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Folgen der Stallregie

Reifensparen wird bestraft

Sebastian Vettel GP Malaysia 2013 Foto: Wilhelm 18 Bilder

Die Stallregie treibt seltsame Blüten. Sie kann dazu führen, dass ein Fahrer im Training völlig umsonst Reifen spart. Zum Beispiel Sebastian Vettel. Unmut gab es bei der Konkurrenz auch, warum die Rennleitung das Überholmanöver hart an Boxenmauer nicht einmal untersucht hat.

03.04.2013 Michael Schmidt

Die Wogen über die Stallregie von Malaysia glätten sich nur langsam. Für die Fans sind Schlussphasen, bei denen die Teams auf Schongang schalten, eine Bankrotterklärung. Da sind sich alle einig, sogar Mark Webber, der in Malaysia eigentlich im Schongang zum Sieg hätte fahren sollen.

"Ich bin ein großer Sportfan und will sehen, dass die Sportler bis zum Schluss ihr Bestes geben müssen. Ich würde auch lieber ein richtiges Rennen bis zur Zielflagge fahren, statt mit 80 Prozent dahinzurollen. Man muss aber auch das Team verstehen. Es ist nicht der Normalfall, dass beide Autos allein an der Spitze fahren. Die 500 Mitarbeiter in der Firma würden es nicht verstehen, wenn Seb und ich uns in die Kiste fahren."

Wird Stallregie zur Regel?

Für die Zuschauer auf den Tribünen und am TV-Schirm ist das keine befriedigende Antwort, denn diesmal betraf es nicht nur das Team an der Spitze. Auch Mercedes kontrollierte das Geschehen vom Kommandostand aus. Und wäre Kimi Räikkönen am Ende des Rennens näher an Romain Grosjean herangerückt, dann hätten die Lotus-Strategen ebenfalls eingegriffen. Weil nach vorne und hinten Luft war.

Das Beispiel Malaysia könnte Schule machen. Man muss sich also wünschen, dass die Teams in den letzten Runden nicht im Tandem unterwegs sind. Stallregie kann aber auch die ganze Arbeit eines Piloten und seines Renningenieurs auf den Kopf stellen. Mal angenommen, die beiden haben ein Setup gewählt, das mit wenig Benzin an Bord besser funktioniert als mit viel. In der Phase, in der der Fahrer profitieren könnte, wird er zurückgepfiffen.
 
Sebastian Vettel hat in Malaysia in der Qualifikation mit Bedacht Reifen gespart. Als einziger der Spitzenpiloten hatte er drei frische Sätze der harten Mischung und zwei der Marke "medium" in der Hinterhand. Bei einem offenen Rennen wäre genau dieser Satz "medium" seine Trumpfkarte gewesen. "Er war bei den überraschend kühlen Bedingungen der bessere Rennreifen", verrät Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

Viel Risiko im Training für nichts

Vettel war von den Spitzenpiloten der einzige, der im Schlussturn von Malaysia mit einem frischen Reifensatz der weicheren Mischung fahren konnte. Webber blieb nur noch eine Garnitur der harten Sohlen übrig. So wie den Lotus-Piloten. Die Mercedes-Fahrer bekamen in der Not je einen gebrauchten Satz der Medium-Reifen aufgeschnallt. Ihr Kontingent an neuen weichen Reifen war bereits verschossen.

Für diesen einen Reifensatz für das Finale des Rennens hat Vettel im Training viel riskiert. Der Weltmeister versuchte mit einem Satz der weichen Gummis durch Q1 und Q2 zu kommen. Was jeweils knapp gelang. Er hätte auch durch den Rost fallen können. Mit der Stallregie wäre das Reifensparen nicht belohnt worden.

Keine Untersuchung gegen Webber

Im Zusammenhang mit dem Duell der beiden Red Bull-Piloten wunderte sich die Konkurrenz, warum das Überholmanöver die Rennleitung noch nicht einmal eine Untersuchung ausgelöst hat. Mark Webber drängte Vettel bei dessen Angriff mit rund 300 km/h fast in die Boxenmauer.

"Da sind andere Fahrer schon für weniger bestraft worden", stellte ein Teamchef eines gegnerischen Rennstalls fest. Auch der gestreckte Mittelfinger von Webber nach der Zieldurchfahrt blieb ungeahndet. Eine Stimme aus dem Fahrerlager. "Da ist Herr Webber aber milde davongekommen. Lewis Hamilton hätten die Kommissare bestimmt eine auf die Finger gegeben."

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