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Stallregie-Zoff bei Williams

"Ich habe das Richtige getan"

Massa & Bottas - GP Malaysia 2014 Foto: xpb 62 Bilder

Es gibt die erste Krise zwischen zwei Fahrern. Nicht bei Ferrari, nicht bei Mercedes, nein bei Williams. Felipe Massa ignorierte den Stallbefehl, seinen Teamkollegen Valtteri Bottas vorbeizulassen. Massa verteidigt seine Entscheidung. Die Stimmung bei dem Traditionsteam aus Grove ist geladen.

31.03.2014 Michael Schmidt

Eigentlich hatte man den ersten Zoff des Jahres anderen Fahrerpaarungen zugetraut. Fernando Alonso gegen Kimi Räikkönen bei Ferrari oder Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg bei Mercedes. Aber dass es ausgerechnet bei Williams kracht, war dann doch eine Überraschung.

Doch in der Fahrerpaarung Felipe Massa gegen Valtteri Bottas steckt viel Zündstoff. Alt gegen Jung. Ein Mann, der sich nach vier Jahren bei Ferrari in der Versenkung rehabilitieren will gegen einen, der in seinem zweiten Jahr seine Vorschusslorbeeren einlösen muss. Beide wissen: Der eine kann den anderen in die Rente schicken.

Williams traditionell gegen Stallregie

Stallregie ist ein Wort, das man eher bei anderen Teams vermutet. Frank Williams war berühmt dafür, seine Fahrer aufeinander zu hetzen. Er hat deswegen schon Weltmeisterschaften verloren.
 
1981 zum Beispiel, als Alan Jones sich nicht darum scherte, dass Teamkollege Carlos Reutemann um den Titel fuhr, er aber längst aus dem WM-Rennen war. Jones machte sich einen Spaß daraus, den Argentinier zu schlagen. Frank Williams sah genüsslich dabei zu.
 
Oder 1986, als sich Nelson Piquet und Nigel Mansell gegenseitig Punkte wegnahmen und Alain Prost als lachender Dritter zum WM-Titel kam. Williams verlor deshalb zwei Jahre später die Honda-Motoren.

Massa seit Ferrari-Stallregie vorbelastet

Der neue Chef heißt Claire Williams. Die Tochter des Rollstuhl-Generals hat sich der Zeit angepasst. Da haben Effizienz, Teamwork und politische Korrektheit Priorität. Und als Valtteri Bottas am Ende des GP Malaysia dank besserer Reifen zu Felipe Massa aufschloss, und beide Williams-Mercedes hinter Jenson Button festhingen, da kam der verhängnisvolle Funkspruch an Massa. "Bottas ist schneller als du. Lass ihn vorbei." Bottas bekam die Aufforderung: "Du bist schneller als Massa. Überhol ihn."

Massa reagierte nicht. Ihm kam der Satz bekannt vor. Genau so wurde er 2010 in Hockenheim und bei anderen Gelegenheiten von Ferrari aufgefordert, Fernando Alonso den Vortritt zu lassen. "Ich bin diesbezüglich seit Ferrari vorbelastet und reagiere sensibel darauf", gibt Massa zu.

Er ist der Meinung: "Das Team hat mich verpflichtet, weil sie mich respektieren." Eine Stallregie zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison zeugt nach Massas Meinung nicht von Respekt. "Man kann das machen, wenn zwei Fahrer unterschiedliche Strategien fahren oder später in der Saison, wenn es um WM-Positionen geht."

Überholbefehl kurz vor Schluss zurückgenommen

Die letzte Kommunikation am Williams-Funk wurde nicht vom TV-Signal übertragen. Zwei Runden vor Schluss meldete sich Massa zu Wort. "Ich kann schneller fahren und komme vielleicht noch an Button vorbei." Darauf wiesen die Renningenieure die beiden Fahrer an, ihre Positionen zu halten. Bottas bestätigte missmutig: "Es war mir in den letzten zwei Runden nicht mehr erlaubt anzugreifen."

Zwei Stunden nach dem Rennen, nach dem ersten Briefing mit den Ingenieuren, waren die Emotionen immer noch erhitzt. Massa verteidigte seine Aktion: "Ich habe mit Button bis zum Ende gekämpft und wollte keine Punkte herschenken. Valtteri konnte nicht mal mich überholen, weil er die gleichen Traktionsprobleme hatte wie ich. Wie wollte er dann an Jenson vorbei? Ich war nicht langsamer als er. Button hat mich aufgehalten."

Massa ist mit sich im Reinen

Auf die Frage, ob nun der Teamfriede gestört ist und ob es im Konferenzraum zu einer Aussprache mit der Teamleitung kam, wich Massa aus: "Es gab Gespräche, aber es gibt keine Probleme. Jedenfalls sehe ich keine. Ich bin in diesem Team, um mein Bestes zu geben und habe das Richtige getan. Es war das, was ich für mein Rennen tun musste. Und Williams hat als Team nichts verloren. Das Resultat wäre das gleiche gewesen, hätte ich Valtteri vorbeigelassen."

Nach Angaben des Teams hätte man die Reihenfolge der beiden Fahrer wieder hergestellt, hätte es Bottas nicht geschafft Button innerhalb weniger Runden zu überholen. Doch da Massa nicht mitspielte, wird man nie erfahren, was Bottas gegen den McLaren ausgerichtet hätte.

Der Ärger stand dem Finnen ins Gesicht geschrieben. "Ich glaube, ich hätte Button überholen können. Meine Reifen waren besser als die von Felipe, weil ich beide Male später zum Boxenstopp kam als er. Es wäre eine Chance gewesen, mehr Punkte für das Team zu holen."

Wolff erwartet Bottas-Konter auf der Strecke

Mercedes-Sportchef Toto Wolff, der eng mit dem Williams-Team verbunden ist und früher Manager von Bottas war, glaubt nicht, dass sich sein ehemaliger Schützling nachhaltig davon beeindrucken lässt. "Ich kenne Valtteri jetzt schon so viele Jahre. Das ist so ein ruhiger, kaltschnäuziger junger Mann. Der wird gar nichts sagen - höchstens intern. Aber er wird sich denken: 'Den fisch ich mir schon wieder.'"

Von außen sieht Wolff den Stallregie-Zoff bei seinem Ex-Team locker: "Das ist doch gutes Entertainment. So muss die Formel 1 sein." Seine Teamchef-Kollegin Claire Williams beneidet der Mercedes-Rennleiter allerdings nicht: "Sie ist jetzt in der gleichen Situation, wie wir es letztes Jahr waren."

Bei Mercedes hat man aus dem Ärger vom Malaysia Grand Prix 2013 gelernt. Lewis Hamilton und Nico Rosberg dürfen – solange es fair zugeht – gegeneinander kämpfen. "Bei uns wird es bis zum Ende ausgefahren. Erst wenn ein Pilot keine theoretische Chance mehr auf den Titel hat, der andere aber schon, werden wir eine Entscheidung treffen."

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