Ungehorsam beim Thema Stallregie nicht hinnehmen. Jetzt blühen die Spekulationen. Manche glauben sogar an eine Entlassung.

11.07.2011 Michael Schmidt

Die Stimmung im Red Bull-Motorhome knisterte nach dem Zieleinlauf in Silverstone. Teamchef Christian Horner steckte mitten in einer Journalistentraube, erklärte die Stallregie und übte Kritik an Mark Webber. Teamberater Helmut Marko war nicht zu sehen. Jedes Wort zu viel wäre unter Umständen fehl am Platze gewesen. Sebastian Vettel versteckte sich in seinem Ruheraum. Mark Webber saß mit Freunden an einem Tisch, als ginge ihn das Stallregie-Gerede nichts an.

Silverstone ist für Red Bull der Heim-Grand Prix schlechthin. Der Firmensitz in Milton Keynes liegt nur 35 Kilometer entfernt. Doch irgendwie meint es die englische Traditionsstrecke nicht gut mit dem derzeit besten Formel 1-Team. Schon im letzten Jahr brannte es lichterloh bei Red Bull. Es ging um einen Frontflügel, von dem es nur ein Exemplar gab. Und um Webbers Vorwurf, das Team degradiere ihn zur Nummer zwei.

Aussprache bei Red Bull

Der Vorfall in den letzten vier Runden des GP England erinnerte die Beobachter an das Theater vor einem Jahr. Als Webber dem Teamkollegen Platz zwei streitig machen wollte, bekam er am Funk die Aufforderung Abstand zu halten. Manche nennen so etwas Stallregie. Webber stellte sich taub und machte sich damit keine Freunde im Team. "Wir werden reden müssen", kündigte Horner an.

Der Teamchef machte klar, wie Red Bull den Vorfall sieht: "Das Team geht immer vor. Mark hat mit seiner Attacke 33 Punkte aufs Spiel gesetzt. Was passieren kann, haben Massa und Hamilton in der letzten Runde gezeigt. Beide sind sich ins Auto gefahren." Webber konterte: "Ich habe aufgepasst, dass es keine Kollision gibt. Aber ich wollte auch nicht zurückstecken."

Webber ignoriert Red Bull-Funksprüche

Die englischen Fairplay-Prediger zeigten sich wenig beeindruckt. "Sollte man den WM-Titel nicht auf der Straße gewinnen?", wurde Vettel gefragt. "Habe ich doch", gab der Deutsche abgebrüht zurück. "Bei uns gibt es keine Regel, die besagt: Ich fahre rechts, du links. Mark hat versucht mich zu überholen, und er hat es nicht geschafft. Zugegeben, etwas komisch zu so einem späten Zeitpunkt im Rennen. Hätte ich Mark vorbeigewunken, wäre es noch viel weniger Rennsport gewesen."

Der Einwand der englischen Reporter, Webber wäre an Vettel nur deshalb nicht vorbeigekommen, weil ihn das Team wiederholt zurückgepfiffen hat, ist falsch. Das gibt selbst Webber zu: "Ich habe die Teambefehle ignoriert und wollte an Seb vorbei. In der letzten Runde bekam ich wie er Reifenprobleme. Deshalb konnte ich ihn nicht überholen. Mit den Funksprüchen hat das nichts zu tun. Da habe ich weggehört."

Webber mit guten Karten im Vertragspoker

Rein theoretisch könnte das Team seinem Angestellten aus dem Ungehorsam einen Strick drehen. So etwas wäre ein Entlassungsgrund, wenn man es darauf anlegte. Red Bull-Kenner sind angesichts der Gewitterstimmung skeptisch. Es gibt einige, die mit einem blauen Brief an den Australier zumindest spekulieren. "Wenn sie mich rauswerfen wollen, muss ich das akzeptieren", zuckte der neue WM-Zweite mit den Schultern.

Er bezog die Frage aber eher auf die Saison 2012. Da ist immer noch keine Entscheidung gefallen, wer neben Vettel bei Red Bull fährt. "Ich habe viel Zeit", lässt sich Webber nicht nervös machen. Red Bull allerdings auch. "Uns läuft keiner davon", sagt Helmut Marko. Sein Problem ist. Weder im eigenen Lager noch außerhalb gibt es verfügbare Fahrer, die auf Webbers Niveau fahren.

Webber weiß, dass sich Red Bull mit einer Tausch gegen Sebastien Buemi oder Jaime Alguersuari nur selbst ins Knie schießen würde. "Im Augenblick sehe ich keinen, der den Job neben Sebastian so gut ausfüllen kann wie ich", erklärt der Australier selbstbewusst. McLarens Rückstand in der Konstrukteurs-WM beträgt 110 Punkte. Das klingt viel, ist es aber nicht. Ein Einmann-Team Vettel ist gegen Hamilton und Button unter Umständen zu wenig.

Horner: "Mark hat seine Chance nicht genutzt"

Webber blieb bei dem Wirbel um seine Person gelassen. Er wollte in diesem Rennen ganz offenbar austesten, wie weit sein Team mit Stallregie geht. Und er wollte herausfinden, ob er bereits jetzt zum Helfershelfer von Vettel abgestempelt ist. Horner verneint: "Mark hatte von der Pole Position aus seine Chance in diesem Rennen, aber er hat sie nicht genutzt."

Webber meinte: "Ich sehe mich nicht als Nummer zwei. Es ist verständlich, wenn das Team auf die Teampunkte schaut, aber ich will mein Punktekonto auch erhöhen. Deshalb lasse ich mich nicht fünf Runden vor Schluss zurückpfeifen, wenn ich klar schneller bin als mein Teamkollege." Es wird wohl ziemlich ernste Diskussionen geben, diese Woche in Milton Keynes. Überraschungen nicht ausgeschlossen.

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